Public Viewing-Guru: Deutschland vs. Griechenland in Emmendingen

Public Viewing-Guru

Was wurde nicht gewarnt vor diesem Spiel. Ganz schwer sollte es werden für die Deutschen gegen Griechenland. Wirklich brenzlig war es dann genau sechs Minuten lang. Von der 55. bis zur 61. mussten die Fans auf dem Schlossplatz in Emmendingen zittern. Wie's dort sonst so war? Unser Public Viewing-Guru war dabei.



Die Location

Das Public Viewing-Gelände auf dem Emmendinger Schlossplatz ist gefühlt nicht viel größer als der MensaGarten. Rechts das Markgrafenschloss, links eine Wiese etwas erhöht und mittendrin der Schlossplatz.

Vorne steht die 17-Quadratmeter-Leinwand. Auch die wirkt nicht viel größer als die in der Mensa. Dafür guckt man hier in HD. Die Sicherheitsleute am Einlass geben an, dass heute 3000 Leute da waren – und dass um 19:30 Uhr keiner mehr reingelassen wurde.

Wer war am Start?

Von Familien mit ihren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen jeden Alters ist alles dabei – 90 Prozent mit Fanartikeln, jeder zweite mit einem Deutschlandtrikot. Nur Griechen sind heute keine zu sehen. Eine Gruppe trägt zwar blau, bei genauerem Hinsehen entpuppt die sich aber als Ruderclub.

Catering & Getränke

Rund um den Schlossplatz sind acht Stände aufgebaut, die ein bisschen an einen Weihnachtsmarkt erinnern. Fünf bieten Getränke an, drei Essen. Für 2,50 Euro gibt’s Mineralwasser, Fleischküchle im Brötchen oder den günstigsten Crêpe, alles andere kostet 3 Euro aufwärts. Mit 5 Euro für diverse Tortellinigerichte oder Schupfnudeln erreicht man die Preisobergrenze.



Spiel-Atmo & Fan-Stimmungs-TÜV

Die Frage „Sitzen oder Stehen“ kommt hier – anders als im MensaGarten – gar nicht erst auf. Hier wird gestanden. Echte Fangesänge gibt es aber trotzdem nicht. Vereinzelt wird höchstens mal „Deutschland, Deutschland“ gerufen. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Fernsehton einen Tick laut ist.  Für gute Laune sorgt die deutsche Mannschaft allerdings schon alleine. Insgesamt ist die Atmosphäre auf dem Schlossplatz sehr familiär.

Die 55. Minute

Georgios Samaras trifft zum 1:1. Ob der wohl verwandt ist mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras? „Scheiße, Scheiße, Scheiße! Wie hat der das gemacht?“ Und: „Das kann man sich doch nicht angucken, was die da zusammenspielen!“

Als Khedira die Deutschen sechs Minuten später wieder in Führung schießt, ist das alles wieder vergessen.



König des Platzes

Etwa zur gleichen Zeit fängt ein kleines Mädchen an, alle zehn Sekunden nach „Gomeeez“ zu rufen. Das ändert sich selbst dann nicht, als Klose in der 68. das 3:1 für Deutschland schießt. Als der Bundestrainer in der 79. endlich auf sie hört und Gomez einwechselt, ist sie zufrieden. Eine echte – Prinzessin.

Die Könige des Platzes sind dagegen vier Polizisten, die aus einem Fenster des Markgrafenschlosses über die Menge wachen.

Auf dem Klo zur Halbzeit

Ein Toilettenwagen und ein Dixiklo, das nur von den Männern benutzt wird, stehen den Fans zur Verfügung. Rennt man nicht direkt nach dem Halbzeitpfiff los, verpasst man selbst als Kerl den Anfang der zweiten Hälfte.

Aufheiterle

Wer sich, nachdem er den Schlossplatz betreten hat, etwas underdressed fühlt, kann am Fanartikel-Stand nachrüsten. Den Deutschland-Schminkstift gibt es da beispielsweise für 2,50 Euro.



Aufregerle

Die Typen, die in der Halbzeit nicht in der Schlange zum Dixiklo warten wollen und stattdessen einfach dahinter gegen die Wand der evangelischen Stadtkirche pinkeln.

Fazit

„Große Augenblicke. Gute Zeit“, steht als Werbespruch fett und groß unter der Leinwand. Wenn das für die Fans auf dem Emmendinger Schlossplatz nach dem Finale immer noch stimmt - dann hat Deutschland es geschafft. Das wäre ein wirklich großer Augenblick. Für heute war es immerhin schonmal eine gute Zeit.

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