Philipp Döring: Der Filmemacher

Jennifer Bormann

Der Freiburger Philipp Döring hat sich an der Ludwigsburger Filmakademie zum gefragten Filmemacher entwickelt. Ein Portrait mit reichlich Infos zum Studium in Ludwigsburg.



Die Liebe zum Film, das war bei Philipp Döring keine Liebe auf den ersten Blick. „Sie kam eigentlich erst sehr spät“, sagt der 32-jährige Freiburger. David Lynchs „Lost Highway“, den Döring während seiner Uni-Zeit in Freiburg im Aka-Filmclub gesehen hat, war es, der ihn diese Liebe entdecken ließ. „Bei diesem Film habe ich zum ersten Mal gedacht, dass Filmemachen doch eine unglaubliche Sache sein muss.“


Philipp Döring hat sie zu seiner eigenen gemacht. Er hat nach seinem Studienabschluss – wie Hunderte andere in Süddeutschland auch – einen Bewerbungsfilm an die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg geschickt. Und – wie ganz wenige – war er erfolgreich. Im vergangenen Jahr hat er sein Studium der Regie dort abgeschlossen. Sein Diplomfilm „Am anderen Ende“ wurde mit dem Nachwuchsfilmpreis „First Steps“ ausgezeichnet und hat von der Deutschen Film- und Medienbewertung das Prädikat „besonders wertvoll“ erhalten.

Dass Döring dort hinkam, wo er jetzt steht, hat viel mit seinem Studium in Ludwigsburg zu tun. Die dortige Filmakademie ist eine der sechs großen Filmhochschulen in Deutschland, die der Verband der weltgrößten Film- und Fernsehschulen CILECT zu seinen Mitgliedern zählt. „Das Besondere hier ist, dass alle wahnsinnig aufeinander hängen, weil es in der Stadt sonst nichts gibt“, sagt Döring. „Das ist in Berlin oder München ganz anders und hat Vor- und Nachteile.“ So entstehe eine intime Atmosphäre, wie sie sonst nicht allzu oft anzutreffen sei.

Philipp Döring reiht sich als Alumnus der Filmakademie in eine Riege bekannter Regisseure wie Benjamin Quabeck, der 2003 mit „Verschwende Deine Jugend“ in den Kinos war, oder Iain Dilthey, der ebenfalls dort studierte. „Ich hab’ eine Menge gelernt“, sagt der Freiburger. „Aber es gab durchaus Höhen und Tiefen. Das erste Jahr ist unglaublich anstrengend, danach sind alle komplett durch.“ Als angenehm empfand er die Größe der Veranstaltungen mit oft nur sechs bis 15 Teilnehmern. Belastend aber sei der Konkurrenzdruck gewesen, der relativ schnell aufkomme und das Studium nicht gerade erleichtert.

Die Berliner Schule oder „Nouvelle Vague allemande“ – eine Gruppe von Filmemachern um Christian Petzold, dem es mehr um realistische Darstellungen des Alltags geht als um Blockbusterkino –  sei eher ein Fremdwort in Ludwigsburg, kritisiert Döring.  An solchen Aussagen erkennt man sein Festhalten an der Idealvorstellung „Kunst statt Kommerz“: Er möchte viele gute Filme machen, ohne seine Seele verkaufen zu müssen und es schaffen, sich selbst treu zu bleiben. Wenn er damit sein Geld verdienen könnte, ohne Nebenjobs annehmen zu müssen, wäre der Vater eines zehnjährigen Sohnes mehr als zufrieden.



In einem Regiestudium, wie Philipp es hinter sich hat, steht am Ende der vier Jahre der Diplomfilm, für den jeder Student ein Jahr Zeit  hat.  Nachdem das eigentlich vorgesehene Langfilmprojekt an der Finanzierung scheiterte, musste Döring sehr schnell auf einen Kurzfilm umsatteln.

„Da habe ich mich an einen Zeitungsartikel erinnert, den ich vor einiger Zeit gelesen hatte: ein Portrait über eine Frau, die bei der Telefonseelsorge arbeitet. Obwohl das natürlich erstmal ein sehr unfilmisches Thema ist, jemandem dabei zuzugucken, wie er am Telefon sitzt und anderen Leuten zuhört, hat mich diese Situation von Anfang an fasziniert.“ Katharina Kress, die Autorin, fand die Idee ebenfalls spannend und nachdem Döring bei der Anfrage in der Agentur erst einmal ausgelacht wurde, gefiel der Schauspielerin die Geschichte und so wurde im März 2009 gedreht.

Um die Telefonseelsorgerin  Marianne geht es in diesem Film. Während Marianne den Menschen am anderen Ende der Telefonleitung geduldig zuhört und behutsam Ratschläge gibt, sucht ihre drogenabhängige Tochter draußen vor dem Fenster  vergeblich ihre Hilfe. „Dieser Film ist in Rhythmus und Inszenierung so dicht und packend erzählt, dass man sich ihm unmöglich entziehen kann“, lobte die First-Steps-Jury.

Durch den Erfolg des Films erhielt Döring, der inzwischen in Berlin lebt, bereits Anfragen von Produktionsfirmen. Aber auch einen Film über die alte, südbadische Heimat könnte er sich vorstellen: „Was mich reizen würde, wäre eine Geschichte, die ein anderes Gesicht von Freiburg zeigt. Freiburg soll ja eine ziemlich hohe Kriminalitätsrate haben und nicht nur Fahrraddiebstähle, das passt so gar nicht zu den pittoresken Bächle.“

Der Film

Am anderen Ende: In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 2010, läuft Philipp Dörings Film um 1.05 Uhr auf Arte.

Das Studium

Filminteressierte Bewerber entscheiden sich für eine Fachrichtung  – Animation, Bildgestaltung/Kamera, Drehbuch, Interaktive Medien, Montage/Schnitt, Regie –  und wählen zwischen einem Voll- und einem Projektstudium. Ersteres hat eine Regelstudienzeit von acht Semestern, das Projektstudium dauert vier Semester.

Vor der Bewerbung muss mindestens ein Jahr lang praktische Berufserfahrung gesammelt werden. Momentan nimmt die Filmakademie Ludwigsburg Bewerbungen  für das Studienjahr 2010/11 an.

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