Puff Daddy: Wie schädlich ist Shisha-Rauch?

Lorenz Bockisch

Wie schädlich ist Shisha-Rauch? Niklas Luhmann (Foto, 18) und Mario Seckinger (19), Schüler aus Donaueschingen, untersuchen diese Frage im Rahmen von "Jugend forscht". Sie nennen ihr Projekt "Puff Daddy". Zwar sind noch nicht alle Ergebnisse ausgewertet, doch Niklas kann über die Schädlichkeit jetzt schon sagen: "Das sind Konzentrationen, die sind nicht mehr so nett."



Dürfen Schüler im Klassenzimmer rauchen? Eigentlich nicht. Es sei denn, sie tun es wissenschaftlich. Niklas Luhmann (18) aus Donaueschingen sitzt derzeit regelmäßig im Chemielabor seines Gymnasiums und lässt eine große Wasserpfeife dampfen. Er erforscht, wie schädlich der Shisha-Rauch ist.


Natürlich raucht er die große Wasserpfeife nicht selbst. Dafür haben er und sein Projektpartner Mario Seckinger (19) einen Staubsauger angeschlossen, der die Zugarbeit übernimmt und die Dämpfe gleichzeitig in Richtung Abzugshaube entsorgt. Das ist nicht die einzige Veränderung an der Shisha, aber die umständlichste: „Der saugt eigentlich viel zu stark“, erklärt Niklas Luhmann. Deshalb haben die jungen Forscher mit mehreren Glaskolben ein System zur Druckregulierung gebaut. Denn eine solche Untersuchung, die den Schadstoffgehalt des Rauches untersucht, muss sich den wirklichen Bedingungen einer gemütlichen Runde an der großen Blubber anpassen. „Dafür haben wir auch mal privat zu Hause gemessen, wie viel und wie stark normalerweise gezogen wird“, berichtet Niklas.

Der Clou an der Versuchsanordnung sind außerdem zwei Messfühler. Einer ist direkt unter dem Kopf mit der Kohle und dem Tabak angebracht, den sie dafür extra aufgesägt haben. Der zweite ist hinten am Schlauch, an dem gezogen wird. Dort wird mit einer weiteren Glaskolbenkonstruktion Luft beigemischt, um die Situation in der Lunge zu simulieren. Die Messfühler sind mit einem Kohlenmonoxid-Sensor verbunden. „Das ist einer aus einem Parkhaus“, erklärt Niklas Luhmann. Mit diesem Sensor haben er und sein Mitschüler mehr als 100 Messreihen durchgeführt, die die Konzentration des giftigen Kohlenmonoxids (CO) im Rauch bei verschiedenen Kombinationen von Kohle, Tabak sowie mit und ohne Wasser darstellen.



Als Tabak verwendeten sie hauptsächlich Doppelapfeltabak. Dieser feuchte, faserige Klumpen riecht im Rohzustand sehr aromatisch nach Äpfeln. „Das ist nach unserer Erkenntnis eine der beliebtesten Sorten“, sagt Niklas.

Etwa eine Stunde dauert ein blubbernder Durchgang. Die CO-Konzentration, so ergaben die Messungen, sind wesentlich abhängig von der Temperatur. Und diese hängt davon ab, wie stark und wie lang gezogen wird. „Bei ganz kaltem und ganz heißem Rauch ist am wenigsten Kohlenmonoxid im Rauch“, erklärt Niklas. Das liege daran, dass bei 50 bis 100 Grad Celsius nichts mit dem Tabak passiert, er bei mehr als 300 Grad aber vollständig verbrennt.

Die höchsten Konzentrationen stellten die Forscher im Bereich zwischen 140 und 170 Grad fest. In diesem Bereich finde eine unvollständige Verbrennung statt, bei der am meisten CO entstehe. „Bei dieser Hitze schmeckt es allerdings am besten“, haben Luhmann und sein Projektpartner bei Umfragen festgestellt.

Luhmann gibt ein Beispiel für die gefährlichen Auswirkungen dieser Art des Rauchens: „Der Richtwert ist die tödliche Dosis von 8000 Parts per Million. Wir haben bis zu 8400 gemessen bei der selbstzündenden Kohle.“ Und das, obwohl Wasser schon 20 Prozent des CO herausfiltere. Tödlich ist ein einziger Zug an der Wasserpfeife dadurch nicht. Aber die Versuche zeigen, dass das Shisha-Rauchen deutlich ungesünder ist als so mancher junge Konsument denken mag.

Nicht nur den Kohlenmonoxid-Gehalt im Rauch haben die beiden gemessen. Mit Hilfe des Chemie-Labors Becker im benachbarten Leipferdingen und einem Gas-Chromatographen wurden auch andere Schadstoffe gemessen. „Die haben uns Aktivkohlefilter zur Verfügung gestellt, und die haben wir auch unterm Tabak und im Schlauch angebracht“, sagt Niklas. Zur Analyse der Rückstände wurden sie dann ins Labor geschickt. Zwar sind noch nicht alle Ergebnisse ausgewertet. Zur Schädlichkeit kann der 18-Jährige aber schon jetzt sagen: „Das sind Konzentrationen, die sind nicht mehr so nett.“



Beim „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb übermorgen in Denzlingen werden Niklas Luhmann und Mario Seckinger mit ihrem Puff Daddy genannten Projekt im Bereich Chemie antreten. Bis dahin laufen die Versuche. Nur ist diesmal kein Wasser in der Shisha, sondern Milch. „Das CO wird besser herausgefiltert als bei Wasser“, haben die Gymnasiasten herausgefunden. Allerdings hat die Milch einen Nachteil: Der Rauch riecht und schmeckt nach ihr. Aber das ist für passionierte Shisha-Raucher kein Problem: „Meistens wird Kakaotabak mit Milch geraucht, dann passt das“, sagt Shisha-Forscher Niklas Luhmann.

Und so funktioniert’s

Die arabische Wasserpfeife wird schon seit dem 16. Jahrhundert geraucht. Der feuchte Tabak im Kopf der Shisha wird von einer darauf liegenden glühenden Kohle erhitzt. Der Rauch wird durch ein Rohr durch das Wasser gezogen und dort gekühlt und gefiltert. Zwar gibt es noch nicht viele wissenschaftlichen Untersuchungen, einige Studien kommen jedoch zum Ergebnis, dass die Shisha wohl ähnlich gesundheitsgefährdend ist wie Zigaretten.

Was: "Jugend forscht"-Regionalwettbewerb Wann: Freitag, 26. Februar 2010, 9–17 Uhr Wo: Kultur & Bürgerhaus Denzlingen, Stuttgarter Str. 30, 79211 Denzlingen

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