Playlist-Preview (6): Thelonious Fonk

Marc Schätzle

Die Playlist-Preview: Wir befragen einen DJ, der am bevorstehenden Wochenende in einem Freiburger Club oder an einer Freiburger Party auflegen wird. Auf welche Platten freut sich unser Playlist-DJ ganz besonders? Was verbindet er mit diesen Platten? Warum wird er sie auflegen? Heute am Start: Thelonious Fonk, Macher der Rebeat Funk Night



Ricardo Magnus aka Thelonious Fonk spielt am Samstag bei der Rebeat Funk Night im Ruefetto. Ab 22 Uhr geht es los und das Motto dieses Abends lautet FunkSoulSister.  Es gibt alles von Miss Sharon Jones über Elaine Delmar Hauptsache weiblich.


Und diese Platten hat Ricardo mit im Gepäck:

1. “See and don’t see”, Marie Queen Lions

„See and don’t see“ ist bestimmt kein midnight-hour-Kracher, aber als erstklassiger „warm-up“ und dazu natürlich auch als „opening-number“ für diese Liste bestens geeignet. Übrigens singt diese Dame die funkigste Version von „Fever“ die ich kenne. Sehr empfehlenswert!

2. „Super Cool“, Carrie Riley & The Fascinations

“Super Cool” kann man ohne weiteres nach „See and don’t see“ auflegen. Der Bläsersatz ganz am Anfang führt zur Verwirrung... jeder denkt „ich kenne das,....jaaa! ich kenne definitiv diesen Riff“. Und in der Tat, es erinnert sehr stark an Miles Davis „Kind of Blue“LP, genauer gesagt an „so what“, noch genauer an die unsterblichen und hoch ansteckenden zwei Akkorde, die die Bläser als Antwort dem Bass bieten.

Und wenn Miles Davis Garant für qualitativste Musik ist, so kann ich Euch garantieren, dass nicht nur des besagten Bläser-Zitat wegen dieser Tune ein MUSS ist.

3. „???“ Sharon Jones and the Dap Kings

Dieses Song besitzt tatsächlich noch keinen Namen. Warum?

Ganz einfach: Vergangenen Mai 06 hat die Rebeat Funk Night die „Queen of Funk“ und The Dap Kings nach Freiburg geholt. Dort haben wir diesen Track live aufgenommen. Der Tune war schon damals ein Preview der neuen LP gewesen. Diese ist aber immer noch nicht erschienen. Es handelt sich hier also um ein Unikat, denn niemanden sonst besitzt eine Kopie davon - ausgenommen natürlich die Künstler selbst! Ist es an dieser Stelle nötig zu erwähnen dass wir es hier mit einem granatenstarken Funk-Tune zu tun haben? ...definitiv NEIN.

4. „Humpty Dump“, The Vibrettes

Good God! Ein Klassiker, der immer wieder beweißt, warum guter Funk ganz einfach

u-n-w-i-e-d-e-r-s-t-e-h-l-i-c-h ist. Ein schlichtes aber himmlisch schmutziges Schlagzeug intro, gefolgt von einem enorm „catchigen“ Guitarrenriff. Die Bassline ist schon da und die Vibrettes, ein süsses weibliches Duo, lassen nicht auf sich warten und erklären uns allen, was wir tun müssen um den „Humpty Dump“ zu beherschen. Ps: einige compilations nennen diesen Tune auch „Humpty Bump“.

5. „Rock Steady“, Aretha Franklin

Von einem Klassiker kommen wir zu DEM FUNKSOULSISTER KLASSIKER schlechthin!

Ich weiss, ich weiss...dieser Song ist bei fast jeder billigen compilation drauf, aber gerade dies ist ja auch gleichzeitig der beste Track, über den diese comps. verfügen. Bekannt, unbekannt, absolut egal! Dieses Stück ist ohne Diskussion genial und das sollte immer das Mass der Dinge sein, wenn man Musik beurteilt.

Nach einem kurzen, aber relativ naivem intro donnern Schlagzeug und Bass drauf los und bauen einen wuchtigen groove auf. Keiner bleibt stehen und es bedarf auch keiner grossen Erläuterungen. Miss Franklin sagt es uns direkt: „Rock steady baby, that’s what I feel now”. Eine Warnung muss ich aber bekannt geben: Der Drumbreak kurz vor dem Schluss ist für Menschen mit schwachem Herz nicht geeignet.

