Postkartenidylle

David Weigend

Wir starten eine neue Serie. Fudder will Freiburg von seiner unrepräsentativen Seite zeigen: Ungemütliche Straßenzüge, suboptimale Plätze und gewöhnungsbedürftige Gebäude. Die Stadt, wie man sie auf keiner Postkarte findet. Wir verstehen diese Rubrik nicht als Miesepeterschau mit erhobenem Zeigefinger, sondern eher als spontane und subjektive Momentaufnahme. Eure Fotos für die schlechte Stube sind herzlich willkommen. Die erste Folge führt ins Quartiere alla Stazione.

Zwischen der Bahnlinie auf der Höhe des Wasserschlössles, Türkenlouisstraße und Peter-Sprung-Straße stampft eine Gundelfinger Baufirma zur Zeit neue Häuser aus dem Boden. Der hochtrabende Name des Projekts: Quartiere alla Stazione. Vor einiger Zeit waren auf dem Bahngelände noch Skater anzutreffen. Nun stehen hier bald Häuser, die dem italienischen Themenbereich aus dem Europapark Rust nachempfunden zu sein scheinen. Mit finsterem Interesse beobachten die Spaziergänger auf der Sternwaldbrücke, wie ein weiteres Stück Wiehre versiegelt wird. Der idyllische Blick auf den Sternwald ist für viele Bewohner der Oberwiehre jetzt schon Geschichte.

Die Betonmauer vor der Nasen der potentiellen Quartiersbewohner vermittelt nostalgisches Berliner Grenzfeeling. Veranda mit Mauerblick. Die Baufirma wirbt schonmal: "Genießen Sie die Lebensart und das mediterrane Lebensgefühl." Mag sein, dass das Wiehrebahnhofsquartier am Ende was hermacht. Kann aber auch sein, dass man die bunten Häuschen dann doch lieber nur en miniature auf dem Monopolybrett anschauen würde. Hier und heute ein würdiger Opener für die schlechte Stube.