Playlist Preview (147): Gabi & Klaus DJ-Team

fudder-Redaktion

Die Playlist-Preview: Wir befragen einen DJ nach den Songs, die er auf jeden Fall bei einer Veranstaltung auflegen wird. Auf welche Songs & Platten freut sich unser Playlist-DJ ganz besonders? Was verbindet er mit diesen Liedern? Dieses Mal mit dem Gabi & Klaus DJ-Team. Dahinter verbergen sind unsere fudder-Caro und Matze, sonst als Hank the DJ hinter den Plattentellern im El.Pi zu finden. Zusammen legen die beiden Samstagabend beim fudder PingPongClub in der Mensabar auf.



Und dann gibt's nicht nur an den PingPong-Platten PingPong, sondern auch hinter den Plattentellern. Denn Caro und Matze werden den Abend mit Song-PingPong verbringen: sie werden konsequent abwechselnd jeweils einen Song auflegen, und versuchen, aus ihren durchaus gegensätzlichen Musikvorlieben einen harmonischen, fetzigen Party- und PingPong-Soundtrack zwischen Punkklassikern, Partyknallern, schrägen Countrysongs und Indiehype zu mischen.


Diese Tracks haben Gabi & Klaus mit dabei:

01. Stiff Little Fingers - Alternative Ulster
Irische Musik ist ja gar nicht mein Fall, weder der Fiddelfolk-Krams noch Sinéad O’Connor oder etwa U2. Die "Stiff Little Fingers" 1977 in Belfast gegründet sind immerhin so irisch, dass sie ursprünglich nur Songs über Irland schreiben wollten. Nie wirklich erfolgreich aber wegweisend, erinnern wir uns an die Szene im Film High Fidelity: im Plattenladen hört Nerdverkäufer Dick die "Stiff Little Fingers". Ein Mädchen fragt ihn ob das die neue "Greenday" wäre. Es folgt ein lehrreicher Nerdvortrag für alle 90ies Kids und eine kleine Liebesgeschichte...[Klaus]
Anhören

02. We were promised Jetpacks - Ships with holes will sink
Im Gegensatz zu Klaus habe ich ja erschreckend lange Musik aus Irland geliebt, und unter anderem mehr als ein halbes dutzend U2-Konzerte besucht.  Ich wusste es nicht besser, damals, und während ZooTV war Bono noch nicht so schlimm peinlich wie heute und.... egal. Vorbei. Heute bevorzuge ich die Musik von Bands aus Schottland. "We were promised Jetpacks" kommen aus Glasgow, sind ein kleines bisschen Hype und gerade auch auf Deutschland-Tour. Das was diese jungen Herren machen ist zwar nicht wirklich neu, aber doch ziemlich bezaubernd, mit drängeligen Gesang und draufgehenden Drums. Und diesem herrlichen Akzent. Hach. [Gabi]
Anhören

03. Lars and The Hands of Light - Me Me Me
Im Gegensatz zu irischer Musik mag ich recht gerne Musik aus Dänemark. Heissester Shit vom nördlichen Nachbarn sind im Moment "Lars and The Hands of Light", deren Debut "The Looking Glass" in den nächsten Tagen beim dänischen Indielabel Crunchy Frog erscheint. Zuckersüssböser Indiepop wie ihn eben nur dänische Bands hinbekommen, dazu ein Knaller-Video. Eigenlich schon jetzt schade, in Deutschland wird das wieder keinen Durchbruch finden. Ich find's schön... [Klaus]
Anhören

04. The Rural Alberta Advantage - The Dethbridge in Lethbridge

Ich find so ziemlich jedes Album schön, das von Saddle Creek Records in Omaha, Nebraska, veröffentlicht wird. Das ist seit Jahren so, und hat sich auch nicht dadurch geändert, dass das Label mittlerweile nicht mehr nur Bands aus Omaha sondern zum Beispiel auch "The Rural Alberta Advantage" aus Toronto (wie meine Lieblingsband Metric!) veröffentlicht. The RAA mögen ihre Drums extrem vorne gemischt, und das mag ich auch. Außerdem johlen sie sehnsüchtig, und das mag ich extrem doll gerne. [Gabi]
Anhören

05. Black Flag - Louie Louie
Im Original ein Song aus dem Jahr 1955, von Richard Berry der unter anderem ebenfalls für "Have Love, Will Travel" und ähnliche R&B-Knaller verantwortlich ist. Wie damals leider üblich, besonders bei schwarzen Künstlern, hat er die Rechte am Song billig verkauft. Unmengen von Coverversionen sind auf dem Markt, louielouie.net spricht von weit über 1000 Versionen! Die bekannteste ist wohl die der "Kingsmen" aus den 60er Jahren. Zeitweise war der Song in Teilen der USA verboten, das FBI hat ob der Obszönität des Songs ermittelt. Die Version von Black Flag ist kurz und schmutzig, wie sich das gehört... [Klaus]
Anhören





06. Julian Plenti - Games for days

Julian Plenti heißt eigentlich Paul Banks, und ist im Brotberuf der Sänger einer kleinen Band aus Brooklyn, deren Mitglieder angestrengte Haarschnitte und glänzende, schwarze Anzüge tragen, und Songs voller Deng-Deng-Dengs schreiben. Interpol heißt diese Band, unbedingt mal anhören. Wenn er ohne seine Interpol-Kollegen unterwegs ist, dann trägt Herr Plenti statt Anzug schon mal Karohemd und Fischermütze, aber packt trotzdem tonnenweise Deng-Deng-Dengs in seine Songs. Und er lädt Emily Haines in seine Video-Clips ein. What's not to love? [Gabi]
Anhören

07. Big Audio Dynamite - Much worse
Mick Jones, neben Joe Strummer Mastermind, Songwriter und Sänger von The Clash hat "Big Audio Dynamite" 1984 gegründet. "The Clash" haben ja schon viel mit Pop, Offbeat, Jazz, Discobeats und so Krams herumexperimentiert. Sowohl Joe Strummer als auch Mick Jones haben das nach ihrer Zeit mit "The Clash" weiterverfolgt. "Big Audio Dynamite" haben als schwarz-weiße Band eine wilde Mixtur aus Punk-Rock, Disco, HipHop, Reggae und Funk kreiert, der volles Rohr in die Beine geht ohne beliebig oder glatt zu sein. Für alle Indie-Nasen: Mick Jones hat Bands wie die "Libertines" und "Babyshambles" produziert. "Much Worse" ist die B-Seite der Erfolgssingle "Just play Music". [Klaus]
Anhören

08. Digital Leather - Time to pretend (MGMT Cover)
"Digital Leather" ist ein ganz fantastisches bizarres Musikprojekt von einem Typen aus Arizona, der Shawn Foree heisst.  Er selbst nennt seine Musik "New-Wave Nazi Fag Punk", und das ist eine ganz passende Beschreibung, wobei das "Nazi" natürlich in der Tradition von "Throbbing Gristle" und Co. als Provokation verstanden werden sollte. Seine Synthesizer dröhnen unerträglich, seine Stimme ist nix besonderes, aber, omg!, diese Attitüde! Diese schlechten Witze! Toll! Aus dem schillernden "Time to pretend" hat er einen unmotivierten Depri-Song gemacht, und das finde ich super. Shawn Foree wurde übrigens von Jay Reatard gemanagt (dass die Guten auch immer so früh sterben müssen) und der hätte es bestimmt gerne, wenn man anstatt eine Schweigeminute zu halten, die 4:20 Minuten dieses Songs an ihn denken würde. [Gabi]
Anhören

09. Die Goldenen Zitronen - Positionen

Ich mochte die "Goldenen Zitronen" schon immer gerne, irgendwie sind sie mir immer einen Schritt vorraus was das Ertragen von Ton und Text angeht. Als kleiner Kinderpunker mochte ich natürlich die Hymne "Für immer Punk" oder den Kracher "Man kann auch ohne Beine Sportschau sehen". Als ich mich noch keinen Zentimeter für 60ies Garage interessieren konnte, haben die Typen mit Wild Billy Childish gearbeitet und auf irgendeinem Zitronenkonzert so Mitte der 90er fingen sie plötzlich an mir mit mit Elekronika, Hiphop, Noise und Jazz auf den Zeiger zu gehen. Sie sind aber immer die aufmüpfigen Zitronen geblieben und definieren auf konsequente Art denPunk. Dafür liebe ich sie, und damit das so bleibt, ignoriere ich Artikel im Feuilleton, und Konzerte in unpassenden Etablissements meide ich. Ich war im Ratinger Hof in Düsseldorf und habe mich von Ted Geier mit Sachen beschmeissen lassen und mit Bier gespuckt. [Klaus]
Anhören

10. Tocotronic - Macht es nicht selbst

Die Feuilleton-Artikel über das neue Tocotronic-Album finde ich ziemlich albern.  Das Album, indes, selbst finde ich nach ein paar Mal hören überraschend gut. Songs, die klar Position Pro-Zweifel und Pro-Selbsbefriedigung beziehen! Yay! Außerdem kommt eine Freundin zum Ping-Pong-Club angereist, die absolutes Dirk von Lotzow-Fangirl ist. Deswegen muss dieser Song sein. Und vielleicht lege ich auch noch "Bitte oszillieren sie" auf. [Gabi]
Anhören



Was: fudder PingPongClub
Wann: Samstag, 30. Januar 2010, 22 Uhr
Wo: Mensabar Rempartstraße


Mehr dazu:

  • fudder-Gruppe: