Peter Pan und der Wille nach Kompromisslosigkeit

Johanna Meier

Er will nie erwachsen werden, hat niemanden, der ihm Vorschriften macht und er kann fliegen! So frei wie Peter Pan möchte jeder gern mal sein. Der Schauspieler Jens Bohnsack darf so sein wie Peter - wenn auch nur auf der Bühne.



Will Peter Pan denn wirklich Kind ohne sorgende Eltern bleiben? Wendy und ihr Bruder zum Beispiel – Peters Freunde aus der Menschenwelt – bevorzugen letztendlich doch das Elternhaus mit all seinen Verantwortlichkeiten gegenüber der Phantasie-Insel Nimmerland.

Jens Bohnsack: Ja, ich denke Peter Pan will wirklich ein freies Kind bleiben, denn ein Zurückkehren in die „normale Welt“ würde Verbindlichkeit für ihn bedeuten. Er könnte nicht mehr so radikal kompromisslos wie in Nimmerland sein, könnte keine Entscheidungen mehr aus dem Jetzt und Hier treffen. Die Welt der Erwachsenen mit all ihren Forderungen würde kaputtmachen, was Peter Pan so stark macht.

Und doch erscheint die Eltern-Kind-Beziehung in Peter Pan sehr positiv gezeichnet.

Kinder brauchen das „immer-wieder-nach-Hause-kommen“. Sie müssen Urvertrauen aufbauen können und sich versorgt und beschützt zu fühlen. Doch Peters Phantasie-Insel Nimmerland bricht mit Wendys Ankunft, da sie sofort die Mutterrolle übernimmt, Regeln aufstellt und die Jungs versorgt. Damit bringt Wendy Verantwortlichkeit und Kompromisse auf die Insel. Auf Nimmerland jedoch müssen Regeln gebrochen werden.



Was war für Sie die wichtigste Erfahrung bei der Peter Pan-Produktion?

Ich hatte große Lust auf die Figur: Peter Pan ist ein „Erleber“, dem ist nie langweilig, der sitzt nie zu Hause vor dem Fernseher oder starrt Löcher in die Luft. Eines ergibt das Nächste bei ihm. Außerdem war es toll zu fliegen, auf der Bühne zu fechten und Abenteuer zu erleben. Die Probenarbeit mit Christoph Roos hat mir auch sehr gut gefallen, denn er erforscht die Dinge, macht Räume auf und reagiert auf Angebote der Schauspieler und dadurch passiert ständig etwas Neues.

Peter Pan ist vor allem Theater für Kinder. War die Probenarbeit deshalb anders? Denkt man an das junge Publikum verantwortlich mit?

Beim Thema Gewalt, bei Schimpfwörtern und Flüchen haben wir uns natürlich mit der Frage nach den Grenzen beschäftigt. So haben wir sinnlose Gewaltmomente weggelassen. Außerdem haben wir versucht, das Frauenbild zu aktualisieren. Wendy sollte nicht nur Mutter sein, sondern auch ihre Freude am Spielen beibehalten.

Zur Person

Jens Bohnsack erhielt seine Schauspielausbildung an der Universität der Künste in Berlin. Er spielte zuletzt am Theater Dortmund. Seit der Spielzeit 2006/07 ist Jens Ensemblemitglied am Theater Freiburg. Neben Peter Pan ist er in dieser Spielzeit auch in Der Process, Am Ende des Tages fängt ein neuer an und in Die Nibelungen zu sehen.

[Fotos: Maurice Korbel]

Was: Peter Pan
Wann: 11., 18., 25., 28. & 29. Januar, 11 Uhr, 27. Januar, 13 Uhr 
Wo: Großes Haus, Theater Freiburg