Hanfanbau

Polizei sucht Marihuana-Plantagen in den Maisfeldern im Süden Freiburgs

Sebastian Wolfrum

Auf Äckern rund um Freiburg wächst nicht nur Getreide. Immer wieder werden von Unbekannten Cannabispflanzen gesät. In Maisfeldern und am Waldrand sind sie kaum zu entdecken. Die Polizei sucht mit Hubschraubern und erntet ab.

Die Region im Süden Freiburgs ist gesegnet mit fruchtbaren Böden. Hier gedeihen Wein, Äpfel, Mais – und Marihuana (Fotos). Jedes Jahr werden auf den Feldern Cannabispflanzen ausgesät, ohne das die Landwirte davon wissen. Die Polizei macht sich regelmäßig mit dem Hubschrauber auf die Suche nach den gut getarnten Hanfpflanzen.

"Das sieht nicht sonderlich professionell aus. Ich vermute, das waren Jugendliche aus der Gegend." Manfred Bluhm
Manfred Bluhm hält die Hände schützend nach oben. Gut zwei Meter hoch ist der Mais gewachsen, die Blätter kratzen den Polizeioberkommissar im Gesicht. Reihe für Reihe schreitet er durch das Feld, die Sicht beträgt nur wenige Meter. Dann der Ruf seines Kollegen "Fund!", irgendwo von halblinks. Treffer, der erste Marihuanastrauch des Tages. Polizeihauptmeister Norbert Stolz steht in einer menschgemachten Lichtung im Acker, nur wenige Reihen von Bluhm entfernt. Etwa 20 Maispflanzen sind herausgerissen, in der Mitte wächst eine einzelne, versprengte Hanfpflanze. "Das sieht nicht sonderlich professionell aus. Ich vermute, das waren Jugendliche aus der Gegend", sagt Bluhm, während Stolz die Pflanze mit einer Gartenschere kappt.

Am Vormittag sind die beiden Polizisten des Polizeipostens Ehrenkirchen mit einem Hubschrauber über die Gemeinden um den Schönberg geflogen. Die Luftunterstützung wurde vor zwei Wochen angefordert. Zweieinhalb Stunden sind Stolz (59) und Bluhm (55) mit den Kollegen der Hubschrauberstaffel aus Söllingen bei Karlsruhe auf der Suche nach größeren und kleineren illegalen Anbauten über den Feldern gekreist. Aus der Luft sind die Löcher in den Maisfeldern gut zu erkennen. Vom Boden aus hingegen sind die Anbaustellen perfekt getarnt.

Ortskenntnis ist der Schlüssel zum Erfolg

An sechs verschiedenen Stellen sind die Beamten fündig geworden. Nach und nach fahren sie die Orte jetzt ab. Der süße, harzige Geruch zieht durch den Innenraum des Mercedes-Kombis. Das Polizeiauto riecht nach Gras wie der Backstagebereich eines Reggaekonzerts. Der Kofferraum ist voll mit Hanfpflanzen, mehr als 20 werden es am Ende des Tages sein. Stolz steuert den Wagen langsam über Feldwege, Bluhm gleicht die Umgebung mit den Luftbildern ab, die aus dem Hubschrauber aufgenommen wurden. Sie orientieren sich an Höfen, Baumgruppen, Weggabelungen. GPS-Daten gibt es nicht, ohne Ortskenntnis wären die Stellen am Boden nicht zu finden.

Als sie mit Cannabispflanzen unter dem Arm aus dem nächsten Maisfeld kommen, hält ein Traktor neben den Beamten. Noch beim Aussteigen knurrt der Landwirt ein genervtes "schon wieder". Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, auch weil er befürchtet, dass die Hanfanbauer ihren Frust über die Ernte der Polizei an seinen Feldern auslassen.

"Vor allem am Stadtrand von Freiburg nimmt das zu." Ein Landwirt
Er und seine Kollegen machen die Erfahrung, dass immer öfter Gras zwischen den Mais gesetzt wird. "Vor allem am Stadtrand von Freiburg nimmt das zu, etwa an der Grenze zum Rieselfeld oder dem Dietenbach", sagt er. Das geschieht nicht nur im Süden Freiburgs, auch bei Kirchzarten, Emmendingen oder Landwasser war die Polizei in den vergangenen Jahren mit dem Hubschrauber auf der Suche. Fündig wurde sie überall.

