Fall Maria L.

Prozess gegen Hussein K.: Chronik der bisherigen Verhandlungstage

BZ-Redaktion

Einer der größten Prozesse der Nachkriegszeit in Freiburg findet derzeit statt. Angeklagt ist Hussein K., der mutmaßliche Mörder der Studentin Maria. Die bisherigen Verhandlungstage im Überblick:

Erster Verhandlungstag

Am ersten Tag des Prozesses gegen Hussein K., dem 5. September, machte der Angeklagte erstmals Angaben zu seiner Person, zu Familie, Kindheit und Flucht nach Deutschland. Er gab zu, bezüglich seines Alters gelogen und sich jünger gemacht zu haben, um die Vorzüge eines minderjährigen Flüchtlings in Anspruch zu nehmen. Er machte auch Angaben zur Pflegefamilie und seinem Leben in Freiburg, das geprägt gewesen sein soll von Alkohol- und Drogenkonsum. Vor Gericht erschien Hussein K. müde und schläfrig. Er stand unter dem angstlösenden Medikament Tavor. Dies warf die Frage nach der Prozessfähigkeit des Angeklagten auf.

Ein Teil der Aussage Hussein K.s fand an diesem Prozesstag auf Antrag der Verteidigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach BZ-Informationen hatte der Angeklagte dabei Angaben zu seiner Zeit in einer Koranschule und einem möglichen sexuellen Missbrauch gemacht.

Zweiter Verhandlungstag

Der zweite Prozesstag im Mordfall Maria L. hatte mehrere Paukenschläge zu bieten. Hussein K. legte zunächst ein umfassendes Geständnis ab. Er gab zu, Maria L. am 16. Oktober 2016 auf dem Radweg an der Dreisam gewürgt, vergewaltigt und getötet zu haben. Die Studentin war auf dem Heimweg von einer Party im Institutsviertel. Hussein K. sagte aus, er habe sein Opfer mit einem Schal erwürgt, dann habe er sich an ihm vergangen. Tatsächlich ist Maria L. laut Ergebnis der Obduktion in der Dreisam ertrunken. Das Opfer wies am Körper mehrere Bisswunden auf.

Zudem sagte ein Kriminaloberkommissar als Zeuge aus, der als Hauptsachbearbeiter der Kripo die Ermittlungen führte. Er schilderte das Vorgehen der Polizei und zeichnete den Weg Hussein K.s an jenem Abend und in jener Nacht basierend auf Zeugenaussagen nach. In seiner Aussage belastete er den Angeklagten schwer. Er berichtete von Videoaufnahmen, die belegten, wie Hussein K. in der "Sonderbar" an der Freiburger Salzstraße zwei Frauen belästigt hat. Zudem soll er dort einem Mann sexuelle Dienste gegen Bezahlung angeboten haben. Auf dem Weg nach Littenweiler soll der Angeklagte zudem eine Frau in der Straßenbahn bedrängt haben.

Erstmals wurde durch die Zeugenaussage des Kripo-Manns bekannt, dass Hussein K. im Iran als 14-Jähriger ein zwei Jahre jüngeres Mädchen vergewaltigt haben soll. Dies habe er einem Zellengenossen gegenüber zugegeben. Dieser habe zudem ausgesagt, dass der Angeklagte ihm von der Straftat in Griechenland erzählt habe, bei der er eine junge Frau über eine Kaimauer geworfen hatte.

Der Ermittler sagte vor Gericht auch aus, dass Hussein K. seit seiner Verhaftung zweimal versucht habe, sich das Leben zu nehmen. In der Freiburger Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik war er vor der Tat, zwischen Januar und April 2016, wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung vier Mal in Therapie gewesen und sei auch medikamentös behandelt worden.

Dritter Verhandlungstag

Am dritten Verhandlungstag kamen Zeugen aus der "Sonderbar" zu Wort, einem Treffpunkt für Homosexuelle. Hussein K. hatte in seinem Geständnis angegeben, dass er bei der Tat stark unter Einfluss von Alkohol und Drogen stand. Zeugen, die ihn in den Stunden vor der Tat in der "Sonderbar" in der Altstadt erlebt haben, konnten diese Schilderung allerdings nicht bestätigen. Im Gegenteil: "Gangart, Gestik waren völlig normal – nichts, was einem Betrunkenen nahekommt", erklärte der Betreiber der Bar vor Gericht.

