Public-Viewing-Streit: "Bitte nur alle sechs Jahre"

Christoph Ries

Eine Handvoll Anwohner will das öffentliche EM-Fußballschauen im Escholzpark (10.000 Besucher) kippen: Daniele Ullrich ist Vorsitzende des Bürgervereins Stühlinger und setzt sich dafür ein, dass das EM-Public Viewing nicht im Escholzpark stattfinden soll. Immerhin schlägt sie Alternativen vor. Ein Interview über rotierende Leinwände und alten Plastikmüll im Matsch.

Frau Ullrich, im Moment sieht es so aus, als ob das Public Viewing zur EM wieder im Escholzpark stattfindet. Ihnen gefällt das nicht. Warum?


Der Escholzpark ist eine der wenigen Grünanlagen, die wir im Stühlinger haben. Unser Stadtteil ist am weitesten weg vom Grün. Für die Anwohner ist der Park also die einzige Möglichkeit mal rauszugehen. Nach der WM war der Rasen war schlichtweg hinüber. Außerhalb des Geländes lagen viele Scherben, im Park selbst Plastikmüll. Die Stadt hat den Rasen neu gesät und dabei den Fehler gemacht, die Erde nicht abzutragen. Wenn es jetzt regnet und der Boden matschig wird, kommt der ganze Müll wieder raus. Zum Spielen für die Kinder ist das nicht so lustig. Sogar die Fußballspieler haben das schon bemerkt.

Die Fans werden sagen, wegen drei Wochen müsse man doch mal ein Auge zu drücken können. Was antworten Sie?

Alle sechs Jahre sind wir gerne bereit das mitzumachen. Grundsätzlich stört uns nämlich nichts daran. Wir haben ja auch 2006 zugestimmt, dass bei einem Ereignis wie der WM im eigenen Land die Fanmeile bei uns gemacht wird. Wir sind ja sogar bereit, noch einmal ein Public Viewing mitzumachen. Nur nicht so, wie es jetzt geplant ist: 2008, 2010, 2011 und 2012. Das ist heftig.

Was stört sie am meisten?

Der Lärm. Ich weiß von vielen Anwohnern, die sich bei der WM nicht beschwert haben. Die konnten nachts nicht schlafen. Bis um zwölf hat es so laut gedröhnt, dass nicht mal Ohropax ging. Das andere ist die Verfügbarkeit des Platzes. Bei der WM war der Escholzpark fünf Wochen lang belegt plus die Zeit, in der der Park wieder hergerichtet werden musste. Der Platz fällt für die Anwohner einfach aus. Die wissen nicht wohin.

Was schlagen Sie vor?

Ein rotierendes System. Public Viewing alle paar Jahre in einem anderen Stadtteil fände ich voll in Ordnung. Aber nicht jedes Mal bei uns. Es gibt auch noch andere geeignete Orte in Freiburg: Der Platz vor der Stadthalle. Da wären auch die Veranstalter bereit hinzugehen. Oder natürlich die Messe. Die hat man ja extra für solche Veranstaltungen gemacht, da muss man auch mal anfangen sie zu nutzen.



Die Messe wäre schlecht erreichbar für die Fans.

Diesen Nachteil muss man in Kauf nehmen. Dann muss die Stadt eben in die Pötte kommen mit einer Messeanschließung.

Bei der Stadtverwaltung sind 2006 vier Beschwerden wegen Ruhestörung eingegangen. Waren Sie eine davon?

Nein.

Werden Sie sich die EM-Spiele anschauen?

Weiß ich noch nicht. Bei der WM habe ich mir einige Spiele angeschaut. Ich bin aber kein Riesenfußballfan.

Mehr dazu:

Bürgerverein Stühlinger e.V