Playlist Preview (128): Torpedo Tom

Marc Schätzle

Die Playlist-Preview: Wir befragen einen DJ nach den Tracks, die er auf jeden Fall bei einer Veranstaltung auflegen wird. Auf welche Platten und Tracks freut sich unser Playlist-DJ ganz besonders? Was verbindet er mit diesen Liedern? Dieses Mal: Torpedo Tom. Er spielt heute abend im Räng Teng Teng beim Beatsalon.



Was aus den Sechzigern beim SWR1 auf der Strecke bleibt und auf Best-Of-Samplern aus der TV-Werbung nicht erscheint, darum kümmert sich der Beatsalon.


Zu hören gibt's (Mod-)Beat, Northern Soul, Garage, Fratrock, Freakbeat, Acid Punk, New Orleans Funk und ein bissel Rock'n'Roll von Künstlern, die damals oft nur mäßigen Erfolg hatten, in den Irrungen des Musikbusiness untergingen und oft Jahrzehnte erst von Sammlern und Nerds wiederentdeckt wurden.
Alles auf Vinyl versteht sich. An den Plattentellern residieren Giuli Casino, Carla Commodore und Torpedo Tom (Bild).

Manche Tracks hab ich trotz intensiver Suche leider nicht gefunden, wer bessere Augen hat --> ab  in die Kommentare.

Diesen Tracks hat Tom mit  dabei:

01. Irma Thomas - I did my part
"You walked away and left me out in the cold After I was so good to you, ah you were so bold But I won't cry I won't shed a tear I did my part When you were here."
Der schönste und abgeklärteste Song über das Verlassen werden, den ich kenne. Gesungen von der größten New Orleans Funk & Soul Lady, Irma Thomas und dazu noch mit Doo Wop Chören und einem unwiderstehlichen Beat ausgestattet. Wenn Blues, dann mit Beat. Ich gehe nirgends hin ohne diese Single.
Anhören

02. Camille 'Lil' Bob - Stop!
Herzschmerz Dramatik Galore mit einem funky Beat gesungen von einem völlig unbekannten Goldkehlchen aus Louisiana. Und wenn er sich dann in die Kopfstimme überschlägt ("one more kiss and you're driiiiiiiiiiiiiiiive me crazy") gibt's Gänsehaut pur. Die Single steht bei ebay für $ 150, da werde ich mich mit der Samplerversion begnügen müssen.

03. The Remains - Don't look back
Die Band die bei der letzten Beatles US Tournee eröffnete und locker mit denen mithalten konnte. Den Durchbruch schafften sie damals nicht, aber Jahrzehnte später wurde ihre Demoaufnahme für Capitol Records auf Platte gepresst und gilt heute als must-have der Beatszene. Auf youtube gibt's ein schickes Video aus der Jetztzeit in dem ein Schwede in irgendeinem Park Stockholms zu diesem Song tanzt.
Anhören

04. Georgie Fame - Telegram
Blue-eyed Soul heißt der Fachbegriff mit denen Weißärsche benannt werden, die unabhängig von ihrer Hautfarbe verdammt viel Soul haben.
Georgie Fame hat Soul, Blues und Jazz gleichzeitig und seine smarten Performances der Mitt- bis Spätsechziger zählen zum absoluten Pflichtprogramm eines 60s DJ's.

05. The Mickey Finn - Garden Of My Mind
Der Song klingt nach einem "Purple Haze" Rip-off und die Experten streiten sich welcher zuerst da war. Unbestreitbar aber spielt Jimmy Page, der viele Jahre vor Led Zep bereits ein gefragter Studiogitarrist war, die Gitarre. Und das macht den Song zu einem Freakbeat Kracher der garagigen Sorte.
Anhören

06. The Hipster Image - Make Her Mine
Nur vier Songs bestehen von dieser damals in London angesagten Modbeat Formation. Der Durchbruch gelang ihnen jedoch nicht. Make Her Mine ist leichtfüßiger 60s Beat mit Jazz und etwas Latin Feeling und ein klarer Floorfiller. Damals zu Unrecht in der Versenkung verschwunden, aber dafür sind wir ja da!
Anhören

07. Robb And Dean Douglas - Phone Me
Weiße machen schwarze Musik nach und machen dabei den besseren Schnitt, das war ein gängiges Muster in den 60ern. Aber oft entstand auch ein ganz eigener Sound dadurch. Phone Me ist so ein Beispiel. Die Original Single dieses UK Modsoulschnittchens von 1967 ist unbezahlbar - für mich tut's das Re-Release.
Anhören

08. Little Willie John - I'm Shakin
Nicht genug, dass er mit dem Original von "Fever" der Welt einen Klassiker hinterlassen hat. I'm Shakin - mit dem coolen Stolperbeat - setzt noch einen drauf. Reich geworden ist er mit beiden Songs nicht.
Anhören

09. Joe Williams - Some 'a dis 'n some 'a dat
Ein Jazzer auf R'n'B Pfaden. Der Text besteht aus Tanzanleitungen. Der Song ist aber bereits eine, auch wenn man keine Silbe vom Text versteht.

10. Lisa Bauer - Song vom Hilfsarbeiter
"Er hieß Froanz und woar a Straßenkehra" so beginnt das, was sich schnell als bayerische Coverversion von "Son of a preacherman" entpuppt.
Allerdings textlich völlig anderem Inhalt. Im Verlauf des Songs lässt Frau Bauer eine Schimpftirade über diesen Franz niederprasseln, der ihr ein Kind angehängt und sich vom Acker gemacht hat, dass es nur so funkt.
Ein Prachtstück, gefunden auf einer sonst eher mittelmäßigen Kabarettscheibe von 1969. Ob das die frühe Lisa Fitz ist? Sachdienliche Hinweise bitte an diese Adresse!
Anhören
 

Mehr dazu:

Was: Beatsalon
Wann: Freitag, 4. September 2009, 22 Uhr
Wo: The Great Räng Teng Teng
Eintritt: €4

Noch mehr Termine:

Alle Termine zum Wochenende findet ihr in unserem fudder-Partyplaner "Wo rockt's?". Termine unter der Woche findet ihr unter der Rubrik Kalenderbeim Navigationspunkt "Freie Zeit". Viel Spaß beim Stöbern.