Eine Frau fühlte sich vom Angeklagten belästigt. Weil er ihr mehrfach zu nahe gekommen war, hatte sie ihn einmal richtiggehend weggestoßen. Zwei Gäste hatten durchaus positive Erinnerungen an den Angeklagten und das Gespräch mit ihm. Kurios: Ein Zeuge, dem Hussein K. ein sexuelles Angebot gegen Geld gemacht hatte, schilderte ihn als betrunken – und zählte diverse Vorfälle auf, die diese Ansicht stützen sollten. Auf dem Video aus der Überwachungskamera sind die beschriebenen Szenen allerdings nicht zu sehen. Wie der Zeuge, der im Zeugenstand sehr eloquent auftrat, zu seiner Einschätzung kam, blieb am Ende offen.

Vierter Verhandlungstag

Der mit Spannung erwartete Auftritt der Pflegeeltern von Hussein K. musste verschoben werden. Zu lange hatte die Vernehmung des ehemaligen Zellengenossen gedauert, der weite Teile seiner früheren Aussagen aus dem Polizeiprotokoll zur allgemeinen Verwunderung widerrief. Dazu gehörten insbesondere die schweren Vorwürfe gegen den Angeklagten. Dass dieser ihm in der Zelle gestanden habe, Maria L. "wie ein Tier" getötet zu haben, wollte der Zeuge so plötzlich nicht mehr zu Protokoll gegeben haben. Was ihn zu diesem Widerruf bewogen haben mag, darüber kann nur spekuliert werden. Hatte der Dolmetscher einst tatsächlich falsch übersetzt? Oder hatte der Zeuge es mit der Angst zu tun bekommen vor dem Ex-Zellengenossen K.? Insgesamt verlief der sechsstündige Verhandlungstag sehr zäh. Richterin Schenk ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und machte einen durchweg souveränen Eindruck.

Fünfter Verhandlungstag

Am fünften Tag im Prozess gegen den des Mordes an der Studentin Maria L. angeklagten Hussein K. haben Mitarbeiter des Jugendamts und seine Pflegemutter ausgesagt. Demnach hatte das Jugendamt des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald fast ein Dreivierteljahr keinen direkten Kontakt zu Hussein K. In der 90-minütigen Vernehmung der Pflegemutter wurde deutlich, dass diese nicht ahnte, dass Hussein K. ein verurteilter Straftäter ist und während seines Aufenthaltes in ihrem Haus erneut zu einem wurde. Sie beschrieb ihn als ausgeglichen. Seine Freunde waren ihr suspekt. Dass sie wohl einen Mörder beherbergte, bemerkte sie nie.

Sechster Verhandlungstag

Im Mordprozess gegen Hussein K. hat am sechsten Prozesstag unter anderem sein Mitbewohner ausgesagt. Kein Zeuge wurde bislang länger vernommen als der iranische Flüchtling Malik F. Dieser teilte sich im vergangenen Jahr bis zu Hussein K.s Festnahme einige Monate eine Einliegerwohnung in der Villa der Familie S. in Ebnet. Zuvor hatte der Zeuge mit dem Angeklagten in einer Münstertäler Wohngruppe gewohnt.

Laut Malik F. hat sich Hussein K. abgesondert, er sei selten zu Hause gewesen. Der Zeuge hat im Prozess K.s Drogenkonsum und seine Alkoholexzesse beschrieben. Die Familie S. habe davon nichts mitbekommen. Malik F. hat zunächst betont, mit Hussein K. immer gut ausgekommen zu sein. Später in der Vernehmung allerdings hat sich das Bild verschoben: K. sei ein "sehr dominanter Typ", ein Angeber, gewesen: "Er wollte, dass sich die anderen unterordnen."

Auch K.s irakischer Zimmergenosse im Münstertal weiß nicht viel über ihn zu erzählen. Immerhin soll K. ihm in der Minderjährigen-Unterkunft sein wahres Alter genannt haben: 24.



Siebter Verhandlungstag

Am siebten Prozesstag saßen Bekannte von Hussein K. im Zeugenstand sowie eine Frau, der er am Tagabend in der Tram begegnete. Auch der Vater der Pflegefamilie sagte aus, ein 61 Jahre alter Kinderarzt und Familienvater afghanischer Herkunft, der in Freiburg studiert hat und seitdem in der Region praktiziert. Es sei ihm an seinem Schützling nach der Tat an der Dreisam keine Veränderung aufgefallen. Hussein K. hat sogar noch einen Gesangsauftritt gehabt zwei Tage danach. Allerdings sei ihm dann doch aufgefallen, so der Pflegevater, dass der Angeklagte im November 2016 "manchmal traurig" wirkte – er habe in den Iran reisen wollen. Wollte Hussein K. fliehen?

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