fudder-Interview

Physiker Fischer zu seiner Weihnachtsvorlesung: "Der Spieltrieb steckt in jedem Experimentalphysiker."

Anika Maldacker

Seit elf Jahren hält der Physikprofessor Horst Fischer kurz vor Weihnachten die beliebte Physik-Weihnachtsvorlesung. Zusammen mit seinem Kollegen Helmut Wentsch bereitet er die Vorlesung mit einem Jahr Vorlauf vor.

Elf Jahre machen Sie die Weihnachtsvorlesung der Physik – eine lange Zeit. Finden Sie da überhaupt noch neue Themen?

Die Physik ist so unbegrenzt vielfältig, dass man jedes Jahr neue Ideen hat und neue Experimente findet. Wir suchen aber das ganze Jahr nach neuen Experimenten, die wir zeigen wollen. Bei uns ist nach der Weihnachtsvorlesung, direkt wieder vor der nächsten.

Können Sie die Vorbereitung damit etwas entspannter angehen?

Entspannt ist das sicher nicht. (lacht) Die Vorbereitungen sind schon enorm zeitaufwendig. Wir müssen die Experimente vorher ausprobieren, schauen, dass alles funktioniert, dass alles für das Publikum verständlich wird. Dass das Publikum die Effekte auch sehen und verstehen kann. Und dass nichts Gefährliches passiert.

Vermutlich wollen Sie uns nicht verraten, was die Zuschauer am Donnerstag, Freitag und Samstag erwartet. Aber vielleicht ein kleines Detail?

Nein! Das ist im Moment noch ein großes Geheimnis, nicht einmal die Kollegen am Institut wissen Bescheid. Dieses Geheimnis wird bis zur ersten Vorlesung am Donnerstag gehütet.

Sie machen das schon seit elf Jahren – was ist das Besondere an dieser Vorlesung für Sie?

Der Spieltrieb steckt in jedem Experimentalphysiker. Mit dieser Vorlesung kann man diesen Spieltrieb wirklich ausleben. Es ist faszinierend zu sehen, wie Leute, die sagen, dass sie von Physik keine Ahnung hätten, fasziniert aus der Verlesung herausgehen und sagen: Wenn wir das so in der Schule gemacht hätte, wäre ich vielleicht auch Physiker geworden. Mir macht diese Vorlesung Freude. Wir machen das freiwillig neben dem regulären Forschungs- und Lehrbetrieb.

Wie kam es denn zu der Weihnachtsvorlesung?

Die Weihnachtsvorlesung in Freiburg geht zurück auf Professor Volker Schmidt . Der hatte das vor rund 30 Jahren begonnen. Die ganz ursprüngliche Idee der Weihnachtsvorlesung geht auf den englischen Experimentalphysiker Michael Faraday zurück. Der hatte die Vorlesung 1827 ins Leben gerufen, um der Öffentlichkeit Versuche, die mit Elektrizität zu tun hatten, vorzuführen. Ursprünglich waren die Weihnachtsvorlesungen von Herrn Schmid nur für Studierende und Institutsmitglieder vorgesehen. Die haben dann ihre Verwandten und Freunde mitgebracht. Als ich die Vorlesung übernommen habe, haben wir ganz bewusst die Öffentlichkeit ins Auditorium geholt. Heute sind ungefähr ein Drittel Studierende dabei, und zwei Drittel Leute aus der Stadt und der Region. Sogar Anmeldungen aus Villingen und Karlsruhe gingen ein. Die Vorlesungen sind beliebt und mittlerweile innerhalb weniger Stunden ausgebucht.

Wieso ist es Ihnen so wichtig, auch Menschen außerhalb der Universität anzusprechen?

Wir wollen auch den Leuten außerhalb zeigen, dass Physik Spaß machen kann.
Zur Person

Horst Fischer ist Physikprofessor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er kommt ursprünglich aus Urloffen, Appenweier, und begann sein Studium 1981 in Freiburg. Dort machte er auch sein Diplom in Physik. Zum elften Mal hält er in diesem Jahr die Physik-Weihnachtsvorlesung.

Was: Physik-Weihnachtsvorlesung
Wann: Donnerstag, 20. Dezember, Freitag, 21. Dezember, Samstag, 22. Dezember, Beginn ist jeweils um 16.30 Uhr
Wo: Großer Hörsaal Physik, Hermann-Herder-Str. 3 (Nr. 21c)

Info: Die Vorlesungen sind alle ausgebucht.

Mehr zum Thema: