Planspiel am Samstag im Theater: 5 Antworten von Anja Kurz

Miriam Jaeneke

"Wie geht Veränderung?" Diese Frage stellt das Theater Freiburg am kommenden Wochende. Neben den Stücken "Die Grünen - Eine Erfolgsgeschichte" und "Petra Kelly" stehen Workshops und Debatten auf dem Spielplan - und das Planspiel "Wer hier regiert - entscheiden WIR!" Konzipiert hat das die 25-jährige Politikstudentin Anja Kurz.



Anka, wie funktioniert Dein Planspiel?

Anja Kurz: Die Situation nach der Bundestagswahl 2013 soll nachgestellt werden unter der Annahme, dass dann zusammen mit den Piraten sechs Parteien im Parlament vertreten sein werden. Die Teilnehmer sollen spielerisch herausfinden, wie eine Regierungskonstellation aussehen könnte. Jeder wird eine Rolle bekommen, entweder als Mitglied in einer der Parteien oder Lobbygruppen oder als Pressevertreter.

Am Anfang wird ein fiktives Wahlergebnis präsentiert, auf dieser Basis sollen die Teilnehmer Koalitionsverhandlungen führen. Damit sie eine inhaltliche Grundlage haben, bekommt jeder eine Mappe mit verschiedenen Unterlagen, die die Wahlprogramme der Parteien enthalten und eine Beschreibung der eigenen Rolle. Davon ausgehend sollen sie sich überlegen, wie sie mit den anderen Parteien Kompromisse finden können und sich am Ende entscheiden, welche Regierung sie bilden wollen. Das Ergebnis ist, dass sie sich auf eine Regierungskonstellation einigen und auch ein Regierungsprogramm präsentieren.

Das Wochenende im Theater steht unter dem Motto „(Wie) geht Veränderung?“ Was für einen Beitrag leistet das Planspiel dazu?


Es geht um die Frage, was passiert, wenn der Wähler die Politiker zur Veränderung zwingt, zum Beispiel durch die Wahl der Piraten. Wie kann man als Partei damit umgehen, als dann stark zusammengewürfelter Bundestag? Was für neue Elemente würden die Piraten einbringen, wenn sie mit im Bundestag wären? Verkörpern sie einen anderen Politikstil, den man dann gezwungen wäre umzusetzen? Haben sie auch neue Inhalte oder Ideen, die dann thematisiert werden?

Allein die Tatsache, dass sie momentan so stark sind, regt die anderen Parteien dazu an, sich selbst auch zu verändern. Das habe ich gemerkt, als ich die Wahlprogramme zusammengestellt habe: Alle Parteien haben inzwischen detaillierte Positionen zum Datenschutz und zur Netzpolitik auf ihren Internetseiten.

Wie kamst du darauf, das Planspiel zu entwickeln?

Ich habe an der Uni mal bei einem Planspiel mitgemacht und fand es superinteressant, was rauskommt, wenn man sich in eine Situation hineinversetzt und eine Rolle spielt. Die Leute argumentieren dann ganz anders. Das war eigentlich auch die Erfahrung, die ich mit meinem Planspiel bisher in den Schulen gemacht habe, dass es total gut funktioniert und die Schüler Meinungen, selbst wenn sie überhaupt nicht ihren eigenen entsprochen haben, überzeugend vertreten haben.

Mein Planspiel habe ich vor einem Jahr während eines Praktikums bei der Heinrich-Böll-Stiftung entwickelt und dafür die Wahlprogramme für die Landtagswahl und aktuelle Umfragewerte verwendet. Die Idee war, Schüler für die Wahl zu interessieren, sie auf die Wahl vorzubereiten und sie zu motivieren wählen zu gehen. Jetzt habe ich das Planspiel an die Bundestagswahl angepasst. Die Wahlprogramme für die Bundestagswahl gibt es ja noch nicht, aber ich habe die Positionen der Parteien zusammengestellt.

Am Samstag Nachmittag wird das Planspiel mit Gernot Erler, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion und Kerstin Andreae, Bundestagsabgeordnete für die Grünen, präsentiert. Was erwartet die Jugendlichen da?

Die Idee der Präsentation ist, zum einen die Ergebnisse vorzustellen und auf was man sich geeinigt hat. Zum anderen soll es eine Diskussion mit den zwei Abgeordneten geben, die darauf abzielt, diese Ergebnisse in die politische Realität einzuordnen. Die Politiker sollen kommentieren, ob sie der Meinung sind, dass das auch real passieren könnte, und wenn nicht, warum nicht. Und den Jugendlichen soll die Möglichkeit gegeben werden, Fragen, die während des Spiels aufgekommen sind, zu stellen. Zum Beispiel die Frage, wie Politiker eine Sache vielleicht in der Realität entscheiden würden.

Was bringt das Planspiel denen, die mitmachen?

Ich denke, dass es eine interessante Erfahrung sein kann, sich mal in die Rolle von Politikern reinzuversetzen, auch, weil man dann vielleicht besser versteht, warum sie manchmal Probleme haben, Kompromisse zu finden, es manchmal ewige Diskussionen gibt und es gar nicht so leicht ist, etwas umzusetzen. Man bekommt ein anderes Hintergrundwissen und kann besser beurteilen, ob der geschilderte Dissenz wirklich ein Problem ist oder nicht.

Gerade, was Koalitionskonstellationen angeht, lehnt man im Bund ja oft kategorisch ein Bündnis mit der Linkspartei ab. Und da ist es interessant sich anzuschauen, was wirklich die Unterschiede zwischen den Parteien sind und ob die Ablehnung tatsächlich programmatisch begründet ist oder nicht. Was ich eigentlich am meisten hoffe, ist, dass die Jugendlichen dabei auch Spaß haben und merken, dass Politik nicht total langweilig und trocken ist, sondern dass sie durchaus auch spannend sein kann.



Mehr dazu:

Was: Planspiel im Rahmen von "(Wie) geht Veränderung?" des Stadttheaters Freiburg
Wann:Samstag, 28. Januar ab 13 Uhr
Wo: Winterer-Foyer, Theater Freiburg
Eintritt: 12 Euro, 8 Euro (ermäßigt) - Aufgepasst: Es gibt nur noch Restkarten!
    [Bild 1: dpa; Bild 2: PR/Theater Freiburg]