Polizei räumt Willkommenszelt für Flüchtlinge

Charlotte Janz & David Weigend

Die Polizei hat das Willkommenszelt für Flüchtlinge auf dem Götz & Moriz-Gelände an der Lörracher Straße geräumt. Die Beamten brachten Aktivisten, die dort übernachtet hatten, vom Grundstück.



Gegen 7.30 Uhr hat die Polizei das brach liegende Gelände an der Lörracher Straße betreten. Etwa acht Beamten weckten vier Aktivisten, die dort ein Willkommenszelt für Flüchtlinge aufgeschlagen hatten. Sie führten die Aktivisten vom Grundstück und nahmen ihre Personalien auf. Bei den Verwiesenen handelt es sich um Anhänger linker Gruppen, die sich unter dem Motto No Lager Freiburg! zusammengeschlossen haben.


Sie wollten mit ihrem Willkommenszelt den Flüchtlingen in der gegenüberliegenden bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle (BEA) praktische Hilfe anbieten und versorgten die Flüchtlinge gestern mit Kaffee, Gebäck und Infomaterial. Widerstand leisteten sie nicht, als sie des Platzes verwiesen wurden. Das Zelt sowie diverse Banner wurden an den Bauzäunen wurden entfernt. Die Grundstücks-Eigentümerinnen hatten die Willkommenszelt-Aktivisten angezeigt.

Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch

Das ehemalige Götz&Moriz-Gelände liegt zwar brach, allerdings befindet es sich in Privatbesitz, das durch Bauzäune und Schlösser gesichert war. "Diese wurden gewaltsam beseitigt. Gegen die Personen wird nun wegen Hausfriedensbruch strafrechtlich ermittelt", sagt Polizeisprecherin Laura Riske. Problematisch ist, dass die Aktivisten für ihre sicherlich lobenswerten Bemühungen keine Freigabe der Eigentümerinnen hatten und das Gelände auf eigene Faust besetzten. Unklar ist allerdings auch, ob die Polizei verpflichtet war, das Gelände umgehend zu räumen.

„Ehrlich gesagt bin ich stinksauer“, sagt eine der beiden Eigentümerinnen am Dienstmorgen auf Anfrage der BZ. Ein Abbruchunternehmer habe das Gelände wieder soweit hergerichtet, eine ganze Lkw-Ladung voller Müll habe abtransportiert werden müssen. „Das ganze Gelände war vermüllt, und ich frage mich natürlich, wer die Kosten trägt“, so die Eigentümerin – „von den Linksaktivisten werde ich da sicher nichts sehen“.

Wie es nun weitergehen werde, wisse sie nicht. Aber es störe sie sehr, dass sie als Eigentümerinnen nun so hingestellt würden, als ob sie die Bösen seien. „Manche Sachen lassen sich ja auch im Vorfeld mit einem, netten Anruf klären“, ärgert sie sich.

Die Bagger kommen

Gegen 8.45 Uhr kam schließlich ein Bagger angerollt, etwa 15 bis 20 Aktivisten aus dem linken Umfeld sammelten sich vor dem geräumten Grundstück. "Wir finden es sehr schade, dass unser Willkommenszelt auf diese Weise entfernt wurde", so der Tenor. Anwohner und vorbeikommende Radfahrer teilen diese Tendenz: "Schämt euch!", rufen sie den Polizisten entgegen.
Die Geschichte wird bei den Kollegen der Badischen Zeitung ständig aktualisiert.
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