Problem? Kannst du haben!

Christoph Müller-Stoffels

Finanzkrise, Bedrohung durch den Terrorismus, Klimaerwärmung – Probleme gibt es eigentlich genug, wenn nicht sogar mehr, als wir brauchen könnten. Klug ist immer, sich jemanden zu suchen, der sie für einen löst. Noch besser ist es, den anderen dafür bezahlen zu lassen. Drei findige Schweizer haben mit einer Web 2.0-Lösung die Idee in die Tat umgesetzt und verkaufen Probleme unterschiedlichster Art. Wie das geht? Christoph hat den Selbstversuch gewagt. Und etwas zu gewinnen gibt es auch noch.



Need a problem? Die Idee ist ebenso simpel wie genial. Man lässt andere Leute dafür bezahlen, dass sie Probleme lösen dürfen. Wer hat’s erfunden? Die Frage kann man sich fast sparen. Drei findige Schweizer natürlich, unter Mithilfe des Films "The Game" mit Michael Douglas. Da ich schon immer gerne anderer Leute Probleme gelöst habe, beschließe ich, den Service mal auszuprobieren. Die Wahl habe ich zwischen trivialen, einfachen, normalen, schwierigen und fast unlösbaren Problemen, wobei letztere naturgemäß die teuersten sind und mit 5000 Euro zu Buche schlagen.


Spontan entscheide ich mich für das triviale Problem (ein Euro), denn ich bin keineswegs sicher, ob ich Probleme als Spesen abrechnen kann. "Sie möchten ein triviales Problem bestellen? Diese Probleme sind rasch und einfach zu lösen", so erklärt mir der Homepage-Text. "Was bleibt, ist ein gutes Gefühl." Wegen des geringen zeitlichen Aufwandes solle ich doch besser gleich mehrere Probleme bestellen – "für einen abwechslungsreichen Tag".

Per PayPal bezahle ich meinen Euro und bekomme umgehend das Problem zugeschickt. "Suche das dir nächstgelegene Feuerlöschmittel (Feuerlöscher, Feueraxt, Sprinkleranlage, Wasserschlauch, Hydrant,...) und sende uns davon ein Bild." Nichts leichter als das, denke ich, fühle mich aber trotzdem mit einigem Stirnrunzeln von meinen Kollegen bedacht, als ich ein Handyfoto vom Brandschutzkasten mache. Meine Empfehlung, gar nicht erst zu fragen wofür das sei, macht es nicht besser.



Vom guten Gefühl beschwingt, ein Problem gelöst zu haben, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es habe, beschließe ich, auch andere Menschen an einem Glück teilhaben zu lassen. Kurzerhand bestelle ich einer Freundin ein triviales Problem. Nicht, dass sie mir nicht die 5000 Euro für ein fast unlösbares Wert wäre, aber man soll ja klein anfangen. Teure Probleme können schließlich hohe Kosten nach sich ziehen.

Als Beispiel für ein fast unlösbares Problem nennt needaproblem-Chef Martin Koncilja das folgende: "Unsere Assistentin am kommenden Sonntag zum Essen im Restaurant des Hotels Othon Palace in Belo Horizonte treffen. Sie wartet dort um Punkt 12 Uhr Ortszeit an der Rezeption. Gesprächsthema: Wie man sich fühlt, wenn man soeben ein 5000-Euro-Problem gelöst hat. Hinweis: Die Assistentin spricht nur die Landessprache." Merke: Probleme ziehen Probleme nach sich.

Zwar ging noch kein 5000er-Problem an den Mann, aber needaproblem.com ist schließlich auch erst seit zwei Wochen online. Und dafür scheint der Laden zu laufen. Bereist über 250 Probleme wurden verschickt, darunter auch zwei schwierige für 500 Euro. In Kürze soll eine englische Version gelauncht werden, was unter anderem den amerikanischen Markt erschließen soll. Nachdem man sich dort Anfang des Monats eines großen Problems entledigt hat, dürften wieder Kapazitäten frei sein.

Dass ihnen die Probleme ausgehen werden, fürchtet Koncilja übrigens nicht. Schließlich ist Hansmartin Amrein ständig damit beschäftigt, neue Probleme zu finden, die auf einen Käufer warten. Für Herbst 2009 ist sogar geplant, im Fernsehen Probleme zu lösen, was nahe liegend ist, denn der dritte Mann, Björn Hering, ist ein (zumindest in der Schweiz) bekannter TV-Moderator (Bild rechts). Für den Teil des Projektes sind die drei Eidgenossen aber noch auf der Suche nach Sponsoren.

Die mit dem Problem beglückte Freundin ist derweil unzufrieden. Nachdem sie die Mail aus ihrem Spamfilter gefischt hat, wird sie mit der Aufgabe konfrontiert zu erklären, wie die Löcher in den Emmentaler-Käse kommen. Das sei ja wohl kein Problem, beschwert sie sich, denn zum einen sei das Allgemeinwissen, zum anderen habe man dafür Google. Der größte Feind des Glücks sei – neben dem Schmerz – die Langeweile, verbreiten die Schweizer, Arthur Schopenhauer zitierend, auf ihrer Homepage. Mit Zitaten kann man sich eben auch ins eigene Fleisch schneiden.

Es sei, so sagt Koncilja, keine Absicht gewesen, NeedaProblem mitten in die Finanzkrise hinein zu launchen. Trotzdem gibt es eigentlich keinen besseren Zeitpunkt. Denn nichts könnte besser verdeutlichen, dass die Probleme noch nicht groß genug sind, als ein Unternehmen, das Geld verdient, indem es immer neue Probleme in die Welt schickt und damit Erfolg hat.



Verlosung

Needaproblem.com hat uns ein normales Problem im Wert von 50 Euro zur Verfügung gestellt, das wir unter unseren Usern verlosen. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt eine E-Mail mit Eurem Namen und dem Betreff "Ich will nicht mehr problemlos sein!" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Montag, 24. November 2008, 14 Uhr. Der Gewinner wird per E-Mail benachrichtigt; der Rechtsweg ist ausgeschlossen.




Mehr dazu:


Web:
needaproblem.com