Prozessauftakt nach tödlichen Schüssen in der Gartenstraße

Peter Sliwka

Vor der Schwurgerichtskammer des Freiburger Landgerichts muss sich ein 43-Jähriger verantworten, der am 11. September vergangenen Jahres in einem Laden an der Freiburger Gartenstraße seine Stieftochter erschossen hat. Der Angeklagte erinnert sich nicht.



"Es muss so sein, dass ich sie erschossen habe." So lautet die Antwort des 43-jährigen Angeklagten auf die Frage der Vorsitzenden Richterin der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Freiburg, Eva Kleine-Cosack, ob er am 11. September 2015 in einem Geschäft in der Freiburger Innenstadt seine 21-jährige Stieftochter erschossen habe. Eine eigene Erinnerung an die Tat will der wegen Mordes Angeklagte nicht haben.


Ein umfassendes und reuevolles Geständnis hört sich anders an, als das, was der 43 Jahre alte, in Lörrach in eine türkische Familie geborene und in der Region aufgewachsene Angeklagte einerseits dem psychiatrischen Sachverständigen erzählt, und andererseits auf die Fragen der Prozessbeteiligten geantwortet hat. An die eigentliche Tat kann oder will er sich nicht mehr erinnern.

Er könne daher auch nicht bestätigen, dass er wortlos, wie es die Anklage formuliert, auf seine Stieftochter zugegangen ist und aus einer Pistole mit dem Kaliber neun Millimeter aus einem bis anderthalb Meter Abstand zwei Schüsse auf sie abgegeben hat. Auch zum dritten Schuss, den er auf die bereits am Boden Liegende abgegeben haben soll, sagt er nichts.

Die Tat gleicht einer Hinrichtung

"Es war eine einer Hinrichtung gleichende Tötung" heißt es in der von Oberstaatsanwalt Matthias Rall verlesenen Anklageschrift. Sie geht von einem Mord aus, heimtückisch ausgeführt und motiviert von niedrigen Beweggründen. Heimtücke deshalb, weil die Stieftochter nicht mit einem derartigen Angriff an ihrem Arbeitsplatz gerechnet habe und weder Zeit zur Gegenwehr noch eine Möglichkeit zur Flucht gehabt habe.

Niedrige Beweggründe deshalb, weil der Angeklagte sich von seiner in Herbolzheim lebenden Familie nach vielen Streitigkeiten ausgegrenzt und das Verhalten seiner Stieftochter als seine Ehre verletzend erlebt habe. Nach der Tat war der 43-Jährige zu Fuß zum Polizeirevier Nord am Rotteckring gegangen und hatte sich mit den Worten gestellt, dass er seine Stieftochter erschossen habe.
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[Archivfoto: Rita Eggstein]