Premiere in Freiburg: So war der Science Slam

Martin Jost

Bericht, Foto-Galerie und Video: Hier seht ihr, wie unterhaltsam der erste Freiburger Science Slam gestern Abend in der MensaBar gewesen ist und mit welchem Thema der Gewinner punkten konnte.



Von der Schule auf die Uni zu wechseln ist ein Schock. Aus einer Welt, in der es bei Kurzvorträgen immer hieß: „Hände aus den Taschen!“, „Nicht ablesen!“, "Abwechslungsreicher Medieneinsatz!“ in die Hölle aus Vorlesungen und Sitzreferaten. Hier ist alles Gesagte zu genial, um sich den niederen Anschein des Interessanten zu geben. Oder?

Der Science Slam, der gestern in der Mensabar Freiburg-Premiere hatte, macht Wissenschaft spannend. Wer den Wanderpokal gewinnen will, muss das Publikum begeistern. Die Aufgabe heißt: Präsentiere das Thema deiner Abschlussarbeit in höchstens zehn Minuten – unterhaltsam und anschaulich!

Zwei Physiker, ein Pädagoge und ein Volkswirtschaftler traten gegeneinander an. Der Bielefelder André Lampe hat einen schnelleren und günstigeren Bluttest auf den Botenstoff Interleukin-1-Beta etnwickelt. Sein Vortrag handelt aber vom Hodenknackerfisch, der sich mit seinen langen Zähnen in die roten Klöten dümmerer Fische verbeißt. Lollis und Laser spielen noch eine Rolle. „Wir könnten auch eine Lampe nehmen, aber Laser sind einfach cooler.“ Die Metapher funktioniert. Hodenknackerfische sind eigentlich Antikörper, aber das Publikum hat das Prinzip durchschaut.

Eduard Martens macht seinen Abschluss über Spiegelneuronen und Mitgefühl zwischen Menschen. Das Prinzip veranschaulicht er mit einem Experiment, bei dem sich zwei Freiwillige auf der Bühne beim Überraschtwerden zuschauen.

Nach zwei von vier Slammern können die Zuschauer beim Papierflieger-Weitwurf Kaffeetassen gewinnen. Liedermacher Thomas Bauer spielt Songs von seinem Album On the Right Side of Forty.
Weiter mit der Wissenschaft: Daniel Gallichan erklärt, wie eigentlich die Bilder im Magnet-Scanner entstehen, auf denen Gehirnregionen bestimmten Gedanken zugeordnet werden. Gallichan trägt auf Englisch vor, aber nicht zuletzt dank seiner witzigen Illustrationen kommt er am überzeugendsten rüber und holt am Ende den Pokal.



Voller Seitenhiebe auf real existierende Politiker ist der Vortrag des VWL-ers Johannes Vatter, der erklärt, wie die Wirtschaft als großes Ganzes den neuen Trend zu weniger Konsum verkraftet.
Bewertet werden die Auftritte durch zehn Murmelgruppen im Publikum, die je einen bis zehn Punkte vergeben. Gallichan holt 99 von 100 Punkten, Eduard Martens wird mit 56 das weit abgeschlagene Schlusslicht.

Warum gewinnt man den Science Slam und warum nicht? Ein durchgeplanter Vortrag mit Live-Experiment kann gut gelingen, aber den Stich holt eine überraschende Präsentation, gepaart mit viel Selbstironie beim Vortragenden. Das können sich die Bewerber um den wandernden, wackelnden Doktorhut hinter die Ohren schreiben, die mit ihrem Forschungsprojekt am 17. Januar 2011 zum nächsten Science Slam antreten wollen. Zur Anmeldung auf Science Slam Freiburg sind besonders aufgerufen: Frauen, Geisteswissenschaftler und Hochschüler der Nicht-Unis – alle drei Gruppen waren gestern Abend unterrepräsentiert.



Zuschauer waren dafür zahlreich. Die Organisatoren haben kräftig in sozialen Netzwerken geworben und die volle Mensabar zeigte, dass es sich gelohnt hat. Mittelalterhistoriker Manuel Lorenz hörte vor einem Jahr erstmals aus den Medien von der Idee des Science Slam und hatte sofort den Impuls, einen in Freiburg zu veranstalten. Neben seiner Promotion rührte er zusammen mit Wissenschaftsmanager Harald Wohlfeil den Freiburger Slam an und beide zusammen standen als Moderatoren auf der Bühne. „Es war ein toller Abend, der in seinen großen Zügen genau so lief wie vorgestellt“, sagt Lorenz. Als erklärter Perfektionist weiß er schon, was beim nächsten Mal am 17. Januar noch runder laufen darf. Aber er freut sich: „Der Science Slam ist heute Abend offenbar sehr gut angekommen."

Daniel Gallichan, Sieger Science Slam

Quelle: YouTube

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André Lampe, Zweiter Platz Science Slam

Quelle: YouTube

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Foto-Galerie: Martin Jost

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