Ping Pong-Partys: In Freiburg rafft’s noch keener"

Eva Hartmann

Ping Pong-Rundlauf: Ein Spiel, das einen an durchspielte Schulpausen und lang vergangene Landschulheim-Aufenthalte erinnert. Vergangenen Samstag fand zum zweiten Mal eine Ping Pong-Party in der Mensabar statt. fudder-Autorin Eva war dabei und hat sich von Party-Organisator Felix Undeutsch erklären lassen, warum die gleiche Veranstaltung unter dem Namen 'Massenchinesisch' in Dresden ein richtiger Brenner ist.



Der Banner am Eingang der Mensabar zeigt zwei Tischtennisplatten und einen von Ping Pong-Bällen überhäuften, lachenden Chinesen. Durch den Vorhang dringen bunte Lichtfetzen und tiefe Bässe nach draußen. Drinnen sind zwei Tischtennisplatten aufgebaut und Musik mischt sich mit dem unruhigen Klackern von Tischtennisbällen und dem Geräusch von Turnschuhe auf Steinboden: Ein Szenario, das einem zwar aus weit zurückliegenden Schultagen seltsam bekannt vorkommt, im Rahmen eines Samstag-Abend-Events aber doch befremdlich erscheint: Willkommen auf der zweiten Freiburger Ping Pong-Party. Der Veranstalter der des heutigen Abends heißt Felix Undeutsch, ist 22 Jahre alt und hat in Freiburg Internationales Kulturmanagement studiert. Ursprünglich kommt er aber, darauf legt er Wert, aus Dresden.Während sich drinnen die ersten Partygäste an den Tischtennisplatten warm spielen, lehnt er am Eingang lässig neben seiner hübschen Kassendame an einem Stehtisch und erläutert in äußerst sympathischen Sächsisch die Idee hinter der PingPong-Party: „Ich war einfach genervt von der Passivität, die auf Parties allgemein vorherrscht. Deshalb wollte ich eine andere Form der Party entwickeln – eine, wo die Gäste aktiv ins Geschehen eingreifen können.“




Was sich im Internet geprägt durch den Begriff Web 2.0 immer mehr durchzusetzen scheint - nämlich die aktive Integration des Konsumenten in das Produkt und dessen Entstehung - diente Felix als Inspiration für seine Veranstaltungen: Das Konzept der PingPong-Parties steht und fällt also mit dem aktiven ausgelebten Spieltrieb der Gäste.
Aber warum ausgerechnet Ping Pong? „Nu weil’s eenfach rockt!“, stellt Felix unmissverständlich klar.

Als Zielgruppe hat er vor allem Studenten ins Auge gefasst: Die Spielparties finden grundsätzlich immer in einer Mensa statt, 'Pussies', damit sind synonym wohl lifestyle-orientierte Partygänger gemeint, sind eher unerwünscht. Das haben die Pussies offenkundig auch verstanden und sich für heute Abend andere Orte zum Feiern gesucht.

Dementsprechend besteht das Publikum der Ping Pong-Party tatsächlich zur Gänze aus ganz gewöhnlich gekleideten und angenehm unaufgehübschten Jungs und Mädels. Allesamt scheinen die jedenfalls mächtig Spaß zu haben heute Abend.



Unter ihnen befinden sich auch Yvonne und Ashley, zwei Freundinnen Anfang 20, die in einer kurzen Spielpause erzählen, weshalb sie heute Abend hier hergekommen sind. „Ich fand die Idee einfach lustig, und es macht richtig Spaß“, berichtet Yvonne. „Außerdem ist hier eine entspannte, gemütliche Atmosphäre“, ergänzt Ashley. Dann rücken die beiden noch schnell für ein Foto zusammen – und springen gleich im nächsten Moment auch schon wieder freudig lachend zu einer weiteren Runde an die Tischtennisplatte.

