Peter zahlt die Telefonrechnung

Christoph Müller-Stoffels

Wäre es nicht toll, man könnte so viel telefonieren, wie man möchte, und eine anderer, nennen wir ihn Peter, zahlt die Telefonrechnung? Unrealistisch? Nein. GoYellow bietet den Service peterzahlt.de, über den man kostenlos ins Festnetz telefonieren kann - ohne Headset, ganz bequem mit dem eigenen Telefon.



"Im Augenblick bewegen wir uns am Limit", sagt GoYellow-Pressesprecherin Anja Meyer. 90.000 Telefonate werden täglich über den neuen Service geführt. Neben Deutschland kann man in zehn weitere Länder kostenlos telefonieren - Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada (auch Mobilnetze), Österreich, Polen, Portugal, Schweiz, Spanien, USA (auch Mobilnetze). Man muss nur seine Nummer und die des gewünschten Gesprächspartners eingeben. Sekunden später klingelt das eigene Telefon, und die Verbindung wird hergestellt. Eine dauerhafte Internetverbindung ist allerdings vonnöten, denn über den Bildschirm flimmert während des gesamten Gesprächs Werbung. Wird die Seite geschlossen oder gar die Internetverbindung getrennt, endet auch das Gespräch, wie früher bei den Münztelefonen, wenn einem die Pfennige ausgingen.


GoYellow hat inzwischen ein Patent auf das Auswahlverfahren der Werbung angemeldet. Die Werbung wird nämlich auf den Anruf zugeschnitten. "Bei einem Telefonat von München nach Düsseldorf sehen Sie dann vielleicht einen günstigen Flug für die Strecke." Derzeit sieht man aber oft auch die Meldung "Land unter!". Mit 90.000 Gesprächen pro Tag ist der Service an der Maximallast angelangt. In zwei Wochen sollen die Kapazitäten verdoppelt werden. Auch sollen jeden Monat neue Länder dazu kommen. Das zieht auch weitere Kunden. "Das neueste Land ist Polen", sagt Meyer, "da war der Anstieg schon extrem."

Natürlich gibt es auch Beschränkungen. Nur ins Festnetz werden Gespräche vermittelt und nur zwischen sechs Uhr morgens und Mitternacht. Ein Gespräch kann maximal 30 Minuten dauern. Allerdings kann man sich danach gleich wieder verbinden lassen, wenn der Dienst nicht wieder überlastet ist. Wir haben einen günstigen Moment abgewartet und peterzahlt.de ausprobiert. Es funktioniert sehr gut. Während ich mit meinem Freund aus der Schweiz rede, flimmert Werbung von Marco Polo, rtv, und Avon über meinen Monitor. Die Verbindung ist optimal.

Bliebe nur noch die Frage zu klären, was mit den Telefonnummern passiert. Werden die an Werbekunden weitergereicht? Bekommt man nach der Nutzung von peterzahlt.de nervige Anfragen, ob man nicht eine Waschmaschine kaufen möchte? "Mit den Nummern machen wir gar nichts", versichert Meyer glaubhaft. "Die löschen wir sofort wieder. Alles andere wäre rechtlich nicht machbar." Welch lobenswerte Einstellung. Man ist übrigens nicht verpflichtet die Werbung anzuschauen. Peter zahlt auch wenn man wegsieht.