Polizei lässt abgegebene Waffen vernichten

David Weigend

Die Aufbewahrungsvorschriften von Waffen sind seit dem Amoklauf von Winnenden erheblich verschärft worden. Deshalb gaben seit Juli 2009 viele Bürger ihre Waffen ab. Fünf Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg untersuchen sie, bevor sie zum Kampfmittelbeseitigungsdienst gebracht werden.



Ein Jahr ist seit dem Amoklauf eines Schülers in Winnenden vergangen. Als Konsequenz dieser Tat wurde im Juli 2009 das Waffenrecht verschärft. Die Aufbewahrungsvorschriften sind strenger geworden. Besitzer illegaler Waffen konnten bis Ende 2009 ihre Waffen straffrei bei der Polizei oder bei den Landratsämtern abgeben.


Alle Waffen, die im Regierungsbezirk Freiburg abgegeben wurden, schickten die Landratsämter zu den technischen Werkstätten der Landespolizeidirektion Freiburg nach Umkirch.

Dort wird jede einzelne Waffe untersucht und begutachtet. Zunächst prüfen die Sachverständigen den Zustand der Waffe. Da gab es einige Überraschungen. Bei einigen Stücken war noch Munition im Magazin oder dem Lauf. Nicht ganz ungefährlich, wenn man bedenkt, dass möglicherweise auch manch Waffenunkundiger das Stück zuvor in seinen Händen hielt.



Danach folgt die Herstellerbestimmung, die Suche nach der Waffen- Serien- und Modellnummer, die Unterscheidung zwischen Lang- und Kurzwaffen und die Bestimmung des Kalibers. Ist es eine Pistole oder ein Revolver? Eine Flinte, eine Büchse, ein Einzel- oder Doppelläufer? Ein Drilling gar?

Seit Juli 2009 sind fünf Herren der Waffenwerkstatt mit dieser Begutachtung beschäftigt. Bis zu 200 Waffen täglich gehen durch ihre Hände. Manchmal aber auch deutlich weniger. Dies immer dann, wenn der Zustand der Schusswaffe eine schnelle Prüfung nicht zulässt. Oft muss mühsam der Rost weggekratzt werden, um nach entsprechenden Kennzeichnungen suchen zu können.

Bei manch schönem Stück blutet den Waffenfachmännern schon einmal das Herz. Unter den abgegebenen Teilen befinden sich mitunter hochwertige Büchsen, seltene Duellierpistolen oder wertvolle Einzelstücke.



Die von den Landratsämtern angelieferten Waffen sind aufgelistet. Die untersuchten Stücke werden nun mit den Listen verglichen, diese gegebenenfalls von den Sachverständigen korrigiert oder ergänzt. Anschließend gehen diese Listen zurück an die Landratsämter im Regierungsbezirk. Auf diese Weise bekommt jede Waffe ihre Historie, deren Weg jetzt bis zur Vernichtung nachweisbar ist.



Die begutachteten Waffen werden anschließend zum Kampfmittelbeseitigungsdienst nach Stuttgart verbracht. Übrigens auch die massenweise im Rahmen der Amnestieregelung angelieferte Munition sowie Schwarzpulver, Sprengstoff und sogar Handgranaten.



In Stuttgart werden die Waffen dann „geglüht“, um sie von nichtmetallischen Teilen zu befreien, die beim späteren Schmelzvorgang unerwünscht sind. Die letzte Station dieser Waffen ist der Hochofen eines Stahlwerks. Rund 10.000 Waffen sind dort seit Mitte Juli 2009 vernichtet worden. Ob später daraus Pflugscharen werden, ist nicht bekannt. Der hochwertige Waffenstahl hätte aber das Zeug dazu.