Popeye: Der Theatercomic

Lisa Geiger

Nicht nur schauspielerische Glanzmomente, sondern auch Ideenreichtum beweist die Produktion "Popeye" am Theater Freiburg. Ein Theatercomic wird angekündigt, doch was stellt man sich unter einem von Schauspielern dargestellten Comic vor? Lisa hat sich das Ganze für fudder angeschaut.



Die Umsetzung überrascht jedenfalls mit minimalster Besetzung: Nur drei Schauspieler spielen Popeye, seine Geliebte Olive Oyl, Castor und alle Nebenrollen.


Umziehen und Umbauen im Rampenlicht

Eine Stunde lang wird der Zuschauer in der kleinen Kammerbühne in die Welt des wortgewandten Seemanns gezogen. Während er knallharte Sprüche klopft, singt Olive wunderschöne Liebeslieder und im Hintergrund stehen schon die Kleider für die nächste Szene. Alles findet im Rampenlicht statt: Das Umziehen, Umbauen und die Bühnenbildwechsel. Regisseurin Meret Matter hat dieses Platzproblem genial gelöst.

Die Zeit vergeht im Nu, weil auf der Bühne ein wahnwitziges Tempo gehalten wird, ein Tempo wie aus Comicfilmen, nur dass gezeichneten Figuren seltener die Luft ausgeht. Dorothee Metz, Urs Jucker und Christoph Kopp galoppieren durch das Stück, als wären sie selbst formbare Zeichentrickfiguren mit all ihren charakteristischen Eigenschaften. So behält auch in dieser Theaterproduktion Olive (Schuhgröße 57) ihren einmaligen Gang und Popeye, wie sein Vater Poopdeck Daddy, hat Unterarme wie... jemand, der viel Spinat isst eben.



Diaprojektoren, Sprechblasen und Spinnen

Einfallsreich wurde auch das Problem mit dem Bühnenbild gelöst. Es muss sich schnell und leicht auf- und abbauen lassen, denn Platz für abgestellte Dekoration gibt es nicht. Die Lösung in Person von Christian Stader sitzt vor drei Diaprojektoren und tauscht schnell und auf die Sekunde genau ein gezeichnetes Bühnenbild für das andere. Die Bilder sind ein wenig im Stil Walter Moers’ gezeichnet und ein guter Einfall. Denn nicht nur das Problem wurde gelöst, sondern eine weitere erheiternde Komponente eingefügt. So fliegen auch Vögel, seilen sich Spinnen ab und fliegt die böse Sea Hag mit Poopdeck Daddy in ihren Krallen davon.

Auch Gedanken- und Sprechblasen werden den Schauspielern über die Köpfe projiziert. So beschweren sich die gezeichneten Besucher eines Ringkampfes zum Beispiel: „Geld zurück!“, „Kotz“, „Scheiße“, „Gröhl“, und „Schiebung“.  Die Idee macht in diesem Fall neben der rasanten Geschwindigkeit und den unschlagbaren Sprüchen eine wunderbare, zum totlachen schöne Produktion. Sogar sozialkritisch wird es manchmal.

enn Olive und Castor am Ende reich sind und ihr Geld anlegen wollen, vertrauen sie leider dem schmierigen Vertreter der Firma „Schleim & Plapper Investments“. Vielleicht keine so gute Idee. Dagegen sprühte die Popeye-Crew vor solchen, weshalb diese absolut unterhaltsame Stunde Theater möglich wurde.

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Was: Popeye - Der Theatercomic
Wann: Donnerstag, 28. Februar, 20.30 Uhr
Wo: Kammerbühne, Theater Freiburg
[Fotos: Manuel Washausen]