Platz nehmen, bitte! Studierende können neue UB-Stühle Probesitzen

Miriam Jaeneke

30 Jahre Massenbetrieb haben die Stühle der alten UB ausgehalten. Jetzt beginnt die Suche nach einem würdigen Nachfolgemodell. Seit Montag können Studierenden in der UB1 zehn Stuhlmodelle Probe sitzen, von denen vielleicht eines irgendwann in der neuen UB stehen könnte. Welcher Stuhl findet die Gunst der Studierenden? Mathematikstudentin Anja Müller hat für fudder probegesessen.



Am Montag hat eine große Testaktion für die Stühle des Lesesaal der noch ungebauten neuen UB begonnen. "Die Studierenden sollen die Stühle im wahrsten Sinne des Wortes besitzen und ihr Votum abgeben, wie sie in der neuen UB sitzen und arbeiten wollen“, erklärt Antje Kellersohn, Direktorin der Universitätsbibliothek.

Mit der Aktion wird die in diesem Jahr anstehenden Möbelausschreibung vorbereitet. Allerdings ist vom rechtlichen Prozedere her eine europaweite Ausschreibung vorgesehen, daher schränkt Kellersohn ein: "Wir können jetzt noch nicht einen Stuhl der Firma X auswählen. Jetzt wollen wir zunächst einmal die Qualitäts- und Funktionsmerkmale für die Ausschreibung bestimmen, damit wir überhaupt nur bestgeeignete Stühle angeboten bekommen.“

Und so buhlen im Zeitungslesebereich der UB1 zwölf Stühle acht "namhafter Markenhersteller“, wie Kellersohn versichert, mit Nummern an der Lehne um die Gunst der Studierenden - in unserem Fall um ein positives Urteil von Anja Müller (27, Bild links).

Bunt zusammengewürfelt ist die Truppe der Stuhlneulinge, die sich da mitten unter die altbewährten Kollegen gemischt haben: Grün, weiß, grau, schwarz oder holzfarben sind sie und bestehen aus Holz, Plastik oder Nylon. Die Schalenvarianten warten mit Beinen aus Chrom auf. Irgendwie modern sehen sie alle aus – alle bis auf einen: Anjas Probesitzung beginnt auf dem altgedienten Klassiker der alten UB (Bild unten), der in den Lesesälen der UB1 steht.

Da der Stuhl sich bewährt hat und nach wie vor produziert wird, wurde auch er in die Kandidatenriege aufgenommen – allerdings in der armlehnenlosen Variante, was Anja enttäuscht: "Die Stühle mit Lehnen sind besser. Wenn ich hier bin, suche ich mir immer einen Stuhl mit Lehne, das ist einfach bequemer." Da die lehnenlose Version jedoch stapelbar und damit praktischer ist, wurde ihr der Vorzug gegeben – auf den Komfort einer Armlehne müsszen die Bibliotheksbesucher in der neuen UB verzichten. "Die Sitzfläche ist sehr breit, das ist gut, aber zu lang" - dadurch fällt Anja das aufrechte Sitzen schwer. Punkten kann der Langgediente bei Anja jedoch durch seine Holzsitzfläche.



Aus den Fächern an der Wand holt sie einen Zettel, um ihre Einschätzungen zu notieren: "Sitzkomfort", "Arbeitshaltung", "Optik", "Material" und "Stabilität" können mit Minus, Null oder Plus bewertet werden.  Das Bewertungskriterium „Arbeitshaltung“ ist Anja besonders wichtig: "Ich bin immer sehr lang hier in der UB, da ist eine gute Sitzhaltung wichtig. Ich habe nämlich Rückenprobleme wie viele Studenten, die hier den ganzen Tag sitzen."

Genau ist sie bei der Bewertung der Materialien, deshalb begutachtet sie die weiteren Kandidaten kritisch: Die Plastik- oder Nylonexemplare sind bei ihr sofort durchgefallen, und so dauert der Sitztest bei den meisten Stühlen nur wenige Sekunden, gleich darauf kommt ihr vernichtendes „Nein!“. Bei vielen Modellen ist ihr die Lehne auch zu niedrig. Anjas Urteil: Unbequem, weil man sich nicht dauerhaft anlehnen kann.



Zwei weitere Kandidaten aus Holz nimmt sie genauer unter die Lupe: Die Nummer 10 findet sie "sehr stabil. Aber man sitzt wie in einer Kuhle. Das Obermaterial ist sehr hart, und die Lehne gibt überhaupt nicht nach, ich kann mir vorstellen, dass das richtig wehtut, wenn man acht Stunden draufsitzt." Sie überlegt noch eine Weile, dann schüttelt sie den Kopf.

Ein anderer Bewerber, die Nummer 3, findet Anklang: "Hier sitzt man gerade, der Stuhl wäre eine Verbesserung im Vergleich zu den alten", sagt sie und tauscht ihren "alten" kurzerhand gegen die 3 aus. "Das ist mein Favorit. Er ist zwar noch nicht das Optimale, aber die anderen kamen beim ersten Sitzen sofort nicht in Frage." Nachdem sie die Bewertung ihres Lieblings in den Postkasten geworfen hat, macht Anja sich wieder über ihre Matheformeln her - und spürt ihren Rücken mit etwas Glück heute Abend weniger als sonst.



Ungefähr 40 Bewertungszettel haben Studierende gleich am ersten Tag eingeworfen. Antje Kellersohn hofft, dass die Beteiligung rege bleibt. "Wenn uns möglichst viele Leute sagen, auf einem solchen Stuhl können wir gut sitzen, dann können wir das Risiko deutlich minimieren, am Ende eine Kröte zu erwischen", sagt sie. Martina Straub, Abteilungsleiterin und für die Lesesäle zuständig, ergänzt: "Es wäre schön, wenn sich möglichst viele beteiligen, damit wir ein repräsentatives Bild bekommen. Denn die Geschmäcker sind ja doch verschieden."

Wer auf dem Zettel zudem seine E-Mail-Adresse hinterlässt, nimmt zusätzlich an der Verlosung einer Tasche teil. Da sie durchsichtig ist, darf sie auch in die Lesesäle der UB 1 mitgenommen werden, wo ansonsten ein generelles Taschenverbot herrscht.  

Mehr dazu: