Dreisam-Mord

Polizei: 17-Jähriger soll Maria L. ermordet haben - ein Haar war wichtige Spur

Ein gefärbtes Haar hat den Durchbruch im Fall der getöteten Medizinstudenten Maria L. gebracht. Die Ermittler konnten den Sexualmord weitgehend aufklären. Der Tatverdächtige wurde von einer Streife des Polizeipostens Littenweiler festgenommen - obwohl er seine auffällige Frisur verändert hatte. Es handelt sich um einen 17 Jahre alten unbegleiteten Flüchtling aus Afghanistan. Er sitzt in U-Haft.

Dem Verdächtigen war die Polizei nach Auswertung von einer Überwachungskamera auf die Spur gekommen. Er hatte zur Tatzeit einen sogenannten Undercut, kurz rasierte Haare an der Seite und hinten und längere Haare oben. Der längere Haarschopf war teilweise blond gefärbt. Die Naturhaarfarbe sei schwarz, so die Ermittler auf einer Pressekonferenz am Samstag in Freiburg.


"Das Haar hat den Durchbruch gebracht." David Müller
Eine Überwachungskamera in einer Straßenbahn der Linie 1 der Freiburger Verkehrs-AG hat die Ermittler der Soko schließlich auf die richtige Spur geführt. Die Kamera zeigte den jungen Mann auf seiner Fahrt mit der Tram. Der Tatverdächtige war in der Nacht zum 16. Oktober um 1.57 Uhr am Bertoldsbrunnen in die Bahn eingestiegen und bis zur Endhaltestelle Lassbergstraße in Littenweiler gefahren. Einer jungen Polizeimeisterin, die die Videobänder sichtete, war in dieser Woche der junge Mann auf den Bändern aufgefallen. Die markante Frisur stimmte mit dem am Tatort gefunden Haar überein.

Tatverdächtiger hatte Frisur geändert – Polizisten konnten ihn dennoch auf Straße identifizieren

Wie der leitende Kriminalpolizeidirektor Peter Egetemaier der BZ auf Nachfrage verraten hat, hat eine Streife des Polizeipostens Littenweiler den Verdächtigen am Freitag aus dem Streifenwagen heraus auf einer Straße in Littenweiler entdeckt – obwohl der Tatverdächtige seine auffällige Frisur geändert hatte: "Sie waren nicht mehr so auffällig blondiert und kürzer. Er sah nicht mehr so aus, wie auf den Kameraaufnahmen." Eine DNA-Probe wurde in der Nacht zum Samstag im Landeskriminalamt in Stuttgart untersucht. So konnte der Tatverdächtige identifiziert werden. Das Ergebnis wurde gegen 24 Uhr nach Freiburg übermittelt.



Das am Tatort gefundene Haar war 18,5 Zentimeter lang, schwarz und mit changierender Blondierung. "Das Haar hat den Durchbruch gebracht", sagt Soko-Leiter David Müller auf BZ-Nachfrage. Dadurch konnte der Tatverdächtige auf den Kameraaufnahmen der VAG aus der Tatnacht identifiziert werden. Acht Zentimeter des Haares seien Naturfarbe, zehn Zentimeter seien blondiert. Das Haar wurde erst am 30. November in vom Tatort gesicherten Gestrüpp entdeckt. Die DNA stimmte mit der Täter-DNA überein. Insgesamt drei Säcke an Brombeerhecken-Material hatten die Kriminaltechniker im Kriminaltechnische Institut (KTI) in Stuttgart akribisch untersucht, wie KTI-Leiter Andreas Stenger bei der Pressekonferenz berichtete.

Schwarzer Schal spielte ebenfalls entscheidende Rolle

Ein schwarzer Schal im Flussbett der Dreisam spielte ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung des Sexual- und Gewaltverbrechens. 50 Minuten vor der Tat habe sich ein junger Mann mit einem schwarzen Schal rund einen Kilometer vom Tatort aufgehalten, so die Ermittler weiter. Dies ergab die Auswertung von Videoaufzeichnungen der VAG.

Tatverdächtiger ist minderjähriger unbegleiteter Flüchtling

Der 17-Jährige sei wegen des dringenden Tatverdachts der Vergewaltigung und des Mordes in Untersuchungshaft genommen worden. Es handele sich um einen minderjährigen unbegleiteten Flüchtling, der im November 2015 alleine aus Afghanistan eingereist sei. Der junge Afghane wohnte im Freiburger Osten bei einer Familie, die bereits vernommen wurde. Die Familienverhältnisse seien geordnet gewesen. Der 17-Jährige habe einen gesetzlichen Vormund, sagte Soko-Leiter David Müller der BZ. Er war der Polizei bislang erst einmal aufgefallen, sagt der leitende Staatsanwalt Dieter Inhofer. Ermittelt wurde im Rahmen einer Körperverletzung, die Vorwürfe bestätigten sich jedoch nicht.

