Porträt: Wie Michael Gugel seinen Job schmiss, um Schauspieler zu werden

Felix Klingel

Seinen Träume nachjagen oder ewig im Hamsterrad leben? Der Freiburger Michael Gugel hat sich für die Träume entschieden, seinen Job geschmissen und ist Schauspieler geworden. Wie es ist, sein Leben hinter sich zu lassen und einen Neustart zu wagen.

Selbstverwirklichung ist ein Mode-Wort aus dem 21. Jahrhundert. Doch es beschreibt ein Phänomen, das mehr und mehr jungen Menschen den Schlaf raubt: Was stelle ich eigentlich mit meinem Leben an? Was will ich wirklich? Nur allzu oft kommen solche Fragen auch dann, wenn man scheinbar schon seinen Weg gefunden hat – und trotzdem nicht glücklich ist.


In dieser Situation befand sich der Freiburger und inzwischen Wahl-Kölner Michael Gugel einige Jahre. Bis er sich dazu entschied, seinen Job zu schmeißen und genau das zu machen, was er eigentlich will: Schauspieler werden. Wie es ist, sein altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neustart zu wagen.

Nach seinem Abitur begann Gugel ein Grafikdesignstudium an der Freien Hochschule in Freiburg. Obwohl er schon damals von seiner Liebe zur Schauspielerei wusste: "Bis ich 14 Jahre alt war, wollte ich immer etwas im Bühnenbereich machen", sagt Gugel heute. Vom Krippenspiel an Weihnachten bis zur Theater AG in der Schule faszinierte ihn das Abtauchen in einen anderen Charakter.

"In der Pubertät wuchsen zwar die Haare, aber auch die Selbstzweifel." Michael Gugel

Doch es kam anders: "In der Pubertät wuchsen zwar die Haare, aber auch die Selbstzweifel". Die Schauspielerei sah Gugel plötzlich nicht mehr als reale Option zum Geldverdienen an. Also musste er sich etwas anderes suchen: "Ich zeichne doch gerne, probieren wir mal Grafikdesign", dachte er sich.

Gesagt, getan, befand sich Michael Gugel in einem Studium, das ihm zwar Spaß machte, doch an dessen Ende der Eintritt in einen Beruf stand, der ihn nicht glücklich machte. Als Designer in einer Grafikagentur litt er vor allem an den strengen Vorgaben der Kunden, die seine Kreativität oft einschränkten.

Als Ausgleich zum Job fängt Gugel wieder an, auf der Bühne zu stehen

"Ich bin in eine Krise gekommen und habe immer mehr Ausgleich in der Freizeit gesucht", sagt Gugel. Also begann er wieder zu schauspielern – zuerst bei der Mondo Musical Group, dann professioneller im Gloria Theater in Bad Säckingen. "Auf einen Schlag wusste ich wieder: Das ist genau das, was ich machen will. Ich hatte wieder Blut geleckt."

Dem Traum im Weg stand nur noch der Job – und alle Sicherheiten, die eine Festanstellung so mit sich bringt. Eines Tages bittet ihn sein Teamleiter zu einem Gespräch. Er möchte ihm mehr Verantwortung übertragen. Eigentlich ein Erfolg, doch Michael Gugel fühlte sich in die Ecke gedrängt: "Es war wie, wenn dir jemand einen Heiratsantrag macht, den du gerade verlassen möchtest."

Die Kündigung war ein Sprung ins kalte Wasser

Doch die Situation half dem 31-Jährigen endlich klar Schiff zu machen und zu kündigen, statt das Angebot wahrzunehmen. Eine Kündigung, die er zwei Jahre lang mit sich herumtrug. "Es war ein Sprung ins kalte Wasser", sagt Gugel heute, denn er hatte im Anschluss erst einmal keinen Job. "Ich habe aber schnell gelernt, dieses Sicherheitsdenken abzulegen." Es sei wichtig Chancen zu erkennen und sie einfach wahrzunehmen, statt verkopft darüber nachzudenken.

Gugel zog nach Köln, um dort seine Schauspielkarriere voranzutreiben – für eine Ausbildung an einer staatlichen Schauspielschule war er inzwischen zu alt. Dort bekam er nach einem Monat ein Engagement und wurde bald auch in Bad Säckingen wieder für eine Produktion engagiert. Nebenher machte er aber auch immer mal wieder Promotion, "um regelmäßig Geld zu verdienen".

"Man muss natürlich etwas diszipliniert sein als Freiberufler, doch ich bin sehr zufrieden", sagt Gugel. Seine Kündigung habe er bisher noch keinen Tag bereut. Seit Ende September ist er Ensemblemitglied der Theatergruppe "Die Schönen" in Freiburg und spielt in der aktuellen Produktion "Ball im Savoy" mehrere Rollen.

Ob er sich vorstellen könnte wieder komplett in seine Heimatstadt Freiburg zu ziehen? "Ich habe aufgehört zu planen und lasse die Dinge auf mich zukommen." Außerdem wolle er auch Köln nicht missen. Schließlich ist es die Fernsehstadt überhaupt – und die Schauspielerei vor der Kamera ist ein Feld, dass Gugel mindestens genauso gefällt wie das Spielen auf der Bühne. "Im Kern ist es beides das gleiche: Man versucht unter imaginären Umständen zu handeln. Diese Lust am Spielen hat mir in meinem alten Job gefehlt – jetzt kann ich sie ausleben".
Was: Operette "Ball im Savoy" im Musiktheater von "Die Schönen" unter anderem mit Michael Gugel
Wann: Bis Ende Februar, jeden Freitag und Samstag, 20 Uhr
Wo: E-Werk, Eschholzstraße 77
Eintritt: 23 Euro, ermäßigt: 11 Euro. Karten gibt es auf den BZ-Geschäftsstellen sowie online unter bz-ticket.de/karten.

Die Operette "Ball im Savoy" erzählt die Geschichte um ein frischvermähltes Society-Paar, dessen Liebe und Treue auf eine harte Probe gestellt wird. Während eines ausufernden Balles im Hotel Savoy gerät das Ehepaar in eine Zwickmühle aus Vertrauen und Freizügigkeit – mit ungewissem Ausgang.