Wenn der Landwirt Marihuana sieht, macht er kurzen Prozess mit der Pflanze. Nur wird Hanf eben selten entdeckt. Mais wird im Frühjahr gesät und im Oktober geerntet, dazwischen wird das Feld weitestgehend alleingelassen. Cannabis wächst schnell, es kann gepflanzt werden, wenn der Mais hoch genug ist, um es zu verdecken, und wird geerntet, bevor die Landmaschinen das Getreide einholen.

In der Nähe einer Grünschnittsammelstelle bei Mengen machen Stolz und Bluhm später den größten Fund des Tages. Sie schlagen sich durch dichtes Gestrüpp, die Dornen der Brombeersträucher reißen an den Jeans.

Jenseits von Eigenbedarf und Kavaliersdelikt

Die Beamten bleiben hartnäckig, bis sie an der Stelle ankommen, die sie aus dem Hubschrauber gesehen haben. An zwei Orten sind je zehn Pflanzen sauber in einer Reihe gepflanzt, mit Schnüren an einem Stock gebunden, im Boden Blaukorn-Dünger. "Das ist sicherlich auch für den Verkauf gedacht", sagt Bluhm. Je nach Sorte und Wetterlage kann eine Pflanze mehrere Hundert Gramm Blüten tragen, sagt Bluhm. Bei einer gut gepflegten kleinen Plantage können schnell ein paar Kilo zusammenkommen. Das wäre dann jenseits von Eigenbedarf und Kavaliersdelikt.

Die wirklich großen Hanfplantagen gibt es in Südbaden laut dem Polizeipräsidium Freiburg nicht. Dafür ist der Raum zu dicht besiedelt. Erfahrene Kriminalbeamte schildern etwa Fälle aus Ostdeutschland, wo in alten Industriehallen mit Natriumdampflampen und Spezialdünger große Mengen produziert werden. Solche Flächen gibt es hier in der Region nicht.

Meist bauen Jugendliche und Heranwachsende das Gras an

Wer das Gras rund um Ehrenkirchen, Schallstadt, Mengen und Wittnau anbaut, ist selten herauszufinden. Bluhm und Stolz arbeiten seit vielen Jahren in den Gemeinden rund um Ehrenkirchen. Nach der Erfahrung der beiden Polizisten sind es meist Jugendliche und Heranwachsende, die Gras anbauen. Entweder, um die Blüten selbst zu rauchen, oder um den Stoff im kleineren Stil zu verkaufen.

Dass Stolz und Bluhm keine Kartelle sprengen, ist den beiden klar. Dass ein Hubschrauber rund um den Schönberg kreist und zwei Beamte einen Tag durch die Felder ziehen, halten beide trotzdem für richtig. "Es geht auch darum, Präsenz zu zeigen. Wir wissen, dass immer wieder Gras angebaut wird. Das können wir ja nicht einfach geschehen lassen", sagt Stolz. Bluhm ist seit 25 Jahren Jugendsachbearbeiter.

"Ich glaube an die Prävention, sie ist wichtiger Teil unserer Arbeit." Manfred Bluhm
Der Konsum von Drogen habe in der Zeit deutlich zugenommen, auch auf den Dörfern. Von vielen auffälligen Jugendlichen hört er, dass sie Drogen nehmen, um den "scheiß Alltag" zu vergessen. Immer öfter bleibt es dabei nicht beim Gras, aus Ecstasy, Speed und Alkohol wird am Wochenende ein multitoxischer Cocktail. Das Rechtsverständnis junger Menschen in Bezug auf Drogen habe stark abgenommen, sagt Bluhm. Prävention ist für ihn der Königsweg, um junge Menschen zu erreichen. Dazu gehören Aufklärungsarbeit in den Schulen oder die Fahrten der Präventionsstreifen. Und auch die Ernteaktion ist für Bluhm ein Teil vorbeugender Arbeit. "Prävention ist nicht messbar – und sie lässt sich nicht in einer einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung darstellen. Aber ich glaube an die Prävention, sie ist wichtiger Teil unserer Arbeit. Besonders bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden."

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