Blitz-Aktion

Polizei soll besetztes Haus räumen – doch Besetzer sind weg

Uwe Mauch

Schnell rein und schnell wieder raus: Das war das Motto der jüngsten Hausbesetzer in Freiburg. Als die Polizei den leerstehenden Teil des Dreikönigshauses in der Wiehre räumen sollte, war niemand mehr da.

Die Aktivisten der Kampagne "Wohnraum gestalten" haben ihre Ankündigung wahr gemacht und das nächste Haus besetzt. Am Donnerstag drangen sie ins Gebäude Schwarzwaldstraße 31 ein, um gegen Leerstand zu demonstrieren. Als die Polizei die einstige Obdachlosenunterkunft räumen wollte, war niemand mehr drin.


Das denkmalgeschützte Dreikönigshaus bestand einst aus drei Teilen. Außer dem Essenstreff, der für Bedürftige Mahlzeiten ausgibt, waren auch der "Kleiderladen" der Vereinigung Freiburger Sozialarbeit sowie eine Obdachlosenunterkunft dort untergebracht. Schon vor sechs Jahren wurde über den Teilabriss des einsturzgefährdeten Ensembles diskutiert. Am 11. April 2015 brannte der Mittelteil ab und wurde abgerissen.

Haus muss für den geplanten Stadttunnel weichen

Der westliche wurde für den Essenstreff wieder hergerichtet, der östliche steht leer. Dort stehe Wasser im Keller, er habe weder Toilette noch Küche, sagte am Abend Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Eine Sanierung sei zurückgestellt worden, da es für den geplanten Stadttunnel weichen müssen. Die Kosten dafür seien zwar nie ermittelt worden, sie wären aber "sehr, sehr hoch".

Um 15.40 Uhr meldeten die anonym auftretenden Aktivisten das Haus als "besetzt". Es sei ein Symbol für die Freiburger Wohnungspolitik. "Während die Mieten steigen und bedürftige Menschen auf der Strecke bleiben, stehen sogar städtische Gebäude leer", heißt es in einer Mitteilung.



Die Stadtverwaltung stellte Strafantrag. Wie die Polizei mitteilte, hätten die Einsatzkräfte, die das teilbesetzte Dreikönigshaus räumen sollten, niemanden mehr angetroffen. Laut Rathaussprecherin Edith Lamersdorf soll die Feuerwehr dafür sorgen, dass eine künftige Besetzung unterbleibt.

Am Samstag, 8. Dezember, hatten rund zwei Dutzend Personen ein leerstehendes Mehrfamilienhaus an der Guntramstraße im Stadtteil Stühlinger besetzt, um Gentrifizierung anzuprangern. Der Hauseigentümer stellte Strafanzeige. Die Polizei räumte am späten Nachmittag.