Pforzheim bietet kostenfreies Surfen im Stadtgebiet

dpa

Kurz im Smartphone nachsehen, wo ein Hotel ist oder wann der nächste Zug geht: In Pforzheim ist das jetzt kostenfrei möglich. Die Stadt hat ein flächendeckendes WLAN-Netz freigeschaltet – und damit Freiburg abgehängt.



In Pforzheim können Touristen und Stadtbummler seit Mittwoch kostenlos im Internet surfen. Die Stadt ist nach eigenen Angaben die erste deutsche Kommune mit mehr als 100.000 Einwohnern, die im gesamten Innenstadtgebiet kostenfreies WLAN anbietet. Andere Städte, etwa Berlin und München, haben nur auf einigen Plätzen freien Internet-Zugang eingerichtet.


Im Oktober 2012 hatte die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) mit einem lokalen Dienstleister und mit dem Berliner Stadtwerbungsunternehmen Wall AG über ein Gratis-WLAN verhandelt. "Wir haben die Hard- und Software, Freiburg könnte Pionierarbeit leisten", sagte seinerzeit Wall-Sprecherin Frauke Bank. Doch seitdem war es still geworden um die WLAN-Pläne für die Breisgau-Metropole.

Angebot unter freiem Himmel

In Pforzheim wird das Projekt getragen von neun Firmen. Sie haben rund eine Viertelmillion Euro investiert. Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) bezeichnete Pforzheim als "Flaggschiff" für diese moderne Infrastruktur. "Ich werde dafür werben, dass es bald möglichst viele Nachahmer gibt."

Der Empfang ist nur unter freiem Himmel möglich und kein Ersatz für private Internetanschlüsse. Von dem Angebot sollen vor allem ausländische Touristen profitieren, die keinen deutschen Mobilfunkvertrag haben. Aber auch Studenten können auf dem Campus oder im Stadtpark auf Online-Lehrmaterial zurückgreifen.

1500 Zugriffe zur selben Zeit

Bislang reicht die Kapazität der Sender für 1500 Zugriffe zur selben Zeit. "Bei den anstehenden Stadtfesten werden wir sehen, ob das ausreicht", sagte Erwin Geisler, Geschäftsführer des zuständigen Vereins Medien-/IT-Initiative Pforzheim.

Er geht davon aus, dass das Netz in den kommenden Wochen weiter wachsen wird. Ziel sei, möglichst viele Geschäftsleute dafür zu begeistern, damit sie zusätzlich in ihren Räumen – Einkaufszentren, Kneipen, Praxen – ein kostenfreies WLAN einrichten.

Die Kosten für einen Sender liegen den Angaben zufolge zwischen 100 und 1000 Euro. Geplant sei auch, Sendegeräte in Bussen zu installieren. Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) rief die Geschäftsleute ebenfalls auf, "sich nicht gegenseitig ängstlich zu beäugen, sondern sich in das gemeinsame Netzwerk einzuklinken".

Kurze Registrierung notwendig

Für das Einwählen muss sich jeder Nutzer kurz mit seinem Namen und seiner Handynummer registrieren. Dann erhält er ein Passwort per Kurzmitteilung, das ein Jahr lang gilt. Die Sicherheit sei genauso hoch wie am heimischen Computer, sagte Geisler. "Jeder muss allerdings mit seinem Passwort verantwortungsvoll umgehen und im Zweifel über einen sogenannten Tunnel eine sichere Verbindung aufbauen." Die Haftung liege beim Verein.

Minister Schmid verglich die Projektleiter des WLAN-Angebots mit den Erfindern Gottlieb Daimler, Carl Benz und Graf Zeppelin. Sie alle zeigten, "was Vorstellungskraft und Ingenieurskunst möglich machen können". Das kostenfreie WLAN bezeichnete er als "Quantensprung, der das unglaubliche Potenzial der Digitalisierung demonstriert".

Das Land werde solche Projekte allerdings nicht finanziell unterstützen. Sein Hauptaugenmerk liege auf der Verlegung von Breitbandkabeln in jene Regionen, die noch nicht angeschlossen sind. "Diese Infrastruktur ist dringend notwendig", sagte Schmid. Dafür stünden zehn Millionen Euro bereit. Wenn andere Südwest-Kommunen kostenfreies WLAN anbieten wollten, müssten sie dies nach Pforzheimer Vorbild selbst organisieren.

Zu den Gründern der Pforzheimer Initiative zählen unter anderem die Computerfirma medialesson GmbH, die "Pforzheimer Zeitung", der Medien-Dienstleister Meyle+Müller GmbH und Co KG und die Sparkasse. Die Umsetzung übernahm die Skytron Communications GmbH und Co KG, die drahtlose Breitbandtechnologie vertreibt. Sie bietet allen Usern, die mehr Surf-Kapazitäten brauchen, zusätzliche Angebote. Diese müssen dann jedoch bezahlt werden.

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