Promille Run: Voll neben der Spur

Gina Kutkat

Freiburger Jugendliche sollen über die Suchtgefahr von Nikotin und Alkohol aufgeklärt werden. Deswegen lotsen heute und morgen die Veranstalter der "JugendFilmTage" ganze Schulklassen ins Cinemaxx. Gina war dabei und berichtet davon, wie "uncool" Zigaretten und Bier sein können.



"Ist schon cool hier. Vor allem, weil es Popcorn gibt. Und besser als Schule ist es sowieso," sagen vier Schüler der Klasse 6a von der Emil-Thoma-Realschule. Dann müssen sie schnell weiter. "Süßigkeiten kaufen und dann den Film anschauen." Wie 2000 andere Freiburger Schüler nehmen sie an den JugendFilmTagen im Cinemaxx teil.


Heute läuft als Eröffnungsfilm Das Jahr der ersten Küsse mit Oliver Korittke in der Rolle des schüchternen Tristans, der sich auf einer Party Mut antrinkt und sich übergebend in den Armen von Kerstin landet.



"Ihhh!" und "Rasier dich mal!" rufen die Schüler durch den Saal, als der Hauptdarsteller auf der Leinwand erscheint. Es herrscht große Aufregung in Kino 8, in dem sich zirka 15 Klassen von verschiedenen Freiburger Schulen versammelt haben. Vor dem Beginn des Films konnten sie in einem Quiz ermitteln, ob ein Biermixgetränk oder eine Apfelschorle mehr Kalorien enthält.
"Biermixgeträäänk!" schallt es aus den Kinosesseln. Das weiß hier doch jeder.

Die Klasse 6B bricht in Jubelgeschrei aus, als ihre Mitschülerin Melissa den Hauptgewinn des Quiz – ein Kinobesuch für die ganze Klasse – einheimst.



Rauchen und Alkohol trinken ist nicht "cool", das möchten die Veranstalter den jungen Teilnehmern der JugendFilmTage vermitteln. Die Kampagne wird von der BZgA bundesweit in Zusammenarbeit mit Cinemaxx und regionalen Partnern durchgeführt.

Im Kinofoyer können sich die Schüler an Informationsständen über Anlaufstellen wie DROPS, Mädchen Sucht Junge, Halt, Natoll, Al-Anon und das Blaue Kreuz informieren. Hier können sie im Falle eines Drogenproblems Hilfe suchen. Bevor es dazu kommt, versuchen die Veranstalter mit Filmen wie "28 Tage", "Thank You For Smoking", "Jargo" und "The Ketchup Effect" für Suchtprobleme zu sensibilisieren.

Spaß machen den Jugendlichen offenbar die Mitmachaktionen. Beim Promille-Run setzen die Schüler die Promille-Brille auf, um neben der vorgegebenen Linie zu torkeln und von ihren Mitschülern angefeuert zu werden. Der Blick in die Riesenzigarette zeigt die Inhaltsstoffe von Zigaretten und der Psychotest verrät, warum man angeblich mit dem Rauchen angefangen hat und wie schnell man aufhören kann.



Die Sucht-Prävention bei Jugendlichen scheint zu fruchten: die Zahl der 12- bis 17-jährigen Raucher ist von 28 % im Jahr 2001 auf 18 % im Jahr 2005 zurückgegangen. Ergebnisse einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2007 stellen einen historischen Tiefstand im Rauchverhalten dar. Aktionen wie die heutige helfen dabei, noch mehr Jugendliche vor dem Rauchen zu bewahren.

"Im Gegensatz dazu ist der Alkoholkonsum bei Jugendlichen wieder deutlich angestiegen", sagt Malte Schmidt-Kohl von der BZgA (Bild unten, Mitte). Der Anstieg sei besonders bei den 16- bis 17-jährigen männlichen Jugendlichen auffällig, die pro Woche durschnittlich 150 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen. Dies entspricht zwei Gläsern alkoholischer Getränke an jedem Tag der Woche. Besonders beliebte Getränke seien derzeit Bier, Biermixgetränke und billige Spirituosen, die mit Fanta oder Sprite gemischt werden.



Die Macher der JugendFilmTage wollen die kritische Haltung zu legalen Suchtmitteln fördern und machen auf die Drogenprobleme von Jugendlichen aufmerksam. "Wir könnten noch viel mehr unternehmen, aber leider fehlt uns die Knete", sagt der Suchtbeauftragte Uwe Müller-Herzog (rechts im Bild).

Mehr dazu:

Web: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Jugendkampagnen: Rauchfrei & Na Toll!