Pixar, erlöse uns

Roger Graf

Wenn am 7. September der neue Pixar Film "Cars" in die Kinos braust, hoffe ich wieder einmal auf ein Zeichen für die Animationsindustrie. Denn Pixars Filme waren für mich bisher stets Meilensteine. Mit jedem ihrer Werke konnten sie den Erfolg ihres Vorgängers toppen. Und sie setzten stets neue Maßstäbe. Maßstäbe, die zur Zeit nötiger denn je sind.

Als Pixar 1995 mit ihrer "Toy Story" den ersten abendfüllenden, rein am Computer entstandenen Kinofilm brachten, war die animierte Welt noch beherrscht durch Disneys Zeichentrickfilme. Und Disneys Zenith war zu diesem Zeitpunkt gerade erreicht. "Der König der Löwen" war ein sensationeller Erfolg gewesen und niemand zweifelte daran, dass es in diesem Stil weiter gehen würde. Deshalb rechnete man Pixar und diesen kalten, leblosen Computerfiguren auch keine großen Chancen aus. Aber man hatte sich verrechnet.Während die Computertechnologie mit jedem Jahr und jedem Film besser wurde, schaffte es Disney nicht mehr an des Königs Erfolg anzuknüpfen. Von Hand gezeichnete Filme schienen bald vom Aussterben bedroht zu sein. Mit jedem neuen Versuch Disneys wurde deutlicher, dass es ein Umdenken geben musste, dass man nicht länger Filme nach dem immer gleichen Konzept produzieren konnte. Das Publikum wollte offenbar keine Märchen mehr sehen, mit knuddeligen Tierchen, mit bösen Bösewichten, mit mehr oder weniger guten Musical-Einlagen. Der typische Disney Film ging wie die Samstagabendshows den Bach runter.

Pixars Filme hingegen bestachen nicht nur durch die neue Technik. Natürlich sah das alles faszinierend aus. Aber man hatte von Anfang an das Gefühl, dass hier Menschen mit Liebe an einem Projekt arbeiteten. Dass man bei Pixar mehr Wert auf Story, Dialoge, Charaktere und Details legte als bei der Disney Maschine (ich möchte an der Stelle nicht darauf eingehen, dass Disney Pixars Filme veröffentlichte und über deren Erfolg gar nicht so glücklich war).Filme wie das bezaubernde "Das große Krabbeln", das herzliche "Toy Story 2", das schlicht geniale "Die Unglaublichen" und nicht zuletzt der Megaerfolg "Findet Nemo" zeigten liebenswürdige, unglaublich witzige und interessante Geschichten, mit Figuren, die menschlicher (selbst die Tiere) waren, als alles bisher gezeichnete (oder berechnete ? was man im Falle Disney doppeldeutig sehen kann). Bald schon kam die Industrie auf den Trichter, es Pixar gleich zu tun. "Shrek" bestach durch dermaßen viel bissigen Humor, wie ich ihn lange nicht gesehen hatte. "Ice Age" brachte uns eine einfache Story so herzenswarm rüber, dass man gar nicht anders konnte, als diesen Film zu lieben. Hatten gerade Dreamworks und Fox solange versucht am Thron von Disney zu sägen und ihren Platz streitig zu machen, versuchten sie nun einfach den Weg durch das Hintertürchen.Pixar war zu diesem Zeitpunkt wegweisend gewesen und hatte eine neue Generation von Animationsfilmen geschaffen.

Doch wie in jeder Industrie geht es auch in Hollywood nur ums Geld. Auf einen Erfolg musste ein weiterer Erfolg erscheinen ? um jeden Preis. Zuerst konnte man noch auf die gute Basis bauen und verfuhr einfach nach dem üblichen Schema, Fortsetzungen zu produzieren, die mehr Action, mehr Witz, mehr alles boten. Aber leider immer mit etwas weniger Geschichte und Wärme. Während beispielsweise "Shrek 2" gerade noch daran vorbei schrammte, eine typische seelenlose Fortsetzung zu werden, wurde "Ice Age 2" zu einer sinnlosen Aneinanderreihung von Slpastickeinlagen. Eine gute, packende Geschichte war nicht zu erkennen, die Figuren gingen einem nicht mehr so ans Herz wie im ersten Teil. Aber dafür sah es grafisch besser aus, es gab mehr Action und, eben, mehr Quatsch und Klamauk. Dem Erfolg schadete das natürlich nicht.

Und so kamen weitere CGI-Komödien in die Kinos, die banale Figuren in lustigen Situationen zeigten. "Himmel und Huhn" ist so ein Beispiel. "Kleine Haie ? große Fische" (oder anders rum) ein weiteres. Und "Madagscar" verkam nur noch zum Kinderfilm. Dreist auch, wie Disney dieses Konzept mit "Tierisch Wild" auch noch klaute und wieder verrückte Tiere zeigte, die aus dem Zoo ausbrechen. (Hallo? Disney, habt ihr es immer noch nicht kapiert?). Quatschende Tiere überall, die aussehen wie schönere Tom & Jerry Episoden (wann kommt dieser CGI-Film eigentlich?)Bitte Pixar, erlöst uns. Zeigt diesen Massenproduktionen (ja, auch ihr machte letztendlich die Filme um Geld zu verdienen, ich weiß), wie man eine Geschichte so ins Kino zaubert, dass der Zuschauer sich wünscht, sie würde nicht enden. Ich hoffe mit "Cars" auf einen weiteren Meilenstein und auf eine weitere Messlatte für all die kommenden CGI-Filme. So wie damals, 1995.Ach übrigens, in diesem Jahr werden über zwei Dutzend Animationsfilme gezeigt und das nächste Jahr verspricht noch mehr zu bieten. Möge die Qualität der Quantität voraus sein.