PS: hätte auch „Funk Steady“ betitelt werden können.

6. „Good Things“, Pearl Dowdell

Unwiderstehlicher Blässer-Riff, der mich sehr an James Brown’s „Soul Pride“erinnert.

Dazu ist die Aufnahme perlenklar und bedeutend druckvoll.

Willie „Little Beaver“ Hale entdeckte Pearl Dowdell Ende der 60er Jahre in Miami. Er erinnert sich: „Sie war sehr enthusiastisch, energiegeladen und verdammt gut aussehend“. Es scheinen Ihre äusserlichen Attributte gewesen zu sein, die den Pass für eine Aufnahmesitzung beim Label Saadia ermöglichten. Sie war angeblich so attraktiv, dass ihr Gesicht es bis auf das „Label Design“ (kein Cover, sondern damit ist der Aufkleber einer Single gemeint) einiger Singles geschafft hat, etwas was bei Funk 45’s sehr, sehr selten vorkommt.

Ich sage nur folgendes dazu: wenn Sie so ausgesehen hat wie sie singt, dann war sie extrem heiss!

7. „Answer to mother Popcorn“, Vicky Anderson

Ich habe Vicky nicht gewählt, nur weil James Brown von sich aus gesagt hat, dass sie die beste Sängerin war, die er jemals hatte. Nein, nein...und obwohl sie auch „the message from the soul sister“ aufgenommen hat, was bestens in unsere FUNKSOULSISTERS Rebeat-Special hinein passen würde, habe ich mich bei dieser Preview Playlist für „Answer...“ entschieden. Do you want to know the answer? Die gibt es diesen Freitag bei der Rebeat.

8. „I got what you want“, Marie Jane Hoper

Für alle diejenige, die nach den echten Ursprüngen von „drum’n’bass“ jagen, Mary Jane wird Euch überglücklich machen. Gefährlich rasender Funk. Sternstunde für erfahrene Funkcats-dancers.

9. „I’m a Good Woman“, Barbara Lynn

Kann man diese Single überhaupt in Worte fassen? Ich versuche es:

Im gospelartigen Stil erzählt die deutlich angeschlagene Barbara, was sie schon lange ahnt: Ihr Mann betrügt sie. Sie hat keine Zweifel mehr daran. Die Band ballert das Break rein und siehe da: Barbara ist eine komplett andere Frau geworden, voller Kraft und Stolz gibt Sie ihm den letzten Befehl: „I’m a good woman, so don’t treat me like dirt!!!“. Sie beschliesst gleichzeitig ihn zu verlassen: „...I will move, away from you...“. Warm, kraftvoll, wunderbar frisch aufgenommen und vor allem herzergreifend, hinterlässt diese Single Spuren bei jedem sensiblen Menschen.

PS: bei der Rebeat hört ihr die Single Version ohne Bläser. Dieser Take ist aber viel intimer, ungeschminkt und ganz ohne Hall.

10. „Sneakin’up on you“, Elaine Delmar

Perfektes Werk, um diese Liste zu beenden. Dabei aber kein einfaches Stück zum Auflegen, deshalb ist es eher aussergewöhnlich diese Perle in Form von Single zu Gehör zu bekommen. Man muss schon den richtigen Moment erwischen, damit „Sneakin’up on you“ ihre Wirkung in vollen Zügen entwickeln kann. Kein straight Funk-Tune hier, aber dafür mit 100 Tonnen „funkiness“geladen. Leider kann man heutzutage solch ein Musizieren nicht mal ansatzweise live erleben. Eine Aufnahme wo „sexyness“ mit absolut höchsten musikalischen Ansprüchen miteinander verschweisst worden sind. Edelste Big Band und eine Stimme, die einen nicht mehr los lässt.

Mehr dazu:

Was: Rebeat Funk Night
Wann: Samstag, 17.02.07, 22 Uhr
Wo: Ruefetto

Alle anderen Partys und Konzerte vom Wochenende gibt's wie immer bei http://fudder.de titel="">Wo rockt's.