PH-Blockade beendet: Das Protokoll

Katharina Wenzelis

Der Studiengebühren-Boykott an der Pädagogischen Hochschule ist gestern gescheitert. 50 Studierende weniger als nötig hatten ihre Gebühren auf das Treuhandkonto der Boykott-Aktion überwiesen. Für die Gegner der Studiengebühren kein Grund zum Aufgeben: von gestern Nachmittag an besetzten rund 250 Studierende das Rektorat der PH. Wir haben drei Stunden Blockade für Euch protokolliert.



10:30 Uhr. Der Zugang zum Büro des Rektors und weiteren Verwaltungseinrichtungen der PH ist durch gut 250 Studenten versperrt. Sie sitzen oder liegen in kleinen Gruppen zusammen und vertreiben sich auf unterschiedliche Weise die Zeit. Einige diskutieren, andere spielen Gitarre oder Karten, zwei Mädchen jonglieren mit Bällen und wieder andere nutzen die Zeit zum lernen. Die Stimmung ist friedlich und positiv. Ein Student erzählt, dass  um die 100 Studenten die Nacht friedlich im PH-Gebäude verbrachten. Dabei wurde stundenlang über das weitere Vorgehen diskutiert und die Forderungen ausgearbeitet.

Rund 35 Mitarbeiter konnten aufgrund der Blockade heute nicht ihrer Arbeit nachgehen. Manche sind bereits nach hause gegangen, andere stehen etwas hilflos im Foyer des Gebäudes.

Eine Mitarbeiterin des Sekretariats ist verärgert: "Es ist eine Unverschämtheit, dass die Studenten mir die Arbeit verweigern. Ich verstehe nicht was das soll, der Boykott ist gescheitert, dass müssen die Studenten akzeptieren." 



Die Studenten wirken sehr entschlossen und wollen auf  keinen Fall nachgeben: "Wir werden so lange das Gebäude besetzen, bis der Rektor unsere Forderungen akzeptiert", ruft eine Studentin in die Menge.

Um 10 Uhr heute Vormittag wurde im besetzten Rektoratsgebäude eine Vollversammlung einberufen, um den weiteren Verlauf der Blockade und die genauen Forderungen der Besetzer/innen zu besprechen. Die Studenten fordern, dass für die  Boykottierenden keine Mahngebühren erhoben werden,  dass die im März in Kraft tretende Härtefallklausel auf alle Boykottierenden angewendet wird, dass die Anliegen der Studierenden in der Senatssitzung diskutiert werden und der Rektor der PH auf der Landesrektorenkonferenz die Studiengebühren kritisch thematisiert.



11 Uhr. Plötzlich ist der Mann da, dessen Hausrecht die Studierenden strapazieren, Rektor Ulrich Druwe. Tom Peters, Vorstandsmitglied der U-Asta übergibt Druwe im Foyer vor den Augen der  Studenten die überarbeiteten Forderungen.

Der Rektor wirkt genervt und angespannt, ein gequältes Lächeln huscht über sein Gesicht. "Ich hatte mit den Studenten die Abmachung getroffen, dass sie das Gebäude verlassen, wenn wir uns zu Verhandlungen bereit erklären. Wir haben unseren Teil der Abmachung eingehalten und die Forderungen geprüft, aber die Büros werden weiterhin blockiert."



Das sieht Tom Peters anders, an die Kameras der Presse gewand sagt er: "Der Rektor macht gar nichts, er schafft nicht mal eine vernünftige Verhandlungsgrundlage und streitet alle seine Kompetenzen ab. Wir haben ein ernsthaftes Kommunikationsproblem."

11:30 Uhr. Im Verlauf des Vormittags verlassen einige Leute das Gebäude und es wird etwas ruhiger. Die Leute warten und wissen nicht so recht wie es nun weitergeht. Trotzdem machen die Studenten nicht den Eindruck als wollten sie das Gebäude räumen. Student Niels (20, Bild unten) sagt: „Schade dass nicht noch mehr Leute hinter dem Boykott stehen, bei vielen ist der Respekt vor der Uni Leitung eben doch zu groß."



12 Uhr. Rektor Druwe erklärt sich nochmals zu Verhandlungen bereit. Die Studenten wählen per Handabstimmung kurzerhand Micha Kramer, Tom Peters und Johanna Kulenkampff als Vertreter der Blockade. Die drei verschwinden mit dem Rektor im Senatssaal. Während hinter verschlossenen Türen über die Forderungen der Studenten diskutiert wird, kochen einige Studenten in der Küche der PH-Verwaltung Mittagessen für alle im Volxküchen-Stil.

Die Studenten versammeln sich langsam im Foyer und diskutieren darüber, wie die Verhandlungen mit Rektor Druwe ausgehen könnten. Sie wirken müde, scheinen aber die Hoffnung nicht aufzugeben, dass die Verhandlungen zu einem für sie akzeptablen Ergebnis führen werden.



13 Uhr.
Es ist soweit, im Foyer kehrt gespannte Stille ein während Tom Peters seinen Kommilitonen die Verhandlungsergebnisse mitteilt. Er wirkt angespannt aber zufrieden. Druwe hat sich bereit erklärt die Anliegen der Studenten in der Landesrektorkonferenz weitestgehend zu Vertreten und das Thema Studiengebühren kritisch zu thematisieren.  Die Studenten können ihre konkreten Anliegen im Rektorat einreichen und Druwe wird die Anliegen weitertragen. Die Forderung der Studenten, dass der Haushaltsausschuss von 8 auf 10 Mitglieder aufgestockt werden soll, ist prinzipiell möglich, bedarf aber weiterer Verhandlungen.

Großer Jubel bricht unter den Studenten aus, als Peters mitteilt, dass die Mahngebühren für alle Boykottierenden erlassen werden. Druwe verlangt allerdings die sofortige Räumung des Gebäudes. Die Studenten sind mit den Ergebnissen vorläufig zufrieden und lassen sich auf den Deal ein. „Wir haben heute wirklich etwas erreicht, aber wir sollten uns nicht zu sehr freuen, denn eigentlich wurde nur eine Unverschämtheit zurückgenommen und bei weiteren Unverschämtheiten werden wir weiterkämpfen“, sagt ein Student aus der Menge. Die Studenten jubeln und klatschen.



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