Hausbesetzung

Polizei räumt zwei besetzte Häuser in den Stadtteilen Neuburg und Stühlinger

Jonas Hirt, Bernhard Amelung & Carolin Buchheim

Die beiden Häuser, die Aktivisten in Freiburg besetzt hatten, sind geräumt. In der Mozartstraße 3 befanden sich vier von ihnen im Gebäude. Am Samstag wollen die Aktivisten demonstrieren.

Zwei kurzzeitig in Freiburg besetzte Häuser wurden am Donnerstagmorgen von Einsatzkräften der Polizei Freiburg geräumt, nachdem die jeweiligen Hausbesitzer Strafantrag gestellt hatten.


Um kurz nach 7 Uhr begann der Einsatz am Haus Klarastraße 17 im Freiburger Stadtteil Stühlinger. Mehrere Dutzend Polizisten und Einsatzfahrzeuge waren vor Ort, die Straße war zeitweise abgesperrt. Im Haus wurde nach Angaben der Polizei jedoch niemand mehr angetroffen.

In Neuburg waren vier Besetzer in einer Wohnung

Anders war die Lage am Haus Mozartstraße 3 im Stadtteil Neuburg , wo der Einsatz ebenfalls um 7 Uhr begann: Dort waren rund 40 Einsatzkräfte vor Ort, darunter Bereitschaftspolizei und ein Anti-Konflikt-Team. Auch ein großes Räumfahrzeug war angerückt. In dem Mehrfamilienhaus waren vier Aktivisten in den oberen Stockwerken. Um 9.40 Uhr begleiten Polizisten die ersten beiden Besetzer aus dem Haus. Wenige Minuten später führen weitere Beamten zwei junge Männer aus dem Gebäude. Damit ist die Besetzung beendet.

Harry Hochuli, Leiter des Polizeireviers Nord, bestätigt, dass noch vier Personen im Haus gewesen seien. Eine genaue Zahl der Beamten nennt er nicht. Das ist so üblich bei Einsätzen. "Sie sehen aber, dass wir mit einem größeren Aufgebot vor Ort waren." Man habe nicht wissen können, wie viele Menschen noch im Haus seien. "Ich halte den Kräfteeinsatz durchaus für angemessen." In der Klarastraße sei keiner der Besetzer mehr im Haus gewesen. Hier hätten die Einsatzkräfte nur noch Barrikaden vorgefunden. "Größere Schwierigkeiten hatten wir hier."

Beide Hausbesitzer haben laut Hochuli Strafantrag gestellt. Zudem wird gegen die Besetzer des Hauses an der Mozartstraße wegen Diebstahls ermittelt. Gegen 10 Uhr war die Besetzung beendet.



Die Mozartstraße war abgesperrt, an der Absperrung versammelten sich zwischenzeitlich rund ein Dutzend Schaulustige, die die Besetzung unterstützen.

Ebenfalls vor Ort war Stadträtin Monika Stein. "Ich finde das Polizeiaufgebot übertrieben", sagte Stein. "Die Hausbesetzer legen den Finger in eine Wunde." Die Stadträtin berichtet, dass Bürgermeister Stefan Breiter Donnerstagmorgen ebenfalls in der Mozartstraße 3 gewesen sei. Sie habe aber nicht mit ihm reden können.

600.000 Euro Kaufangebot für Klarastraße

Vor der Polizei-Absperrung versammelten sich Unterstützer der "WG". Eine junge Frau sagt nach Beendigung des Einsatzes: "Das ist erstmal ein Rückschlag." Gestern Abend hätten die Besetzer noch mit einem Vertreter des Eigentümers verhandelt. "Zum Eigentümer gab es keinen persönlichen Kontakt", sagte die Frau. Anders als von den Hausbesetzern in einer E-Mail zu Beginn der Besetzung behauptet, ist der Eigentümer des Hauses in der Mozartstraße nicht verstorben.

Das Gespräch mit dem Vertreter des Eigentümers habe lange gedauert. Dennoch habe der Mann darauf bestanden, dass das Haus geräumt werde. Die junge Frau fügt hinzu, dass der Kontakt zum Besitzer des Hauses an der Klarastraße am Montag abgebrochen sei. Nachdem die Initiative "Stühlinger für Alle" auftrat und dem Eigentümer des dortigen Hauses ein Kaufangebot machte, habe sich dieser nicht mehr gemeldet. Die Initiative unterstützt den Protest der WG. Die junge Frau sagt, dass das Kaufangebot 600.000 Euro betragen habe.

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Kurzzeitbesetzungen

Das Haus in der Klarastraße war am vergangenen Donnerstag besetzt worden, das Haus in der Mozartstraße am Montag. "Seitdem wurden im Garten Beete angelegt und wir haben mit Bauarbeiten im Haus begonnen", heißt es in einer Pressemitteilung, die die Besetzer in der Nacht verschickt hatten – und in der sie mitteilten, dass sie die Räumung erwarten würden.

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