Petar Juric ist neuer Coach der USC-Basketballer

Dirk Philippi

Der USC Freiburg hat Petar Juric als Headcoach der ersten Basketball-Herrenmannschaft für die Zweitliga-Saison 06/07 unter Vertrag genommen. Juric, der pikanterweise momentan noch für die USC-Damen, die Eisvögel, arbeitet, war bereits von 1993 bis 1997 Trainer des USC. Unvergessen ist der grandiose Aufstieg in die 1. Basketball-Bundesliga, zu dem er die Herren 1997 geführt hat. Dirk führte für fudder das erste Interview mit Juric nach der Bekanntgabe seines Wechsels von den Damen zu den Herren.



Genug von Damen-Basketball?

Petar Juric: Nein, ganz und gar nicht. Ich habe eine Menge gelernt während meiner Zeit bei den Eisvögeln und außerdem bin ich noch bis Ende Juli Cheftrainer der Damen. Zusammen mit der Eisvögel-Führungsmannschaft werden wir z.B. eine neue Centerspielerin im Probetraining haben, wir werden potenzielle Neuzugänge sichten und uns über die kommende Spielzeit unterhalten. Ich kenne diese Mannschaft sehr gut und werde nicht einfach so verschwinden. Ich bin und war gerne Trainer der Eisvögel.

Aber wieso dann doch der Wechsel von Weiblein zu Männlein?

Ich habe nach drei Jahren bei den Eisvögeln keine Möglichkeit mehr gesehen, mich persönlich als Trainer weiterentwickeln zu können. Deshalb informierte ich die Clubführung bereits im vergangenen November, dass ich ihnen nächste Saison nicht mehr zur Verfügung stehen werde, weil ich eigentlich fest geplant hatte ein Jahr nach Amerika zu wechseln. Dort wollte ich - unabhängig vom Verdienst - als Assistenztrainer mein Basketball-Wissen vergrößern und als Coach dazulernen. Dass Angebot der USC-Herren hat dabei nun lediglich meine ganz privaten Pläne geändert.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit über drei Jahre bei den Eisvögeln aus?

Da müsste ich weiter ausholen, aber in jedem Falle positiv. Ich habe die USC-Damen schon zu frühen Regionalliga-Zeiten beobachtet, habe mitverfolgt wie sie sich mühsam hochgearbeitet haben und die sportlichen und finanziellen Herausforderungen nach dem dann doch rasanten Aufstieg meisterten. Ich habe vom damaligen Trainer Spandow eine Mannschaft übernommen, die sich zwischen Ligaerhalt und Mittelfeld bewegte und ca. 50% Siege einfuhr. In meinen drei Jahren bei den Eisvögeln nun haben sich Umfeld und Wettkampfbetrieb nun weiter professionalisiert und ich bin der Meinung, das die Basis geschaffen ist, auf der sich der neue Coach keine Sorgen um einen möglichen Abstieg mehr machen muss. Um den diesjährigen dritten Platz allerdings noch zu einem Titelgewinn zu steigern, muss ein neuer Trainer - so glaube ich - wohl weitere zwei bis drei Jahre Arbeit investieren.

Nach ihrem grandiosen Aufstieg in die 1. Basketball-Bundesliga mit den USC-Herren 1997 herrschte dort eine ungeheure Trainerfluktuation. Wie passt das mit ihren Idealen einer langfristigen, kontinuierlichen Arbeit zusammen?

Zunächst einmal stimmt das so nicht ganz. Ich baue zwar gerne - auch mittel- bis langfristig etwas auf - genauso kann ich aber auch als Feuerwehrmann einspringen. Nach den Gesprächen mit den Vorstitzenden des USC, Günter Rothmann und Michael Schleiner, bin ich zuversichtlich, dass wir einen Weg finden werden, der angemessen sein wird. Als ich damals bei den USC-Männern angefangen habe, musste ich noch darum kämpfen von drei Trainingseinheiten in der Woche auf ein tägliches Üben zu erweitern. Heute ist selbst das Vormittagstraining normal. Was ich damit sagen will, ist, dass auch hier bei den Männern eine Infrastruktur geschaffen wurde, die Einiges an Potenzial birgt. Wohin uns aber der Weg führen wird, kann man endgültig erst nach der finanziellen Planung einschätzen. Wunschvorstellungen entsprechen nicht immer der Realität. Ich habe bereits Spieler-Wünsche für die kommende Saison geäußert, aber ob bzw. wie diese berücksichtigt werden können, hängt vom Geld ab.

Wie wird die Realität für eine der größten Basketball-Nachwuchsabteilungen Deutschlands unter einem Profi-Coach Petar Juric aussehen?

Die Talente sind da, das steht fest, und ich werde die Arbeit mit diesen Spielern intensivieren, auch das verspreche ich. Allerdings ist es jetzt noch nicht absehbar, inwieweit jugendliche Spieler bereits in die 1. Mannschaft integriert sein werden. Zum einen ist es auch hier eine Frage des Etats, denn wenn teure Spieler verpflichtet werden können, hat es die Jugend schwerer, und zum anderen muss man die Entwicklung dieser Nachwuchskräfte erst einmal abwarten. Es sind viele Talente in Freiburg, aber eben keine fertigen Spieler. Das Potenzial aber ist da und soll auch stärker genutzt werden als zuletzt.

Bei all den Unbekannten, wie definieren Sie für sich Ihre persönlichen Ziele?

Mein Ziel lautet Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga, wobei der Zeitpunkt offen zu halten ist. Man braucht die Geduld, wenn es nicht plötzlich einen Geldregen gibt und es ist wichtig, dass man mir dann die Zeit dafür gibt. Vor dem letzten Aufstieg spielten wir auch zwei Jahre gegen den Abstieg.