Pink auf Rothaus

David Weigend

Willkommen in der Arena auf Rothaus. Nur 4500 Menschen wollten gestern abend sehen, wie die amerikanische Sängerin Pink unter dem aufmunternden Motto “Ich bin nicht tot” die offizielle Konzertära der Neuen Messe einläutete.



Was die Zuschauerzahlen anbelangt, war es ein erstaunlich mauer Auftakt für Freiburgs größte Konzerthalle. “Wir haben von Anfang an mit der kleinen Variante gerechnet”, so eine Mitarbeiterin von Koko Entertainment, dem lokalen Veranstalter. Dies bedeutet, dass man die 9000 Zuschauer fassende Arena mit einem Vorhang in der Mitte trennte. Die so entstehende “kleine Variante” birgt Platz für etwa 5000 Zuschauer. Sie waren bereit, für ein Ticket 40 Euro zu bezahlen. Dieser Preis ist für eine Veranstaltung dieser Größenordnung inzwischen leider normal. Dass selbst ein Popstar wie Pink die Rothausbuddel nur halb vollmacht, ist kein gutes Vorzeichen für die Veranstalter an der neuen Messe.

Immerhin, Pink hat gerockt. Um kurz nach 21 Uhr beginnt sie ihre gut 90 minütige Show, die als akrobatische Nummernrevue mit unzähligen, teils nervigen Kostümwechseln konzipiert ist. Militärästhetik, Moulin Rouge-Laszivität, Trashpunk ? die 27jährige Alicia Moore spielt mit Bildern und Identitäten. Pink trippelt ungeduldig mit ihren Kampfstiefeln auf der Stelle, eine Art Aufs-Klo-Muss-Geste, dann explodiert ihre Stimme. Vielleicht ist das der pinkste Pinkaugenblick des Konzerts. Hier singt die Ausreißerin, die Tankstellenjobberin, die bisexuelle Prügelschwester.

Das Seltsame: Man kauft der Frau ihre vogelwilde Revoluzzerbiographie glattweg ab, wenn sie so hypermotorisch über die Bühne wirbelt. Das Auditorium hört ihre vier Alben quergeschnitten, der Schwerpunkt der Songauswahl liegt bei der aktuellen CD “I’m not dead”. Darauf findet sich bräsiger R n’ B (“Stupid Girls”), hauptsächlich jedoch gefälliger Radioregenbogenrock fürs Auto und daheim (“Who knew”). Leider enthält das Album mit “Dear Mister President” auch die unvermeidliche Bushschelte, deren Umsetzung auf der Bühne durch furchtbar schmierigen Pathos glänzt.

Offenbar ist es nach Anastacia, James Blunt und Konsorten nicht mehr möglich, ein größeres Hallenkonzert ohne Videosequenzen leidender Kinder zu bestreiten. Blunt nimmt den Kosovo, Pink den Irak, der Tränendrüsendruck dauert jeweils fünf Minuten. Dann geht’s munter weiter im Peepshow-Outfit, das im Fall von “Stupid Girls” wiederum als Dummchensatire auf Hilton, Simpson und Spears zu verstehen ist. Dass Pink sich mit ihrem ständigen Garderobenzinnober selbst in die Ecke des selbstverliebten Glamourgirls stellt, scheint sie weniger zu stören.

Immerhin, der Ausdruck “Hummeln im Hintern” ist bei Pink noch untertrieben. Moore dürfte ihre Figur mit brutalen Pilatesübungen in Form halten, anders ist das Fitnesslevel, das ihre Schwindel erregenden Turnübungen verlangen, nicht zu erklären. Zum großen Finale mit Konfettikanone (“Get the Party started”) wirbelt Pink an einem Band hängend um ihre eigene Achse. Das hat Zirkusqualität. Die sechsköpfige Band erledigt ihren Job solide, bekommt beim Janis Joplin-mäßigen A-Capella-Set eine Auszeit und meldet sich erst wieder zum Schunkelcover von “What’s Up” (4 Non Blondes).

Pink verzichtet auf weitere Anbiederungen beim Publikum und überzeugt durch stimmgewaltige Fightermentalität. Die tätowierte Feministin, bei der Geburt getrennt von Roxette-Frontfrau Marie Fredriksson, greift nur einmal in die dramaturgische Notapotheke, nämlich als sie plötzlich mit einem PS-starken Motorrad auf der Bühne steht. Solche Sperenzchen brachten bisher eigentlich nur Judas Priest und Manowar und Pink ist die letzte, die so was nötig hat. Sie hätte den ganzen Gig auch im Schlafanzug bestreiten können. An ihrem Status als Ausnahmekünstlerin hätte das nichts geändert. 

Gerne hätte wir Euch eine richtige Foto-Galerie geboten. Pinks deutsche Konzertagentur Peter Rieger untersagte es Koko Entertainment, uns den zugesagten Fotopass auszustellen. Begründung: Fudder sei ja nur ein Online-Medium. Und online, da passierten ja lauter schlimme Dinge. Online veröffentlichte Bilder würden kopiert und einfach so weiterverbreitet. Aha. Danke, Peter Rieger!

Galerie:
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