Powersolo: Entfesselt im Räng Teng Teng

Alexander Ochs

Wie hört sich Musik an, wenn man – als Musiker – von Kindesbeinen an nur Flechten gelutscht, in der Jugend sämtliche Pilze der nördlichen Hemisphäre in sich reingeknödelt und anschließend, im reifen Alter von über 30 dann weitgehend auf gängige Drogen wie Whisky-Cola umgestiegen ist?



Yep. Genau so.

Das Wörtchen schräg gibt nicht mal ansatzweise wieder, was Kim „Kix“ und sein Bruder Atomic Child auf die Bühne rotzen. Abgefuckt bis abgefahren kommt der Sache ein bisschen näher. Herrlich trashig, liebevoll überdreht, dreckig und druckvoll pumpen die Beiden zusammen mit dem neuen Drummer ihre Songs in die Katakomben des Great Räng Teng Teng.


Im Rockabilly und Rock’n’Roll verwurzelt, mäandert der Sound wild zwischen kaputt und genialisch, zwischen dreckig und energiegeladen, zwischen klampfig und großartig. Bluespunk meets Funk, im weitesten Sinne Indierock, dessen Tanzappeal die Beine nach und nach entert. Überbordender Wahnwitz. „Meinen die das jetzt ernst?“, fragen die Blicke einzelner Zuschauer. Andere grinsen fröhlich und suhlen sich im Soundbad des Dänen-Trios. Das Bier am Nachbartisch wippt geduldig im Takt.



Kim Kix, der Mann mit dem irren Psychoblick, ist ein Meister der Geräuschkunst. Kim frisst das Mikro fast auf, schnalzt, schluckt, schluchzt, schreit, brüllt, brummt und summt – alles fein rhythmisch, rasant und rattenscharf. „Grandios!“, freut sich denn auch Matthias „Matze“ Cromme nach der knapp zweistündigen Show – der Mann, dem Sänger und Gitarrist Kim Kix lobend das Prädikat crazy, crazy, crazy, crazy, crazy anheftet. Schließlich bringt der Freiburger Sammlerstücke der Dänen auf seinem Label Rhythm Island raus und holt die Nordlichter, die beim dänischen Kult-Label Crunchy Frog zuhause sind - ein ums andere Mal an die Dreisam.

Zog Kim bei seinem letzten Gig im Winter fast blank, so behält er diesmal zwar die Klamotten an, bringt dafür aber eine witzige Einlage, als er auf einen Tisch hüpft und dort minutenlang spielt, bis es ihm sein brother Atomic Child gleichtut und beide die Meute von oben; Unterkante Oberdecke, beschallen. Mitten im Gig verschwinden die Jungs von der Bühne, wahrscheinlich mussten sie erst mal an der Theke nachtanken.

Das gelungene Dutronc-Cover Hippie Hippie Hourra darf nicht fehlen. Eigentlich von Kim & The Cinders – aber im Grunde genommen ist das egal, denn die Jeppesen-Brüder ziehen unter ständig wechselndem Namen umher, mal um den einen oder anderen Musiker ergänzt. So standen sie als ihre eigene Vorband The Railthin Brothers auf der Bühne, wobei sie viele Songs durch den Cover-Kakao zogen: den Temptations-Klassiker My Girl genauso wie Richard Berrys Louie, Louie... Und im Juli wird Kim Kix mit einem weiteren Solo-Projekt vorbeischauen!

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[Fotos: Caro]