Der Verdächtige hat bislang noch keine Angaben zur Tat gemacht. Die Polizei ermittelt nun, ob es eine Beziehung zwischen Täter und Opfer gab. Laut Soko-Leiter Müller wurden alle Freizeitaktivitäten der getöteten Studentin durchleuchtet. Bislang gebe es keine Verbindung zum Tatverdächtigen.

Wie Peter Egetemaier der BZ auf Nachfrage nach der Pressekonferenz sagt, hat der Täter einen Anwalt. Laut Soko-Leiter Müller könne sich der 17-Jährige einigermaßen auf Deutsch unterhalten – aber zum Verhör werde ein Dolmetscher hinzugezogen. Der junge Tatverdächtige habe den Status eines Schülers. Momentan werden nun fieberhaft geprüft, ob es eine Verbindung zur Tat in Endingen gebe, so Egetemaier.

Die DNA des Verdächtigen befand sich nach Angaben der Ermittler auch an der getöteten Studentin und am Fahrrad, das in der Nähe des Tatorts gefunden wurde. Noch konnte die Herkunft des am Tatort gefundenen lilafarbenen Damenfahrrads nicht ermittelt werden. Es sei unklar, wann der Tatverdächtige das Fahrrad benutzt hat, so die Ermittler. Sicher sei, dass am Brems- und Schalthebel Genmaterial gefunden wurde.

Tat frühestens gegen 3 Uhr nachts – keine Ohren- oder Augenzeugen

Die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria L. wollte in der Nacht zum Sonntag am 16.Oktober von der Studentenparty Big Medi Night vom Institutsviertel in Herdern mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Am nächsten Morgen fand eine Joggerin ihre Leiche in der Dreisam. Maria L. war im Bereich des SC-Stadions vergewaltigt und getötet worden. Als Todesursache gilt nach wie vor Tod durch Ertrinken – ob absichtlich, oder ob die junge Frau ohnmächtig ins Wasser fiel oder gelegt wurde, ist noch nicht erwiesen.

Zur Tatzeit konnte Soko-Leiter Müller gegenüber der BZ keine weiteren Angaben machen – außer: Die Tat könne sich frühestens gegen 3 Uhr nachts ereignet haben. Denn der Fahrweg von der Party bis zum Tatort sei rund 16 Minuten lang. Maria L. hatte um 2.37 Uhr die Party verlassen. Zur Tatzeit, sagt Müller, habe es keine Ohren- oder Augenzeugen gegeben. Mehr als 500 Einzelfotos seien von der Party ausgewertet worden, so Müller. Auf diesen Fotos habe sich der Tatverdächtige nicht befunden. Wodurch zumindest vermutet werden kann, dass er nicht auf der Party gewesen ist. Allerdings waren dort, wie Müller jetzt mitteilte, 3000 Gäste – nicht wie bislang angenommen rund 1000.

Bislang keine Verbindung zum Fall Carolin G. aus Endingen bekannt

Die Polizei hatte Hunderte von Menschen befragt und war Hunderten von Spuren und Hinweisen nachgegangen. Auch ein Mantrailer-Hund war im Einsatz und hatte die Ermittler in einen Hörsaal der Biochemie geführt. In dieser Woche hatte die Polizei noch einmal Flyer an der Uni verteilt und Plakate aufgehängt.

Drei Wochen nach Maria L. war in Endingen die 27 Jahre alte Carolin G. an einem Sonntagnachmittag beim Joggen überfallen, vergewaltigt und getötet worden. Ob es bei beiden Fällen eine Verbindung gibt und es sich um den gleichen Täter handelt, ist derzeit noch offen. Bei der Polizei ging die Tendenz zuletzt dahin, dass es sich um zwei unterschiedliche Gewaltverbrecher handelt. Im Endinger Fall hatten die Kriminaltechniker zuletzt noch keine verwertbare DNA sichern können.

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich offenbar noch nicht sicher und endgültig ausschließen, ob der Verdächtige vom Fall Maria L. nicht auch für die Tat am Kaiserstuhl verantwortlich ist.

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