Probefahrt im Tesla Roadster: 288 PS aus der Steckdose

Josepha Schweizer

Umwelt hin oder her: Über Elektro-Autos rümpfen Hobby-Raser nur verächtlich die Nase. Dass man aber auch ohne Sprit Gas geben kann, versuchte am Mittwochnachmittag der Denzlinger Bürgermeister und ein Frankfurter Verleger zu beweisen, indem sie zu einer Probefahrt im Tesla Roadster luden. Unsere Autorin Josepha, die seit zwei Jahren stolze Besitzerin eines Führerscheins ist, hat den Elektro-Flitzer auf Herz und Nieren - na ja: auf einem Parkplatz - getestet. Und hatte nachher Schwierigkeiten, wieder auszusteigen.



Ich gleite in den weichen Sitz des knallorangefarbenen Sportwagens. Sofort ist der Alltagsstress vergessen; mein Fuß schwebt gleichsam über dem Gaspedal: Eigentlich braucht man nur an dasselbige zu denken – und schon startet das Auto völlig geräuschlos. Es handelt sich um einen Tesla Roadster – Autokennern ist dies vielleicht ein Begriff, doch für alle anderen: ein Elektroauto mit 288 PS, das bis auf 200 Kilometer pro Stunde beschleunigen kann. Ein Fahrzeug, das behauptet, der Porsche unter den Elektroautos zu sein.


Dieses Auto, mit dem unter anderem George Clooney unterwegs ist, gehört dem Verleger Mathias Weber, der regelmäßig zwischen Frankfurt am Main und Denzlingen hin und her fährt, da er dort einen zweiten Wohnsitz hat: "Ich war schon seit Längerem auf der Suche nach alternativen Antriebsformen, doch bei Mercedes hat man mir immer gesagt, die Technik sei noch in Arbeit."

Weber, der als Zweitwagen noch einen Mercedes besitzt, wollte aber nicht mehr länger warten und wurde bei Tesla Motors in München fündig. Tesla Motors ist ein kalifornischer Hersteller von Elektroautos, benannt nach dem Erfinder Nikola Tesla, auf den zahlreiche Erkenntnisse der elektrischen Energietechnik zurückgehen. "Nach der Probefahrt mit dem Tesla Roadster war ich vom Erlebnis des lautlosen Fahrens und der Technologie von Tesla Motors beeindruckt", erzählt Weber begeistert.


[Mathias Weber]

Auch Markus Hollemann, Bürgermeister von Denzlingen, wollte nicht mehr länger warten, sondern aktiv den Weg in das Zeitalter erneuerbarer Energien begehen: "Natürlich beginnt die Veränderung erst einmal im Kopf, aber dann sollten auch Taten folgen", sagt er. "Wir möchten Anreize schaffen, um das Mobilitätsverhalten zu ändern. Deshalb haben wir in Denzlingen drei Elektrotankstellen: Am Rathaus, am Bahnhof und am Sport- und Familienbad." Seit Juli 2010 kann man dort ein Jahr lang kostenlos Strom tanken. Das Tanken selbst ist unkompliziert und läuft über einen Zugangsschlüssel, den man sich gegen den Nachweis, dass man ein elektrisches Gefährt - zum Beispiel auch einen Rollstuhl - besitzt, bei der Gemeinde abholen kann.

Hollemann selbst kommt mit einem der drei Elektroroller der Gemeinde zum Treffpunkt gefahren.  Die Energiequelle der Roller ist, wie beim Tesla Roadster, ein Lithium-Ionen-Akku, der dann an den Tankstellen aufgeladen wird, theoretisch aber auch an jeder anderen Steckdose aufgeladen werden kann. Beim Tesla Roadster handelt es sich um einen Superakku, der sich aus 6831 handelsübliche Laptop-Akkus zusammensetzt, 450 Kilogramm wiegt und sich im Heck des Elektro-Flitzers befindet.

Eigentlich bin ich zwar alles andere als eine Autoliebhaberin – aber auch ich staune, denn der Akku hat vollgetankt eine Reichweite von rund 350 Kilometern, und bei zurückhaltender Fahrweise sogar gut 200 Kilometer davon in sehr hoher Geschwindigkeit. Auch wenn ich bei der Probefahrt nur eine kleine Runde über den Parkplatz drehe, erahne ich, wie es sich anfühlen muss, lautlos und guten Gewissens über die Autobahn zu pesen - bei einer Beschleunigung von 0 auf 100 in knapp vier Sekunden.



Ein ganz anderes Fahrerlebnis als mit der heimischen Familienkutsche, die man bei durchgedrücktem Gaspedal zum Beschleunigen überreden muss. Bürgermeister Hollemann kam auch schon in den Fahrgenuss des Sportwagens und war selbst von dem Fahrgefühl und der Dynamik begeistert: "Verwundert hat mich auch, wie viel man durch defensives Fahren einsparen kann."

Denzlingen fährt in vielerlei Hinsicht voraus, denn nächste Woche wird dort eine Bürgerenergiegenossenschaft gegründet, mit der weitere Projekte geplant sind und an der sich die Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Auch der Strom aus den Tanksäulen ist öko - hauptsächlich nämlich Wasserenergie.

Trotz der immensen Anschaffungskosten des Tesla Roadsters, die um die 100.000 Euro betragen, ist Weber zufrieden: "Eine Fahrt von Frankfurt nach Denzlingen kostet mich 7 Euro, was sich längerfristig auf jeden Fall rentiert. Leider fehlen noch ausreichende Elektrotankstellen in Nähe der Autobahnen", sagt er. In der Umgebung Freiburgs befinden sich lediglich noch in Freiamt Elektrotankstellen. Wenn gemäß der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 in Deutschland eine Million Elektroautos fahren sollen, ist also noch viel zu tun.

Als ich nach der kleinen Runde aus dem Sportwagen klettere - das Aussteigen gestaltet sich durch die Tiefe wesentlich schwieriger als das Einsteigen -, frage ich mich, wann es so weit sein wird, dass so gut wie jeder ohne CO2-Ausstoß und mit geringen Geräuschen an die schmalen Elektrosäulen fährt und seinen Zugangsschlüssel zückt. Wer weiß: Vielleicht werde ich dann doch noch zur Autoliebhaberin.