Punktlandung im Hype: Birdy Nam Nam in der Laiterie

Matthias Cromm

Ginge man allein nach seiner Pomade-gestärkten Frisur, wäre fudder-Autor Matze wohl nicht jemand, den man im hopsenden Pulk eines Birdy Nam Nam-Gigs erwarten würde. Genau da war er allerdings am vergangenen Wochenende in der Laiterie. Und er meint: genau da sollte man bei den bevorstehenden Génériq-Gigs der Crew in Montbéliard und Besançon auch sein.



Schön, vielleicht bin ich auf den ersten Blick nicht der Richtige um auf Elektronik Events rumzuhängen und darüber zu berichten. Allerdings habe ich schon vor einiger Zeit Birdy Nam Nam im Vorfeld einer Justice-Show gesehen und gehört, und seither gehört dem französischen Vierer ein nicht unbedeutender Teil Respekt und Fantum meinerseits.


Zugegebener Weise hat damals Birdy Nam Nam dem Hauptact die Butter und die Wurst vom Brot gezogen. Also keine Frage, Birdy Nam Nam in der Laiterie, Straßburg? Nichts wie hin! Zu Anfang kam es mir dann doch etwas übertrieben vor, dass im großen Saal der Laiterie gleich Freitag und Samstag als Termine angekündigt waren. Aber als nach wenigen Tagen die Meldung kam, beide Termine seien ausverkauft, dämmerte mir langsam, dass die Jungs in Frankreich doch eine gewisse Größe zu sein scheinen. Immerhin hat Sony Frankreich das aktuelle Album „Manual for successful rioting” veröffentlicht, während hierzulande kaum ein Wort über die Vier verloren wird.



Birdy Nam Nam, der Name der DJ Crew entstammt übrigens dem Film "The Party" mit Peter Sellers unter der Regie von Blake Edwards. Crazy-B, DJ Pone, DJ Need und Little Mike begreifen ihre Plattenspieler als Instrumente und spielen auch live zusammen wie eine Band mit vier Turntables mit Effektgeräten. 2002 haben sie bereits den DMC Technics World Team Preis mit nach Hause genommen.

Kurz und gut, meine Begleitung und ich kommen früh an der Laiterie an und uns erwartet eine lange Schlange französischer Kids, wahlweise ausgestattet mit 1,5 Liter PET-Flaschen gefüllt mit Softdrink-Schnaps-Mischungen oder Weinflaschen. Aufgeregt suchen diverse Pulke Halbwüchsiger noch Karten, aber das Angebot ist knapp und teuer, die Nachfrage groß. Der Gedanke, dass wir uns heute Abend verdammt alt fühlen könnten, verfliegt erst als die ältere Kundschaft gelassen kurz vor Showbeginn eintrudelt.

Die Laiterie ist zum bersten voll, wir stellen und ins Rockopa-Eck, hinten und nahe an der Tür um bei Bedarf vor der komplett hohldrehenden Meute das Weite suchen zu können. Natürlich auch um nach der Show als erste am wohl gefüllten Merchandise-Stand zu sein. Der Blick auf die unglaubliche Fingerfertigkeit der Vier bleibt uns leider weitestgehend verborgen, dafür entschädigt uns der Anblick der vollen Größe der immensen Lichtshow, hinter einem Meer von in die Luft geschmissenen Armen und natürlich die musikalischen Punktlandung.



Die "Alte Schule HipHop-Wurzeln" sind unverkennbar, die Grundlage der Beats entstammt größtenteils der Elektronikwelle der 90er Jahre. Ungezügelter Partydrang, humorvolle musikalische Zitate und großartige Remixe verbinden sich mit der riesigen LED-Wand, auf der geometrische Formen und Bilder pulsierend auf- und abgebaut werden, mal gleißend und hektisch, mal in bonbonbunten Farben, immer den durchdringenden Bässen folgend.

Trotzdem klingen die Arrangements taufrisch, biedern sich nie zu sehr dem Partyfolk an. Einige Stücke scheinen ihre Ursprünge tief im Jazz zu haben, während andere eindeutige Rocksong-Strukturen haben, man lässt sich nicht festlegen, ist eigen und nimmt sich viel kreative Freiheit auf der Suche nach dem idealen Spannungsbogen, dem besten Beat und dem fluffigsten Flow.

Natürlich dürfen die Über-Hits 'Trans Boulogne Express', 'Worried' und 'The Parachute Ending' nicht fehlen. Verdammt, wenn das mal nicht das Zeug zum neuen französischen Exportschlager hat, die Jungs legen die Latte verdammt hoch!

Nach einigen Zugaben, darunter einer Hammer-Version der the Faint Nummer von „The geeks were right“ ist die Show vorbei, noch während des Outros flitzen wir zum Merch-Stand und decken uns mit Vinyl- sowie Baumwollprodukten ein, die CD, die wir als Dreingabe bekommen haben, steckt auf der Heimfahrt sofort im Player.

Der Abend hätte von mir aus einfach so weitergehen können, ich denke von Birdy Nam Nam werden wir noch einiges hören, hoffentlich!



Mehr dazu:

Was: Birdy Nam Nam
Wann: Donnerstag, 19. Februar 2009
Wo: Montbéliard, Jules Verne

Wann: Freitag, 20. Februar 2009
Wo: Besançon, Micropolis

[Bild 1 & 3: Promo]