Protest-Rap gegen Studiengebühren

David Weigend

Freiburger Studierende kämpfen dieser Tage gegen Gebühren. Dass dieser Widerstand musikalische Tradition hat, ist wenig bekannt. Im Mai 2005 komponierte das Rheinfeldener Duo IsNixDude den Protest-Rap "Wage zu denken", der es sogar in die Online-Ausgabe des Spiegel schaffte. Martin Winkelmann, der als MC IsNix den Track gerappt hat, über die Entstehung des Songs und seine Folgen.



"Ich selbst war 2005 von den Studiengebühren gar nicht mehr betroffen, da ich mein Studium der Sozialpädagogik auf der KFH etwa 2003 beendet hatte. Und mein Kollege Alex Kovats aka DJ Dude, der mit mir den Song komponierte, hat nie studiert. Die Anfrage kam von Christian Schneijderberg, der damals im U-Asta aktiv war. ,Wäre schön, wenn ihr was machen könntet, das man bei einer Demo auf der Straße über Lautsprecher spielen kann. Es sollte nicht allzu ernst klingen und den Protest gegen Studiengebühren thematisieren`, das war quasi der Arbeitsauftrag.


Wir bauten den Song am heimischen Rechner, arrangierten einige Keyboardsequenzen zu Loops und rappten durch ein Internetmikrofon. Die Sache war an einem Wochenende zusammengeschustert. Unserer Meinung nach war das kein besonders ausgereifter Song, aber wir hatten auch Zeitdruck.

Uns wunderte es schon, dass wir damit bei Spiegel online gelandet sind.Da gab es dann Abstimmungen darüber, wie gut der Song sei. Das fand ich lustig, da es gar nicht mehr um die Forderungen des Textes ging, sondern um die musikalische Qualität. Der Kabarettist Florian Schroeder lud uns ein, den Song auf seiner Blauen Couch zu performen. Ich sagte ihm ab, weil mich an diesem Abend  schon mein Vater zu seinem Geburtstag eingeladen hatte.

Später hat Schroeder versucht, diese Tatsache zum Gag zu machen. Er fand es wohl witzig, uns zu bösen "Gangster-Rappern" zu machen, die keine Zeit für einen Besuch bei ihm hatten, weil sie "zum Papa zum Geburtstag mussten."



Nun ja. Dazu kann ich nur sagen, dass unsere musikalischen Vorbilder eher die Fantastischen Vier waren als Sido oder sowas. Der Song wurde damals von einigen ziemlich zerrissen, etwa: "Klingt so, als hätte diesen Text ein Germanistikstudent in der kleinen Pause verfasst."

Wie gesagt, das Ganze war eine Auftragsarbeit. Wir hatten nie die Ambition, als Kämpfer für die Sache dazustehen. Wir hatten Spaß an der Musik, das war alles. Wobei ich schon ein Gegner der Studiengebühren bin. Und diese Meinung kommt im Song schon rüber. Ich finde, es ist nicht okay, wenn Leute, die nicht so viel Geld haben, neben Studium und Lernen noch viel arbeiten müssen, um studieren zu können. Miete und Essen zu finanzieren und dafür zu arbeiten, kostet schon einiges an Zeit."

Martin Winkelmann, 32, arbeitet heute in Freiburg als Fahrer bei einem Lieferservice.