PeterLicht im Theater Freiburg: Und es ward Licht

Carolin Buchheim

"Welcher von denen ist er denn nun?" Mehrere Sekunden lang stellt man sich als Zuschauer im Theater Freiburg diese Frage, als PeterLicht und Band die Bühne betreten. Licht ist fotoscheu, auf Pressefotos ist er grundsätzlich verdeckt, und überhaupt scheint er ein Fan der Entpersonalisierung von Popmusik zu sein. Wie gut das am Sonntagabend funktioniert hat:



Die Musiker betreten die Bühne des Theater Freiburg und gehen schnellen Schrittes an ihre Instrumente, die - schön gleichberechtigt - in einer Reihe auf der Bühne stehen. Wer ist er denn nun, der PeterLicht? Der in dem roten Flannel-Shirt und der Jeans, der am rechten Bühnenrand an die Drums geht? Der Dunkelhaarige im Anzug mit dem weißen T-Shirt, der den Bass greift? Der große Dünne mit Hipsterhaarschnitt, Jeans und schwarzen Shirt, der die Gitarre packt? Der mit dem braunen Shirt, der sich hinter diverse Keyboards setzt?


Bevor ich den fünften Mann richtig angucken kann, klingt schon Lichts Stimme durch das Große Haus. "Mit jedem Satz den ich hier verlier' werd ich weniger" singt er, es ist die aktuelle Single. 'Neue Idee' heißt das Lied, und seit ein paar Wochen kann man es im Internet anhören und als Single kaufen. Steht er etwa hinter der großen Leinwand, die die Bühne nach hinten begrenzt? Ach nein, doch nicht. Die Stimme kommt gehört dem Mann ganz links am Bühnenrand, der zuletzt auf die Bühne gekommen ist, ich hatte ihn kaum bemerkt. Rotes T-Shirt, bisschen labberig, hellblaue Jeans, ein bisschen weit, blonde Haare, ein bisschen schütter. Dazu eine Brille. Er sieht ein bisschen aus wie ein Mitspieler der Freiburger Improtheatergruppe 'Freistil'.

Hallo, PeterLicht. Schön sie endlich mal zu sehen.



Es ist schön, aber auch zutiefst irrtierend, dass die wunderschöne Stimme von PeterLicht, die komplizierte Worte so viel wunderschöner singen kann, als die Stimme so ziemlich jeden anderen deutschsprachige Sänger, dass diese Stimme, die die ich seit knapp vier Alben liebe, jetzt ein Gesicht und einen Körper hat. Die hatte sie natürlich immer schon, nur kannte ich beides nicht. Etwas seltsames passiert in meinem Kopf, diese bekannte Stimme, mit dem unbekannten Körper dazu, ich glaube es ist genau das, was Licht findet, dass dort passieren soll: Dissonanz, Verwirrung, und eigentlich ist es egal, das Ding mit dem Körper, genau so, wie die Person egal ist, die in diesem Körper dringsteckt. Genau darum geht es Licht wohl - um die Entpersonalisierung des Pop. Das gesungene Ich soll vom tatsächlichen Ich gelöst werden, die Universalität des Autobiographischen erschlossen werden. Er singt vom Ich, und dieses Ich kann und soll jeder sein.

Das funktioniert am Sonntagabend im Theater ganz wunderbar: Lichts Lieder sind lustig, aufrührerisch, anrührend. Es wird gelacht (zum Beispiel bei der Zeile über den "Mann mit der Bombe Vom Al-Qaida Ortsverein"), geweint (beim "Absoluten Glück"), wild im Sitzen getanzt (bei "Wettentspannen"). Zwischendurch rezitiert er, auf Poetry-Slam-Art, über Ausscheidungen, Meerschweine, Indonesien, auch das kann er hervorragend.

Überhaupt ist alles gut, an diesem Abend, Licht, die Songauswahl - viel neu, ein bisschen alt -, die Band, die Stimmung auf der Bühne. Einzig die Qualität des Tons könnte besser sein. In den ersten zwanzig Minuten sind Lichts wunderbaren langen, komplizierten Worte kaum zu verstehen, seine Stimme zu leise gemischt, die Drums zu laut; später wird es besser, ganz perfekt aber nie.

Am Ende gibt es ein Mini-Medley, die Hits im Schnelldurchlauf, Gerader Weg als Polka, als Blues. "Schluss!" ruft Licht, und das Publikum erhebt sich zur Standing Ovation.

Irgendwann hatte übrigens dann doch ein Konzertgänger das Foto-Verbot, auf das eine Vielzahl von Schildern hinwies, mißachtet. Der Blitz einer Kleinbildkamera erhellte kurzzeitig das Theater. Wie ärgerlich und wie albern, das Bedürfnis, diese Grenze zu übertreten und den Wunsch des Künstlers zu mißachten. Aber eigentlich auch egal. Denn das sicherlich schlechte Kleinbildkamerafoto, dass der Foto-Verbot-Mißachter gemacht hat, mag vielleicht Lichts Gesicht abgebildet, aber ganz sicher kein bisschen der Großartigkeit dieses Konzerts festgehalten haben.

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