Macht Rundlauf glücklich? Zeigt der Banner zur Party deshalb einen lachenden Chinesen? Felix grinst. „In Freiburg geht’s ni, da rafft das keener“ – zuhause in Dresden heißt Rundlauf Chinesisch, aber hier bringt niemand den Chinesen auf dem Banner mit Tischtennis-Rundlauf in Verbindung.

„Für Freiburg muss ich mir noch eine ganz andere Marketing-Strategie überlegen“, frotzelt Felix.

In Dresden sind seine Parties als Massenchinesisch bekannt und stets ein voller Erfolg: Seit fast einem Jahr finden diese Events dort regelmäßig alle zwei Monate statt. Bis zu 300 Leute tummeln sich dann an 5 Tischtennisplatten, es entstehen Runden mit 30 oder mehr Teilnehmern; gespielt wird nicht selten bis in die frühen Morgenstunden. In Freiburg dagegen will die Party einfach nicht so recht in Gang kommen, die Teilnehmerzahl bleibt überschaubar. Während Rundlauf andernorts scheinbar ein regelrechtes Massenphänomen darstellt, scheint der Spaßsport unter hiesigen Studenten keine besonders große Lobby zu haben, ist irgendwo zwischen Grundschule und Schullandheim auf der Strecke geblieben und eingestaubt.



Für Felix ist das völlig unverständlich: Der selbe gelbe Banner, der in Dresden innerhalb weniger Tage Hunderte Studenten für die bevorstehende Ping Pong-Party mobilisiere, habe nun seit über einer Woche am Eingang der Freiburger Mensa gehangen. Und obwohl ihn täglich um die 6000 Studenten auf dem Weg zum Mittagessen passierten, habe sich offensichtlich nur ein verschwindend geringer Teil von ihm angesprochen gefühlt.

Schade eigentlich, wo PingPong doch so „viehsch geil“ sei.

Die verhältnismäßig wenigen, die heute Abend hier eingetrudelt sind, kommen augenscheinlich jedenfalls voll auf ihre Kosten: Ehrgeizig hechten sie hinter kleinen weißen Bällen her, und diejenigen, die schon ausgeschieden sind, tanzen wild gestikulierend gemeinsam mit den beiden gut gelaunten DJs zu Funk und Oldschool aus den 80er- und 90er-Jahren.. Auch Ulrich Stelter, Kulturreferent des Studentenwerks Freiburg, ist mit von der Partie und bestreitet engagiert die ein oder andere Runde.



Meine Frage, ob Felix irgendwann auf seinen Parties auch einmal Rundlauf-Turniere veranstalten wird, verneint er: „Chinesisch ist gemeinsam rundlaufen zu vielt, dabei geht es aber nicht nur um das Spiel an sich“. Turnierspiele widersprächen dem Geist der Parties. Das Spiel stelle zwar den Mittelpunkt der Party dar, aber der tiefere Sinn dahinter liege eigentlich im Zusammensein. Diese Ansicht teilt auch Partygast Theresa, die von zwei Freunden mit hierher genommen wurde: „Zusammen etwas machen ist einfach gut!“ ruft sie mir zu, während auch sie zu einer neuen Runde „Chinesisch“ an die Tischtennisplatte springt.

Trotz des relativ zurückhaltenden Zuspruchs der Freiburger auf seine Parties lässt sich Felix nicht entmutigen. Für die Zukunft der Ping Pong-Parties hat er Großes im Sinn. So hat er bereits darüber nachgedacht, in Dresden einen Rekord für die größte „Chinesisch“-Runde mit 1000 Teilnehmern aufzustellen. Und für 2007 plant er eine „Ping Pong-Party-Tour“ durch Mensen in ganz Deutschland.

Wollen wir hoffen, dass Freiburg es bis dahin „ooch gerafft“ hat und Felix Undeutsch unsere Mensa auf dieser Tour nicht mangels Partygästen überspringen muss.