Playlist Preview: Andreas Schmauder @ Kamikaze

Manuel Lorenz

Die Playlist-Preview: Wir befragen einen DJ nach seinen Tracks, die er am Wochenende auf jeden Fall in einem Club auflegen wird. Auf welche Platten und Tracks freut sich unser Playlist-DJ ganz besonders? Was verbindet er mit diesen Liedern? Heute Andreas Schmauder, der am Abend im Kamikaze Schellackplatten auflegen wird.


Heute Abend findet im Kamikaze zum ersten Mal Käthes Ballpalast statt! Das heißt: Andreas Schmauder (DJ78) legt originale Schellackplatten der Jazz- und Swingzeit auf! Diese werden rein mechanisch abgetastet, und der Klang kommt elektronisch unverstärkt aus dem Trichter eines seiner beiden Originalgrammophone - einem Trichtermodell aus den 1910er Jahren und einem Koffermodell aus den 30ern. Und zu fortgeschrittener Stunde gibt's dann noch Elektroswing aus dem Hause Kamikaze auf die Lauscher!


PS: Andreas Schmauder besitzt eines der umfangreichsten Schellack-Jazzarchive und das wahrscheinlich umfassendste überhaupt zum europäischen Jazz der 20er bis 50er Jahre. Außerdem betreibt er eines der größten Schellackplattenantiquariate Europas.

Diese Tracks hat Andreas Schmauder dabei:

01. Jimmie Lunceford / Rhythm is our business (New York 1934)
Auch wenn ich gar nicht zum Swingtanzen auflege, so ist das gleich zu Begin trotzdem ein hinreißender Titel einer der angesagtesten schwarzen Swingbands der 30er Jahre. Da zuckt es in jeder Faser!
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02. Cab Calloway / Jonah joins the Cab (New York 1941)

Zu Beginn der 40er Jahre war die Band des Hi-Do-Ho Manns Cab Calloway eine der erfolgreichsten schwarzen Swingbands der USA. Dies ist eine typische und damals viel verkaufte Aufnahme des grossartigen Entertainers, dessen Karriere in den späten 20er Jahren begann, einem jüngeren Publikum durch seine Rolle im Film „Blues Brothers“ bekannt wurde und der in hohem Alter auch zweimal in Freiburg aufgetreten ist.

03. Chick Webb & Ella Fitzgerald / I've got a guy - Congo (New York 1937)
In der Band des schwarzen Schlagzeugers Chick Webb hat die Karriere von Ella Fitzgerald begonnen. Eine ihrer frühen Aufnahmen ist der wunderschöne Titel „I got a guy“.  Auf der anderen Plattenseite hören wir das Instrumentalstück „Congo“ mit dem ersten echten Schlagzeugsolo der Jazzgeschichte, gespielt von Chick Webb.
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04. Andrews Sisters & Jimmy Dorsey Orchestra / Hold tight (New York 1938)

Im Jahr 1937 begann die Schallplattenkarriere des weiblichen Gesangstrios „The Andrews Sisters“, deren Gesang zu Beginn ganz dem Swing verschrieben war und der daher auch zumeist von führenden Swingorchestern begleitet wurde. Hier ist es das von Jimmy Dorsey, einer weißen Swingband.

05. Benny Carter / Savoy stampede (New York 1939)

Ein weiteres schwarzes Orchester war jenes des Altsaxophonisten und Klarinettisten Benny Carter. Eine seiner schönsten Aufnahmen aus der Zeit zu Beginn des Weltkriegs ist „Savoy Stampede“.

06. Glenn Miller / I got rhythm (New York 1937)

Die Karriere des weißen Posaunisten Glenn Miller, dessen Orchester den Sound der Kriegszeit bestimmt hat, reicht bis in die 20er Jahre zurück. Und auch im Jahr 1937 hat seine Band noch heißen Swing gespielt. „I got rhythm“ ist eine dieser tollen Aufnahmen, ganz ohne den Schmalz vieler späterer Aufnahmen.

07. Fletcher Henderson / I'm coming Virginia (New York 1927)

Und weil ich vom Herzen her ein Enthusiast des 20er-Jahre-Jazz bin, soll auch aus der Zeit ein tolle Hot-Aufnahme nicht fehlen: „Ì'm coming Virginia“. Die Band des schwarzen Pianisten und Arrangeurs Fletcher Henderson, bei dem Größen wie Louis Armstrong oder Coleman Hawkins in ihren jungen Jahren spielten, war eine der führenden Bands nicht nur der 20er Jahre sondern auch noch zur Swingzeit.

08. Django Reinhardt & Quintette Hot Club France / Minor swing (Paris 1937)

Der Schwerpunkt meines Plattenarchivs liegt auf dem europäischen Jazz. Der wichtigste Vertreter Europas in der Swingzeit war der französische Gitarrist Django Reinhardt, dessen Aufnahmen mit dem Quintet du Hot Club de France stilbildend für viele weitere Gruppen in Europa und Übersee war. Eine seiner mitreissendesten Aufnahmen ist der „Minor swing“, aufgenommen 1937 für „SWING“, das im gleichen Jahr in Paris begründete erste unabhängige reine Jazzlabel der Welt .
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09. Coleman Hawkins & The Ramblers / A strange fact (Laren 1937)

Der schwarze Altsaxophonist Coleman Hawkins hat Mitte der 30er Jahre eine längere Zeit in Europa zugebracht (Schweiz, England und Holland). Mit den holländischen Ramblers kam es zu Plattenaufnahmen, von denen mein Favorit „A strange fact“ ist.

10. Hans-Georg Schütz (Tanz-Orchester) / Heiße Tage - Der schwarze Panther (Berlin Juli 1944)
Deutsche Hot-Aufnahmen gegen Ende des Weltkriegs! Spannend zu hören, was zu der Zeit in Deutschland möglich war. Zwei heiße Aufnahmen auf einer Platte. Was in Deutschland damals nur noch als „Der schwarze Panther“ veröffentlicht werden konnte, ist in Wirklichkeit der Jazzklassiker „Tiger rag“
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Mehr dazu:

Was: Käthes Ballpalast mit Andreas Schmauder, Mr. Bowjangle aka jan.ehret, Swing Ding Super U aka Francois Super U, Long Swinger Wenz aka Beef Eater Wenz, Caspar Deleuze aka Caspar Camaro
Wann: Freitag, 18. Februar 2011, 23 Uhr
Wo: Klub Kamikaze [Bild: Andreas Schmauder]