Post von Chuck Norris: StVO-Befreiung abgelehnt

Konstantin Görlich

Wir lieben das Internet, besonders für seine 'What the fuck?!'-Momente. Am Mittwoch war ein solcher, denn fudder-Autor Konstantin Görlich bekam Post. Von einem Mitarbeiter beim Amt für öffentliche Unordnung, einem gewissen Chuck Norris. Was drin stand:



Das Internet ist toll. Man kann sich über alles beschweren - und erhält sofort Feedback. Insbesondere Twitter ist dafür großartig. Es war Montag der Dreizehnte. Ein Autofahrer hatte mir wehrlosem Radfahrer erst die Vorfahrt genommen, so dass ich eine Kollision nur knapp vermeiden konnte, dann wurde ich ein paar mal nicht überholt, sondern abgedrängt und dann überholt. Noch auf dem Weg in die Redaktion twitterte ich:




Eine kleine Diskussion folgte. Der übliche Twitter-Chat. Aber ein Leser reagierte anders. Am Mittwoch nämlich bekam ich diesen Brief:

http://fudder.de titel="">


(anklicken zum Vergrößern)

Das ist schon ziemlich witzig, wenn auch teilweise grammatikalisch fragwürdig. Aber wer war das? Hier ist, was die fudder-Investigativabteilung bis jetzt herausgefunden hat:

Es gibt in Freiburg kein Amt für öffentliche Unordnung, zumindest nicht in der Basler Straße 2. Die Daten auf dem formal ansonsten - bis auf das Datum - einigermaßen echt wirkenden Schreiben gehören zum ganz gewöhnlichen Ordnungsamt. Aber das hat ja bekanntlich wenig Humor. Und keinen Mitarbeiter namens Chuck Norris.

Es ist klar: Hier war ein Nerd am Werk. Das Aktenzeichen ist eigentlich eine Standard-IP in Heimnetzwerken und Chuck Norris ist Chuck Norris. Aber die zentrale Frage bleibt: Wer war das?

Das Papier ist auffällig unökologisch, kein graues Recyclingpapier wie bei anderen Briefen von der Stadt. Das Freiburg-Logo ist relativ stark komprimiert worden und etwas pixelig, das ganze sieht nach einem Farblaserdrucker aus. Die Unterschrift ist nicht von Hand geschrieben worden, sondern digital, und zwar in der frei verfügbaren Schriftart Halo Handletter.

Der Briefumschlag ist allem Anschein nach nicht wiederverwendet (und persönlich eingeworfen) worden, sondern tatsächlich auf dem Postweg unterwegs gewesen. Zwar trägt er keinen Absender, aber einige andere Merkmale. Er ist am 14. April frankiert worden, war nur in Deutschland unterwegs und am 15. lag er im Briefkasten.



Und dann steht da noch 4D110004C9. Was das heißt? Das lässt sich herausfinden, denn im Internet gibt es zu jeder Detailfrage ein Nerdforum. 4D ist eine Frankiermaschine des Herstellers Pitney Bowes. 11000 steht für ein Modell der Serie Connect+. 4C9 schließlich identifiziert das einzelne Gerät, durch das dieser Brief ging. Laut einem Eintrag auf dem Poststempel-Portal philastempel.de ist diese Kennung Mitte Dezember 2014 auf einem Brief eines kleinen Modegeschäftes aus Kiel verwendet worden.

Und was heißt das nun? Wahrscheinlich hat der kleine Laden nicht solch eine teure und große Frankiermaschine, sondern verwendet einen Internetdienstleister für den Briefversand. Und zwar den selben, wie das Amt für öffentliche Unordnung. Das erklärt auch die .jpg-Artefakte und stützt die These vom Nerd.

Identifizieren lässt der sich somit allerdings nicht. Etwa 350 Personen haben den Tweet am ersten Tag gesehen, aber auch das hilft nicht weiter. Der Absender könnte sich wohl nur selbst zu erkennen geben. Oder die Absenderin.

Mehr dazu:

  [Fotos: Konstantin Görlich]