SC Freiburg vs. Dynamo Dresden

Polizei verwehrt Dutzenden Dresdener Fans Zugang zum Stadion

Sebastian Krüger

Am Rande des Pokalspiels zwischen Freiburg und Dresden ist es zu einem großen Polizeieinsatz gekommen. Etwa 200 Dynamo-Fans ließ die Polizei nicht ins Stadion. Am Einsatz gab es Kritik.

Mit großem Polizeiaufgebot begleitete die Freiburger Polizei das Pokalspiel zwischen dem SC Freiburg und Dynamo Dresden, das der Sportclub 3:1 gewann. Wie die Polizei berichtete, hätten Dynamo-Fans schon bei der Anreise auf der Autobahn Pyrotechnik eingesetzt und Sachbeschädigungen durch Graffitischmierereien begangen. Bei Fahrzeugkontrollen als auch bei der Eingangskontrolle am Stadion stellte die Polizei Pyrotechnik und Vermummungsmaterial sicher.


"Die massive Polizeipräsenz hat nicht deeskalierend gewirkt." David Vaulont

Nach eigenen Angaben kontrollierte die Polizei zunächst rund 170 Anhänger von Dynamo Dresden, teilweise schon im Bereich des Autobahnzubringers in Lehen, mehrere Kilometer vom Stadion entfernt. Neben Pyrotechnik und Sturmhauben fand die Polizei bei ihnen auch Messer. Die meisten der festgehaltenen Fans seien polizeibekannt gewesen. Die Überprüfungen nahmen laut Polizei so viel Zeit in Anspruch, dass die Fans das Stadion nicht mehr vor Spielbeginn erreichten.

Unmut über massiven Polizeieinsatz

Im Gästeblock sorgte die Polizeimaßnahmen für Unmut. Aus Solidarität schwiegen die Dynamo-Fans im Stadion – außer beim Torjubel – neunzig Minuten lang. Aus dem Dynamo-Umfeld hieß es, bei den festgesetzten Dynamo-Fans habe es sich um den Fanclub "Ultras Dynamo" gehandelt, der bei den Heimspielen im K-Block die Stimmung im Stadion einheizt. In den sozialen Medien entbrannte eine kontroverse Diskussion.




Dynamo-Sprecher Henry Buschmann zeigte Unverständnis für das Vorgehen der Polizei. "Es ist bitter, wenn Fans fast 1000 Kilometer anreisen und dann nicht ins Stadion dürfen." Zu den Vorwürfen der Polizei gegen die Dynamo-Fans will er sich nach Absprache mit dem Fanprojekt Dresden und Vereinsverantwortlichen zu einem späteren Zeitpunkt noch äußern. Indes hat der Verein einen Fragenkatalog an die Freiburger und Dresdener Polizei gesandt, um die Vorfälle aufzuklären.

Aggressive Stimmung

Im Verlauf des Spiels herrschte laut Polizei eine emotional-aggressive Stimmung. Demnach hätten einige Gäste-Fans Polizisten und Ordner körperlich angegriffen, so dass die Polizei einmalig Pfefferspray einsetzte.

Nach Spielende hielt die Polizei die Dynamo-Anhänger für etwa eine halbe Stunde im Fanblock, um nach eigenen Angaben eine sichere Abfahrt aller Fans und Besucher zu gewährleisten. Als sich Teile der Fans vermummt und mit massiver Gewalt gegen Türen zu den angrenzenden Blöcken vorgegangen seien, sowie einen Zaun mit Gewalt überschreiten wollten, habe die Polizei nochmals Pfefferspray und körperliche Gewalt eingesetzt. Drei Polizeibeamte und ein Ordner wurden laut Mitteilung der Polizei leicht verletzt. Im Stadion kam es zu Sachbeschädigungen, insbesondere an Türen und Wänden. Die Schadenssumme steht noch nicht fest. Auch der SC Freiburg will sich zu den Vorkommnissen noch äußern. Philipp Walther, Leiter für Kommunikation, sagte, sämtliche Informationen müssten noch zusammengetragen werden, bevor der Verein eine abschließende Bewertung vornehme.

"Wenn die festgehaltenen Fans gewaltbereite Hooligans waren, hat die Polizei richtig gehandelt. Wenn nicht, war ihr Vorgehen in der Sache nicht angemessen."Simon Waldenspuhl
Grünen-Stadtrat und Jurist David Vaulont, der während des Spiels auf der Haupttribüne saß, stand mit Dresdener Fans in Kontakt, die von der Polizei festgehalten wurden. Demnach hätte die Polizei auch Personen den Zutritt ins Stadion verweigert, bei denen die Personenkontrolle längst abgeschlossen gewesen seien. Außerdem hätten sich behelmte Polizeibeamte unter die Fans im Gästeblock gemischt – ein Vorgehen, dass bei Bundesliga- und Pokalspielen absolut nicht Standard sei.

"Die massive Polizeipräsenz hat nicht deeskalierend gewirkt", so Vaulont weiter, der auch kritisierte, dass den Gästefans erst kurz vor Spielschluss kommuniziert worden sei, dass sie eine halbe Stunde länger im Stadion verharren müssten. Solche Sicherheitsmaßnahmen würden in der Regel nur bei internationalen Spielen angewandt, sagte Vaulont. "Nach außen wirft das Vorgehen der Polizei ein ganz schlechtes Bild auf den Fußballstandort Freiburg." Die Polizei halte die Messlatte, was als Vermummungsmaterial gelte, sehr niedrig. Das entfalte eine abschreckende Wirkung auch auf friedliche Fans.

Lebensmittel entwendet

Auch Partei-Stadtrat Simon Waldenspuhl kritisiert die Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes. "Wenn die festgehaltenen Fans gewaltbereite Hooligans waren, hat die Polizei richtig gehandelt. Wenn nicht, war ihr Vorgehen in der Sache nicht angemessen." Seine Fraktion will im Stadtrat eine Anfrage zum Polizeieinsatz stellen.

Beim Verlassen des Stadions griffen Dynamo-Fans laut Polizei einen Kiosk an und seien in ein Lebensmittellager eingedrungen. Sie hätten eine größere Menge Lebensmittel entwendet, mit denen sie anschließend auch auf dem Vorplatz um sich geworfen haben. Bei der Abreise warf ein Gäste-Fan eine Flasche in eine Straßenbahn und flüchtete; verletzt wurde niemand.

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