Verstecke ausgehoben

Polizei geht gegen Drogenhandel auf dem Stühlinger Kirchplatz vor

Joachim Röderer

Die Polizei hat am Dienstagmorgen drei Drogenverstecke auf dem Stühlinger Kirchplatz ausgehoben. Der Platz wird nun umgestaltet – das soll mithelfen, die Dealerszene einzudämmen.

Der Stühlinger Kirchplatz soll wieder ein Platz für alle werden. So sagt es der Leitende Polizeidirektor Berthold Fingerlin. Am Dienstagmorgen hat es eine größere Polizeiaktion gegeben – mit Hilfe von Polizeihunden suchten Ermittler nach Drogenverstecken. Der Drogenhandel soll eingedämmt werden – durch mehr Präsenz von Polizei und städtischem Vollzugsdienst. Das Garten- und Tiefbauamt hat begonnen, die Hecken am Platz deutlich zurückzuschneiden. Der Treppenturm an der Stadtbahnbrücke soll besser beleuchtet werden.


Drogenspürhund Gismo findet drei Bunker

Dienstagmorgen, 9 Uhr, Polizeiwagen fahren vor, gut 15 Polizisten verteilen sich auf dem Stühlinger Kirchplatz – noch vor dem üblichen "Dienstbeginn" der dort stets präsenten Cannabisdealer. Dafür macht sich Drogenspürhund Gismo mit seiner feinen Nase an die Arbeit. Insgesamt drei Bunker werden gefunden – Verstecke von kleineren Mengen an Drogen. Parallel dazu machen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Garten- und Tiefbauamtes an die Arbeit. Sie schneiden die Hecken massiv zurück. Das Ziel: Der gesamte Bereich um den Hartplatz an der Tischtennisplatte in der Nordostecke soll besser einsehbar werden.

Der direkt neben dem Hauptbahnhof gelegene Kirchplatz gilt seit Jahren als Hotspot der Drogenhändlerszene. Auf dem Platz befinden sich zwei Kinderspielplätze. In der Nachbarschaft liegen zwei Schulen und mehrere Kindergärten. Die Situation auf dem Platz ist ein Dauerthema – es gibt anhaltende Beschwerden vom Bürgerverein, von der Kirche, von Anwohnern. Nach einer Phase der Entspannung habe zuletzt die Zahl der Drogendealer wieder zugenommen, berichtet Polizeidirektor Berthold Fingerlin, Leiter der Direktion Polizeireviere im Polizeipräsidium, als er den Grund für die Polizeiaktion erklärt.



2017 wurden in Zusammenhang mit der Händlerszene auf dem Kirchplatz 50 Haftbefehle erwirkt. In diesem Jahr waren es laut Fingerlin auch schon wieder 15. Die Personalien von rund 100 unterschiedlichen Dealern kennt die Polizei. Die meisten davon seien geduldete Asylbewerber aus Gambia. Und die große Mehrheit lebt auch nicht in Freiburg, sondern pendelt quasi täglich aus den Nachbarlandkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald oder sogar von weiter weg aufs Areal vor der Herz-Jesu-Kirche ein. Bei schönem Wetter könnten sich hier schon einmal bis zu 80 Afrikaner aufhalten. "Einer sagte mal: Das ist Klein-Afrika, das hier ist unser Platz", erzählte Polizeidirektor Fingerlin im Pressegespräch.

Die Suche nach den Hintermännern

Das klare Ziel der Polizei sei, die Drogenhändlerszene einzudämmen. Man denke auch über Betretungsverbote nach – für Dealer und ihre Kunden, so Fingerlin. Klar ist auch: Die Gambier und die anderen Dealer am Platz stehen als Kleinkriminelle am Ende einer Kette. Die Drahtzieher sitzen anderswo: "Es ist eine Kaskade, wir sind dabei, die Hintermänner zu ermitteln", so Fingerlin. Die Strukturen seien aber komplex. "Ja, es ist viel Ware in Freiburg unterwegs", bestätigt er auf BZ-Nachfrage.

Auf dem Platz wird es optische Veränderungen geben. Das Garten- und Tiefbauamt hat mit dem Rückschnitt der Bäume und Sträucher begonnen. Das Verstecken von Drogen wird so erschwert. Der "Hartplatz" an der Stadtbahnbrücke dient von Oktober an ohnehin für ein Jahr als Lager für die Baustelle der Stadtbahnbrückensanierung. Die Tischtennisplatte soll direkt auf den Kirchplatz verlegt werden. "Wir werden auch den Treppenturm an der Stadtbahnbrücke und den Bereich der Toiletten nachts besser beleuchten", sagt Frank Uekermann, der Leiter des städtischen Tiefbauamtes. Es würden Lampen installiert, die mit einem Bewegungssensor versehen sind. Zählungen der Stadt hätten ergeben, dass der Treppenaufgang nachts so gut wie gar nicht genutzt wird – und wenn, dann eigentlich nur von den Dealern und ihrer Kundschaft.