Pukka German: Umgangssprache per Podcast

Nikolai Worms

Die Mission von Lisa Ernst und ihrem südafrikanischen Freund Tyler Duncan: Mit ihrem wöchentlichen Podcast auf pukkagerman.com wollen sie endlich allen englischen Muttersprachlern echtes, umgangsprachliches Deutsch beibringen. "Pukka" ist nämlich anglo-indisch und heißt so viel wie authentisch, verlässlich und echt. Niko hat sich mit den beiden getroffen.

Wer von euch hatte die Idee für Pukka German?


Lisa: "Du hattest die Idee, würde ich mal sagen."

Tyler: "Ich kam nach Deutschland und konnte überhaupt kein Deutsch sprechen. Die ersten vielleicht sechs Monate habe ich mir sehr viel Mühe gegeben, Deutsch zu lernen, und habe viel Zeit verbracht mit Büchern oder CDs. Ich habe dann ziemlich schnell rausgefunden, dass was man da in Büchern lernt, ist nicht was man hört wenn man unterwegs ist. Ich hatte das Gefühl dass oft, wenn wir sozial unterwegs waren mit einem Bier dabei, dass es gab Witze, die ich nicht verstehen konnte. Dann habe ich ein bisschen nachgeforscht, rumgeschaut, habe ein paar Bücher gekauft, es ging um deutschen Slang, und dann einfach festgestellt, dass es nicht genug war für englische Muttersprachler."

Lisa: "Und vor allem gibt es nichts im Internet."

Tyler: "Ein zweites Ding war: ich habe realisiert, dass die Deutschen nicht so humorlos und langweilig sind..."

Lisa: "...wie du dachtest!"

Tyler: "Genau, die englischen Muttersprachler, vor allem die Engländer und die Amerikaner auch, haben immer diese Stereotyp, dass die Deutschen nur Sauerkraut essen und ich weiß nicht was für andere Sachen, und dass sie nicht so humorvoll sind. Das soll sich mit unserem Podcast ein bisschen ändern."

Also tragt ihr sogar zu interkulturellen Kommunikation bei?

Lisa: "Ein bisschen vielleicht."

Tyler: "Diese Stereotype sind mir schon wichtig. Es muss irgendeinen Sinn dafür geben, dass sie existieren. Ich habe mir das irgendwie so vorgestellt: in Großbritannien sie haben diesen schwarzen Humor, der die Leute schockiert. In Amerika gibts diesen Slapstick, dass alles einfach doof ist und jeder lacht. In Deutschland habe ich das Gefühl, dass es mehr mit der Sprache zu tun hat. Weil viele Leute dieses Sprachniveau nie erreichen, geht viel von diesem Humor verloren."

Ihr habt ja mittlerweile fast 30 Folgen des Pukkagerman-Podcast fertig, und die Themen sind sehr vielfältig. Wie kommt ihr auf die Ideen?

Lisa: "Wir haben ein paar Bücher, aus denen wir Vokabeln heraussortiert und thematisch in Gruppen eingeordnet haben. Wir gucken dann jede Woche auf diese Liste und entscheiden dann eigentlich spontan worauf wir Lust haben. Demnächst wollen wir allerdings mehr über Liebe und Verliebtsein machen, weil darauf viele Hörer anspringen. "

Tyler: "Wir würden auch mal gerne etwas über insults oder swearwords machen. Vielleicht verlieren wir dadurch Hörer, vielleicht gewinnen wir auch welche."

Wisst ihr, woher eure Hörer kommen?


Tyler: "Die meisten kommen aus den Staaten, mittlerweile kommen auch mehr und mehr Leute aus Deutschland, weil ich habe schon in letzter Zeit mehr Werbung gemacht in Foren."

Lisa: "Dabei ist der Podcast für englischsprachige Leute in Deutschland ja besser, denn hier können sie das Gelernte tatsächlich anwenden. Allerdings sind Podcasts hier in Deutschland noch nicht so bekannt, fast jeder, dem ich von Pukka German erzählte, fragt erstmal: Hä, was ist denn ein Podcast?"

Wie lange braucht ihr für einen Podcast? Wo nehmt ihr die Folgen auf?

Lisa: "Im Moment mache ich den Text und Tyler verbessert nur mein Englisch. Es kommt aber immer drauf an: Entweder es flutscht oder es flutscht nicht. Wir sperren uns dann in so einen kleinen Raum, in dem zum Beispiel auch Tylers Schuhe stehen, machen alle Rollläden runter und nehmen auf."

Tyler: "Es dauert schon eine Weile, weil wir müssen erstmal ein Thema suchen. Entweder schreiben wir es zusammen, aber wir kennen uns jetzt schon richtig gut und ich kann auch einen Text für Lisa schreiben und umgekehrt."



Ihr bietet auch eine Premium-Mitgliedschaft an, wird die angenommen? Wollt ihr so richtig Geld verdienen?

Lisa: "Da gibt's schon einige Hörer, aber wir brauchen mehr! Man bekommt dort zusätzliche Übungen und Quizze, deren Erstellung mir ziemlich viel Arbeit macht. Deshalb wäre es schön, wenn sich dort mehr Leute anmelden. Es wäre natürlich cool, wenn Pukka German irgendwann mal mehr Geld abwirft."

Tyler: "In letzter Zeit schon einige, aber aller Anfang ist schwer. Mittlerweile läufts ein wenig."

Was macht ihr eigentlich, wenn ihr grade keine Podcasts produziert?

Lisa: "Ich habe grade Englisch, Geographie und Ethnologie fertig studiert und suche jetzt einen Job."

Tyler: "Ich habe mich selbstständig gemacht als Webdesigner, das mache ich aber mittlerweile fast nur noch nebenbei, weil Pukka German so viel Zeit kostet."

Wie soll es mit Pukka German weitergehen?

Tyler: "Wir haben jeden Monat mehr Leute auf der Seite, letzten Monat waren es 7000. Wir wollen jetzt mehr Werbung machen, und mehr Partnerschaften mit anderen Deutschlernseiten schließen."

Lisa: "Wir bekommen ganz viele neue Hörer und verdienen ne Stange Geld."

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