Probenbesuch bei der Mondo Musical Group

Ines Ploskal

Die Proben für das neue Stück Company des Studentischen Musical-Ensemble Mondo laufen derzeit auf Hochtouren. Dabei hat Regisseurin Stephanie Heine mit der Koordination der 28-köpfigen Doppelbesetzung alle Hände voll zu tun. Ines war für fudder bei den Proben in der MensaBar zu Gast. Premiere ist nächste Woche.



Lautstark werden die letzten Teile des Bühnenbodens zurechtgerückt und Holzkisten als Kulissen aufgebaut. Am Rande der Bühne gehen einige Darsteller noch schnell ein paar Schritte der Choreographie durch. „Los geht’s, wir sind eh schon spät dran!“, ruft Regisseurin Stephanie Heine an diesem regnerischen Morgen durch den Eingangsbereich der MensaBar. „Und kann vielleicht in den nächsten Tagen jemand im Baumarkt ein Brett holen? Das fehlt nämlich noch da hinten!“


Wir befinden uns mitten in den Proben der Mondo Musical Group zum Musical „Company“ von Stephen Sondheim, das am 7. Mai in der MensaBar Premiere feiern wird. Das Musical zeigt den überzeugten Junggesellen Robert, genannt Bobby, und dessen Blick auf das Leben seiner verheirateten und nicht mehr verheirateten besten Freunde und Affären. Bobby schildert aus seiner Sicht positive und negative Eigenheiten des Ehelebens.



Drei der sechs anwesenden Darsteller betreten die Bühne, die anderen setzen sich auf die davor stehenden Plastikstühle. Die Szene beginnt. Ohne Kostüme, ohne Maske, ohne Musik und mit nur ein paar improvisierten Kulissenteilen.

Stephanie Heine begibt sich in die Mitte des Raumes und lässt sich auf einem schwarzen Ledersofa nieder. Vor ihr liegen auf zwei silbernen Bistrotischen das aufgeschlagene Textbuch und die Partitur zu Company. Sie lässt die Szene durchlaufen. Immer wieder macht sie sich Notizen. Plötzlich springt sie auf und läuft nach vorne: „Die Szene braucht mehr Tempo! Deinen Text am Anfang versteht man gar nicht!“

Energisch macht sie es vor, erklärt nochmal die Kernaussage der Szene und gibt ein paar Tipps. Die kleine Frau ist energiegeladen und hat ein Talent dafür, ihre Darsteller mitzureißen. Ihre Begeisterung für dieses Projekt ist spürbar. Die Besetzung wird gewechselt und dieselbe Szene noch einmal in einer anderen Formation durchgespielt.

„Wir haben dieses Jahr aufgrund der vielen Spieltermine das erste Mal Doppelbesetzungen. So können wir auch spielen, wenn beispielsweise mal jemand ausfällt. Wobei es keine Erst- und Zweitbesetzungen gibt, sondern jeder soll mal mit jedem spielen. Alle Darsteller harmonieren“, erklärt sie.

Während auf der Bühne Bobby und das Ehepaar noch über die Vor- und Nachteile der Ehe diskutieren, öffnet sich immer wieder die Seitentür der MensaBar. Nach und nach trifft das restliche Ensemble ein. 28 Darsteller sind es dieses Jahr, wobei pro Aufführung immer nur 14 auf der Bühne stehen werden. Auch Dominik Hormuth, der musikalische Leiter und Choreographin Juliane Hollerbach sind mittlerweile eingetroffen.



„Okay, danke! Umbau auf Anfang! Hopp, hopp!“, hört man Stephanie Heine wieder. Alles geht jetzt sehr schnell. Die Darsteller haben sich inzwischen umgezogen und stellen sich auf für die erste Szene des ersten Akts. Dominik Hormuth hat vor der Bühne auf der rechten Seite Platz genommen, vor sich sein Keyboard. Er beginnt zu spielen. Die anderen Musiker werden erst bei den Endproben dazukommen. Auch gesungen wird momentan noch ohne Mikroports.

Man merkt, dass sie schon eine ganze Weile zusammen proben, denn bereits die ersten Töne des Ensembles lassen aufhorchen. Whow, sind das wirklich alles Laien? Kaum zu glauben. „Ja, wir haben dieses Jahr schon echt tolle Sänger dabei. So war es erst möglich, so ein Stück wie „Company“ zu spielen. Das muss man erstmal stimmlich bewältigen“, sagt Dominik Hormuth.



Auch abseits der Bühne herrscht Konzentration und gleichzeitig reges Treiben. Wer gerade nicht auf der Bühne steht, übt seinen Text, geht Tanzschritte durch oder singt sich ein. Pausen macht hier keiner. Koordiniertes Chaos sozusagen. Und natürlich schaut man seiner Doppelbesetzung ganz genau zu, spricht den Text für sich mit und merkt sich jede Anweisung, um sie gleich selbst auf der Bühne so gut wie möglich umzusetzen.

