Proberaumbesuch: Die Surf-Band Nose Riders könntest Du auch von der KaJo kennen

Jana Luck

Wer samstags durch die KaJo geht, hat sie vielleicht schon gesichtet: Die vier Jungs von "The Nose Riders", die mit Schlagzeug, zwei E-Gitarren, Bass und Verstärkern feinsten Surf spielen. fudder hat sie im Proberaum besucht.

Die Nose Riders fallen nicht nur wegen ihrer Musik auf, sondern auch wegen ihres Alters: Die Vier sind zwischen 16 und 18 Jahren alt und sehen aus wie eine niedliche Version der schwedischen Indie-Rock-Band Mando Diao.


Immer dienstags ist Bandprobe, im Händel 1. Zwischen Gitarrentaschen, Verstärkerboxen und hinter einem bollernden Holzofen sitzen sie: Arne und Vasco an der E-Gitarre, Lennart am Bass und Daniel hinterm Schlagzeug. Der Proberaum, der früher mal ein Klohäuschen war – und den Lennarts Vater umgebaut hat und jetzt als Unterrichtsraum nutzt – dröhnt von der Hitze des Holzofens und den ersten Klängen der Band.

Surf für alle

Surf spielen die Vier, eine Musikrichtung, die eigentlich deutlich vor ihrer Zeit liegt. Benjamin Heusch, Gitarrenlehrer und Coach der Gruppe, kam auf die Idee. "Das ist Musik mit hoher Akzeptanz", sagt Lennart. Der 16-Jährige spielt Gitarre, seit er zwölf ist. "Wenn wir auf der Straße spielen, merken wir: Mit der Musik tun wir niemandem weh." Ältere Menschen bleiben genauso stehen wie jüngere und wippen zur Musik.

Die Jungs scharen an Samstagen in der Innenstadt richtige Zuschauergrüppchen um sich. "Besonders toll ist es, wenn sie auch tanzen", sagt Vasco. "Einmal habe ich eine ältere Frau gesehen. Ihre Lippen und ihr Gesicht waren ganz hart und traurig, aber ihre Füße konnten nicht anders, als zur Musik mitzuwippen." Surf sei eine Nische, die gut funktioniere, den Jungs gefällt und auch mal etwas Neues ist.

Die Band hat sich nach einem Surftrick benannt

Die Nose Riders covern Songs von The Ventures, The Shadows, Dick Dale und Frank Zappa. Ein eigenes Lied haben sie auch schon geschrieben.
Die Band gibt es seit bald fünf Jahren. Angefangen hat alles mit einem bunten Nachmittag in einer Mehrzweck im Elztal. "Das war unser erster Auftritt", erzählt Lennart. "Und im Publikum saßen eigentlich nur alte Leute." Drei Lieder hatte die Band bis dahin geprobt, und vor allem: Sie hatten jetzt einen Namen.

"Irgendwie mussten wir uns ja ankündigen", sagt Lennart. Also googelten er und Vasco Surf-Fachtermini im Internet – passend zur Stilrichtung ihrer Musik. "Nose Riding ist ein Trick beim Surfen", erzählt Vasco. "Der Surfer stellt sich mit seinen Zehen ganz vorne an die Nase vom Board. Keine Ahnung wie er das macht, aber er klemmt das Brett hinten so in der Welle ein, dass es nicht nach vorne schnellt."

Surfen auf Welle und Gitarrensaiten

"Die meisten denken bei Surf erst einmal an die Sportart", sagt Lennart. "Und die Musik verkörpert das Surfen auch richtig." Zum Beispiel beim Intro von "Pipeline", dem ersten Stück der Nose Riders. Zitternd und mit einem großen Crescendo baut sich die Welle musikalisch im Raum auf. "Das ist das Geräusch der Welle, bevor sie bricht", erklärt Arne.

Die Nose Riders machen ausschließlich instrumentale Musik. Vasco singt zwar auch, "aber irgendwie ist es einfacher ohne Gesang", meint er. Außerdem gerate so auch niemand ins Zentrum, sondern alle Jungs sind gleich wichtig. "Ansonsten gucken die meisten ja doch vor allem auf den Sänger", meint Arne.

Vasco ist der Performer der Band. "Und wir sind ihm alle ziemlich dankbar dafür, dass er das macht, stimmt’s?", fragt Lennart in die Runde. Bei einem Lied tanzen Vasco und Lennart eine kleine Choreographie – und wenn bei einem Lied das Publikum eine Laola-Welle machen soll, gibt Vasco mit seiner Gitarre die Richtung vor.

13 Likes auf Facebook

Mittlerweile werden die Jungs auch für Hochzeiten und Gartenpartys gebucht. Sie wollen auch eine CD aufnehmen, zum Verkaufen "und auch einfach als Erinnerung an diese Zeit jetzt", sagt Lennart. Denn: Wer wisse schon, ob die Band in dreißig Jahren noch bestehe. "Wenn man ehrlich ist, wohl eher nicht", meint er.

Überhaupt sind die Nose Riders ziemlich realistisch, was ihre Musik angeht. An eine große Karriere denken sie nicht, wollen aber gerne auch im Studium mit der Musik etwas dazu verdienen. Vasco überlegt aber, ob man nicht nach dem Abitur nächstes Jahr als Musiker durch Spanien touren könnte.

Wie sieht’s aus mit der Fanbase? Auf Facebook haben die Nose Riders bisher ganze 13 Likes, "und davon sind die Hälfte von meinen Tanten, Onkels und Freunden", sagt Lennart und grinst. "Aber vielleicht werden es ja noch mehr in diesem Sommer."