OB-Wahl 2018

Polizei wusste nichts von Polizeischutz für Kandidat Wermter

Joachim Röderer & update 16.45 Uhr

Der Freiburger OB-Wahlkampf beginnt mit einigen Merkwürdigkeiten. Kandidat Wermter behauptet, dass er Polizeischutz hatte – und vor der Mensa wird ein gefälschtes Flugblatt von Martin Horn verteilt.

Der OB-Wahlkampf in Freiburg beginnt mit ein paar Merkwürdigkeiten. Kandidat Stephan Wermter fühlt sich in seinem Wahlkampf durch linksautonome Gruppen behindert. Er schrieb auf seiner Internetseite, er habe zeitweise sogar unter Polizeischutz gestanden. Das allerdings dementiert die Polizei. Und es gibt noch einen anderen Fall: Der Kandidat Martin Horn ist durch ein schlecht gefälschtes Flugblatt verunglimpft worden, das in der Mensa und im Stadtteil Stühlinger verteilt worden ist.


Polizei und Innenministerium wissen nichts vom Polizeischutz

Der parteilose Kandidat Stephan Wermter fühlt sich nach eigener Aussage bedroht und hat bei Facebook und auf seiner Internetseite Begegnungen mit der linksautonomen Szene aufgelistet und diese mit Verwünschungen belegt. Der Kandidat findet das verliehene Etikett "AfD-nah" für sich nicht passend. Wörtlich schreibt er: Wenn einige Äußerungen von ihm mit Äußerungen von AfD-Politikern deckungsgleich seien, "liegt es vielleicht daran, dass sich die AfD durchaus für die Bürger dieses Landes einsetzt. So wie ich eben."

Ihm seien von der linken Szene drei Wohnmobile angezündet worden, schreibt er im gleichen Beitrag, den er auch auf seine Facebook-Seite gestellt hat. "Meine Familie und ich genossen in der Vorweihnachtszeit bis weit in den Januar hinein auch Schutz von unserem Staat (Staatsschutz)", heißt es da weiter. Die drei Wohnmobile von Stephan Wermters Wohnmobil-Verleih in Opfingen sind tatsächlich ausgebrannt, der Schaden lag im sechsstelligen Bereich. Der Vorfall ereignete sich Anfang August, lange vor der angekündigten Kandidatur. Die Polizei habe keine Hinweise auf Täter oder deren Hintergründe, erklärte auf BZ-Nachfrage Polizeisprecherin Laura Riske.
Alle Texte zur Freiburger OB-Wahl im Dossier

Auch darüber, dass der Kandidat im Dezember und Januar von der Polizei geschützt werden hätte müssen, ist im Freiburger Präsidium nichts bekannt. Auch beim für den Staatsschutz zuständigen Innenministerium in Stuttgart gibt es keine Einsätze in Zusammenhang mit Wermter, so Sprecher Renato Gigliotti. Der Kandidat selbst will sich zum Thema nicht äußern – "mit Rücksicht auf die Sicherheit meiner Familie", wie er im Gespräch mit der BZ sagt.

Fake-Flugblatt wird auf Facebook geteilt

Und dann gab es diese Woche den Zwischenfall mit einem Flyer: In der Mensa der Uni und zumindest auch an Haushalte im Stühlinger sind gefälschte Flugblätter verteilt worden, die angeblich vom – von der SPD unterstützten – Kandidaten Martin Horn stammen sollen, diesen jedoch diskreditieren. Auch die Frau und der Sohn des Kandidaten werden in dem Pamphlet verunglimpft.

"Ich habe mit dem Flugblatt nichts zu tun", sagt Martin Horn. Er habe ein dickes Fell, aber das gehe zu weit – und habe auch mit Satire nichts zu tun: "Das ist ganz klar eine Grenzüberschreitung." Der Urheber des Flugblatts ist nicht bekannt. Aber: Es wurde von einem Facebook-Nutzer in dem sozialen Netzwerk gepostet, versehen mit dem Kommentar, das Flugblatt sei es wert, "große Verbreitung zu finden". Dieser User ist nach eigener Aussage mit der Social-Media-Arbeit für den Kandidaten Manfred Kröber betraut. Dieser habe jedoch mit dem Flugblatt nichts zu tun, so der User nach kritischen Anmerkungen von SPD-Mitgliedern.

Kandidat Kröber distanziert sich

Kandidat Manfred Kröber stellte am Freitag klar, dass das Posting nicht in seinem Namen erfolgt ist. Der Urheber der Postings betreibe mit seinem Einverständnis, so Kröber, eine inoffizielle Fan- und Unterstützerseite. "Dieses ist aber nicht meine Seite, sondern die eines Dritten", so Kröber. Er habe mit seinem Helfer ein Gespräch über das Satire-Flugblatt geführt. Er habe ihn dabei aufgefordert, derartige Agitation zu unterlassen und sich bei Familie Horn zu entschuldigen.



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