„Die Stimmung im Ensemble ist dieses Jahr wirklich toll“, sagt Timon Zintel, einer der beiden Bobby-Darsteller. „Wir sind durch die ganzen Proben und das gemeinsame Hütten-Wochenende zusammengewachsen.“

Immer wieder folgen Unterbrechungen, Anweisungen, Wiederholungen. Mal die eine Besetzung, mal die andere Besetzung. Vor der Bühne steht Juliane Hollerbach mit ausgestreckten Armen und Beinen. Sie ist klein und drahtig und bringt mindestens ebenso viel Elan und Schwung mit, wie ihre Kollegin Stephanie Heine.

Die beiden Frauen sind nicht zu bremsen. Sie fuchteln mit den Armen, springen vor der Bühne hin und her und verfolgen mit Argusaugen jeden einzelnen Schritt. „Achtet auf die Arme, die Spannung muss da sein. Und bitte die Beine nicht zu weit nach hinten! Seht ihr, so“, ruft Juliane Hollerbach und packt sich Stephanie Heine als Partnerin, um den Tanzschritt vorzumachen. „Versucht mal zu singen, und zwar zum richtigen Zeitpunkt“, tönt es aus der anderen Ecke von Dominik Hormuth. „Schaut Bobby bitte an, wenn er seine Solopassagen singt. Der Jubel kommt übrigens noch zu sehr auf Kommando. Aber ansonsten hat das schon sehr viel Schönes! Gleiche Gruppe nochmal und dann Wechsel!“, hört man Stephanie Heine. Es ist gar nicht so einfach, Gesang, Tanz und Schauspiel zusammenzubringen.

Nach gut dreieinhalb Stunden gibt es die erste Pause des Tages. Die Darsteller gehen von der Bühne. Wer sich bisher noch nicht in sein Bühnenoutfit geworfen hat, tut dies nun, denn nach der Pause soll die erste Durchlaufprobe folgen. Statt Sneakers nun also rote High Heels, statt Pferdeschwanz Haarband und statt Jeans Anzug und Kleid. Auf den Tischen stapeln sich Tupper-Dosen mit mitgebrachten Broten, Obst, Kuchen und Getränkeflaschen. Die einen machen es sich irgendwo im Raum bequem und stecken die Nase in ihre teilweise mit zahlreichen bunten Post-its markierten Textbücher, andere üben ihre Gesangsparts oder begeben sich in kleinen Gruppen nach draußen, um nochmal die ein oder anderen Tanzschritte durchzugehen.



„Bobby, Bobby“, singt Timon während er Jeans und Pulli gegen elegante Hose und weißes Hemd tauscht und einen kräftigen Schluck aus der Thermoskanne nimmt. Es ist nicht die erste Hauptrolle für den angehenden Biologie- und Englischlehrer. Bereits vergangenes Jahr stand er als Ren in „Footloose“ auf der Bühne der MensaBar. „Aber mit der Rolle des Bobby fühle ich mich bedeutend wohler“, erzählt er. Seit sechs Jahren hat er privaten Gesangsunterricht und ist seit Beginn bei Mondo dabei. „Dieses Jahr wird es wohl das letzte Mal für mich sein. Ich bin schon als Referendar am Gymnasium und die ganze Geschichte ließ sich eigentlich nur durch die vielen Blockproben am Wochenende mit meinem Beruf vereinbaren.“

Doch bis er sich endgültig verabschieden muss, hat er noch einige Proben und natürlich diverse Aufführungen mit „Company“ vor sich, denn schon ertönt wieder eine wohlvertraute Stimme: „Ruhe bitte! Und alle Beteiligten auf die Bühne. Wir machen jetzt eine Ablaufprobe!“

Mehr dazu:

Was: Premiere von "Company"
Wann: 7. Mai 2009, 20.30 Uhr
Wo: MensaBar, Rempartstr.18, 79098 Freiburg

weitere Termine: 8.5./9.5./21.5./22.5./23.5.2009 und 18.6./19.6./20.6. 2009, jeweils 20.30 Uhr
Wo: MensaBar, Rempartstr.18, 79098 Freiburg

weiterer Termin: 15.5.2009, 20 Uhr
Wo: Studenten Siedlung (großer Saal)

weiterer Termin: 1.7.2009, 20 Uhr
Wo: Ebneter Kultursommer (Theodor-Egel-Saal)

weiterer Termin:
14.7.2009, 20 Uhr
Wo: Theater Freiburg (kleines Haus)