Pimp your bike: Fahrräder mit Sofasattel und Auspuff

Adrian Hoffmann

Dieses Jahr schon mal Cruiser gesehen? Das sind dicke, aufgemotzte Fahrräder, äußerst lang gezogen, mit tiefen Sitzen, fetten Reifen und Harley-Davidson-Lenkern - und wenn sie auf Freiburgs Straßen auftauchen, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es jetzt wirklich warm wird. Wir haben zwei Shops in Freiburg und Waldkirch besucht, die sie im Angebot haben - und uns von den Radspezialisten Tipps geholt, wie man ein solches Fahrrad richtig nett aufmotzen kann.



Ein ganz normales Fahrrad sollte man aber gar nicht erst aufrüsten, das funktioniert nicht, sieht auch nicht wirklich nach was aus. Da macht ein tiefer gelegter 3er BMW noch mehr her. Um ordentlich aufrüsten zu können, sollte man sich ein Standardmodell im Katalog bestellt haben und zwischen Spezialausstattungen wählen, wir haben die besten zusammengefasst:


Todes-Ventilkappen
Sieht schön Furcht erregend aus, könnte auch als Kompromisslosigkeit gedeutet werden. Es gibt alternativ noch Würfel, Patronen und Billardkugeln zur Auswahl.

Sofasattel
Hier empfiehlt sich weniger Auffälliges, denn ein Cruiser muss auch den Eindruck vermitteln, bequem zu sein. Und so ein wahnsinnsbreiter Sattel mit Chrombügel ist auffällig genug.

Auspuff
Natürlich ein Muss. Völlig unnötig hängt der dann hinten rum, aber sieht halt einfach stark aus. Auf Wunsch gibt es auch den Cruiser-Seitenspiegel als Ergänzung.

Extrafette Reifen
Ungeheuer wichtig für das Fahrgefühl, fette Reifen lassen einen angeblich über den Asphalt schweben, und die Blicke der Leute sind der so genannten Flammenoptik sicher.

Kettensägeblatt
Ja, so sieht dieses Kettenblatt eher aus. Wie ein Sägeblatt, da kann man sich dran verletzen. Es gibt ganz unterschiedliche Angebote zur Kettenblatt-Wahl, aber sie sehen alle gut aus.

Kopf-Endkappen
Wer einen gescheiten Lenkergriff will, der braucht natürlich einen Griff mit ausgefallenen Endkappen. Auch hier gibt es wieder einen Totenkopf im Angebot.

Oldschool-Licht
Es ist nicht nur oldschool, es heißt auch so. Das richtige Licht ist für den Perfektionisten unter den Cruisern nicht verzichtbar, natürlich gibt es alle Frontlichter mit passendem Rücklicht.

140-Speichen-Felge
Manchmal geht es eben auch um Quantität, so wie bei der 140-Speichen-Felge. Das sieht einfach nach was aus, genauso wie die schwarzen Felgen im Angebot.

Harley-Lenker
Entspanntes Fahren, das kann man sich bildlich vorstellen. Es gibt eine große Auswahl an Cruiser-Lenkern, die Besonderheit dieses Lenkers: das gedrehte Rohr.

Gedrehte Pedale
Passt optimal zum Harley-Lenker mit dem gedrehten Rohr, denn die Streben dieses ungewöhnlichen Pedals sind auch gedreht. Hat irgendwie etwas von Rührmaschine.

Auf der Website des Herstellers Felt gibt es einen Überlick über die Cruiser-Modellpalette.

Kontakt zu Händlern:



Wer sich für Cruiser interessiert, hat in der Region mehrere Möglichkeiten. Zum einen gibt es Fahrradshops wie X-up Scooter+BMX in Waldkirch-Kollnau, die Cruiser als Zusatz im Sortiment anbieten. Ivan Herrling, 38, hat den Trend erkannt. Er bestellt das meiste per Katalog, baut aber für die Kunden gerne um.



Und dann gibt es noch etwas besonders Ausgefallenes: Oliver Baurs Werkstatt Cycloholic im Vauban. Dort ist es unübersichtlich, überall liegt Schrott herum. Aber genau das ist es, womit der 31-jährige gelernte Metallingenieur tagtäglich arbeitet. Damit baut er die Fahrräder, die seine Kunden ihm in Auftrag geben. Mindestens einmal in der Woche fährt er aus dem Vauban mit seinem Spezialfahrrad mit großer Transportfläche auf den nahe gelegenen Schrottplatz und sucht sich zusammen, was er noch gebrauchen könnte. Dann findet er solche Dinge wie die Reste von Betonstahlträgern oder einen alten Wagenheber von Mercedes. Und für den Rahmen seines Schmuckstücks hat Oliver Baur eine alte Hollywood-Schaukel verwendet, auch diese hat er natürlich auf dem Schrottplatz gefunden, wo sonst?

Seit 15 Monaten hat Oliver Baur nun seine kleine Werkstatt und baut sich einen Kundenkreis auf. Viele kommen, um ihr altes Rad nur reparieren zu lassen, ein paar wenige kommen, um extravagante Wünsche in Auftrag zu geben. Das kostet auch was, unter 800 Euro geht nichts. Aber das muss es eben wert sein, bei der Exklusivität.