Petr Mares schwer verletzt in der Klinik

Dirk Philippi

"Das Eis wird brennen" hieß es am vergangenen Freitag vor dem Beginn des Playoff-Viertelfinales zwischen dem EHC Freiburg und den Heilbronner Falken. Gestern nun fand Spiel zwei der Serie in Freiburg statt und tatsächlich - es brannte lichterloh! Der EHC verlor nicht nur das zweite Spiel am Wochenende, sondern nach einem indiskutablen und brutalen Angriff von Heilbronns Stürmer T.J. Caig (Foto) mit Petr Mares auch seinen Führungsspieler. fudder hat heute mit Petr Mares in der Uniklinik telefoniert.



Keine 26 Minuten waren gestern Abend in der Franz-Siegel-Halle zwischen dem EHC Freiburg und den Heilbronner Falken gespielt, als sich viele der rund 2500 Zuschauer schon ein Ende der Partie wünschten. „Das hat mit Eishockey nichts zu tun“, schimpfte man hinter der Heilbronner Spielerbank, „Ihr macht unseren Sport kaputt“, schallte es aus der Freiburger Nordkurve. Heilbronns Trainer Rico Rossi schlug mit einem Schläger in Richtung eines Zuschauers, der ihn angeblich angespuckt habe, Heilbronns Geschäftsführer Ernst Rupp beschimpfte Tribünengäste, der EHC-Eismeister sprang wild gestikulierend über die Eisfläche und einige Polizeibeamte mussten die Spielerbank der Falken sichern.


Was war passiert?

Schon vor Spiel eins der Serie warnte Heilbronns Trainer Rossi vor dem wieselflinken Freiburger Goalgetter und Spielmacher Petr Mares: „Auf ihn müssen wir aufpassen!“ In Heilbronn bestimmte der Italo-Kanadier sogleich seinen 21-jährigen Junioren-Nationalspieler Fabio Carciola als „Rucksack“ für Mares – Manndeckung war angesagt worden. Und offensichtlich hatte sich Carciola, der als Förderlizenzspieler von den Adler Mannheim nach Heilbronn geschickt wurde, einiges vorgenommen: bereits nach 21 Sekunden (!) ließ er seinen direkten Gegenspieler bei einer schnellen Drehung über das ausgefahrene Bein stürzen. Ergebnis: Petr Mares musste zur Behandlung in die Kabine, wurde dort ärztlich versorgt und konnte weiterspielen. Carciola dagegen war mit einer Spieldauerstrafe raus aus dem Spiel. Heilbronn war sauer auf Mares, die Stimmung war elektrisiert und noch verhinderte der offene Spielstand (1:1) Schlimmeres.

Dann jene 26. Spielminute.

Die Falken führten mittlerweile 2:1, als ihr kanadischer Importspieler Trevor Jon Caig, der vor Saisonbeginn aus Holland in die Käthchenstadt wechselte, seinen unrühmlichen Auftritt hatte. Ob nun gezielt, gesandt oder im Eifer des Gefechts – es wird wohl kaum zu klären sein, was den 26-jährigen Stürmer dazu veranlasste erst aus vollem Lauf und dann im Sprung Petr Mares so unwürdig in die Bande zu fahren, dass dieser sein Bewusstsein verlor und in einer Luftbahre auf die Intensivstation der Freiburger Uniklinik gebracht werden musste. Caig erhielt vollkommen zurecht eine Matchstrafe, über deren Konsequenzen in den kommenden Tagen die DEB/ESBG-Gremien entscheiden werden. Interessant in dieser Hinsicht, dass mit ESBG-Geschäftsführer Oliver Seeliger ein Verantwortlicher Augenzeuge des Zwischenfalls war.

Sportlich mühten sich die verbleibenden EHC-Cracks nach bestem Willen, jedoch agierten sie zu schwach in Überzahl und in Folge der Aufregungen zu undiszipliniert. Direkt nach Spielende und der 1:4-Niederlage, rückte die Mannschaft allerdings noch enger zusammen und gab für die weiteren Spiele ihr Motto aus: „Siegen für Petr Mares!“, wie es EHC-Trainer Sergej Svetlov später verkündete.



Aktuell: Vor einer halben Stunde erreichten wir EHC-Stürmer Petr Mares auf Station in der Freiburger Uniklinik:

Hallo Petr, wie geht es Dir?

Nicht so gut, ich habe sehr starke Kopf- und Rückenschmerzen und kann mich an fast nichts mehr von gestern erinnern.

Was sagen denn die Ärzte?

Es ist wohl ein starkes Schädel-Hirn-Trauma und eine starke Wirbelsäulenprellung. Aber mehr kann ich noch nicht sagen. Ich war gerade eben erst wieder beim Röntgen

Und Du weißt nichts mehr von gestern?

Nein, ich war bewusstlos und lag über Nacht wohl auf der Intensivstation.

Dann wollen wir Dich jetzt in Ruhe genesen lassen.

Ach, was bringt das denn. Ich bin echt frustriert. Heute morgen habe ich schon mit meiner Frau gesprochen, ob es überhaupt noch Sinn macht weiter Eishockey zu spielen – das ist ja nicht das erste Mal, dass ich eine gefährliche Verletzung am Kopf habe.

Nimm Dir doch jetzt erst einmal die Zeit, in Ruhe wieder gesund zu werden.

Ja, das muss ich auch. Das ist alles kein Spaß mehr. Aber bitte sagt den Fans, dass sie jetzt die Nerven behalten sollen.

Gute Besserung Petr.

Danke und liebe Grüße an alle.

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