Pengcast – ein Podcast über Filme, ohne Fanboy-Gebrabbel

Brigitte Rohm

"Wir hassen Filme" ist das Motto der Macher des "Pengcast" – in ihrem Podcast sezieren sie Filme zwischen Geist und Gaga. Zwei Freiburger, ein Leipziger und ein Berliner stecken dahinter.

Cool guys look at explosions – aber sie sehen sich auch gerne Arthouse-Filme über Schmetterlingsforscherinnen an. Und sie können verdammt gut darüber reden: Die zwei Freiburger Horst-Lukas "Hotte" Diestel (26), Malte Springer (25) und ihre in Leipzig und Berlin beheimateten Kollegen Christian Eichler (27) und Max-Ole von Raison (26) nehmen mit ihrem Pengcast jede Woche zwei Filme und eine Serie genau unter die Lupe.


Kein Fanboy-Gebrabbel, kein prätentiöses Name-Dropping

Das Motto "Wir hassen Filme" prangt auf ihrem Logo plakativ zwischen zwei gekreuzten Baseballschlägern. Aber auf Krawall gebürstet sind die Herren eigentlich nicht. Vielmehr geht es ihnen um eine gesunde Distanz: "Wir sind keine Filmfans, die sich in die Hose kacken, weil ein neuer Indiana Jones-Film angekündigt ist, und gehen trotzdem in der Kritik viel tiefer, als das in anderen Filmpodcasts der Fall ist", erklärt Christian. Aber auch vor Ironie triefende Kommentare und trockene Töne sind beim Pengcast ein wichtiger Bestandteil. "Diese Mischung aus strunzdummer Comedy, fundierter Filmanalyse und hintergründiger Information ist einzigartig und spart all das aus, was Filmpodcasts sonst so ätzend macht: Rumgestammel, Fanboy-Gebrabbel und prätentiöses Name-Dropping."

Die Professionalität der Crew, die sich seit der Schulzeit kennt, ist deutlich hörbar: Das solide produzierte Intro, der klare Aufbau und der gegenseitige Respekt prägen das Format. Kein Wunder, denn der Pengcast hat bereits zwei Jahre auf dem Buckel. Genügend Zeit, um sich von einem improvisierten Experiment zu einem Podcast zu mausern, der auf iTunes, Twitter und Facebook präsent ist und jede Woche 400 bis 500 Menschen erreicht.

"Irgendwann stellt man leicht verwundert fest, dass Leute, die man nicht mal über Ecken kennt, den Podcast regelmäßig hören und gut finden", sagt Hotte über die Entwicklung. Der Pengcast gehört zum nicht minder guten Online-Magazin "Doktor Peng!", das Christian 2013 mit einigen Freunden gegründet hat. Er fügt sich perfekt in die Plattform ein, die Texte über Popkultur und intellektuelle Themen verbindet.

Mittlerweile gibt’s auch einen "Off-Duty" Pengcast

Christian sagt: "Bei unseren besten Casts soll man vor Lachen beim Frühstück den Kaffee ausspucken und trotzdem etwas mitgenommen haben: Eine neue Sichtweise auf Kino, gespickt mit philosophischen, politischen Ideen oder mehr über Filme und ihre Kritik gelernt haben."

Im Pengcast ist sowohl Platz für Popcorn-Kino als auch für Indie-Streifen. Hoch im Kurs stehen unerwartete Twists, gefallene Helden, Zeitreisen und Trickbetrüger. Gereizt reagiert das Team dagegen auf historische Biopics, Superheldenfilme und stumpfe Komödien. Aber es lässt sich gerne positiv überraschen, und manchmal schwinge sich auch einer zum edlen Ritter auf, um einen Film vor den anderen drei zu verteidigen, erzählt Malte.

Die Jungs feierten im Mai ihre hundertste Folge stilvoll mit einem Video-Special. Und es macht ihnen immer noch Spaß, obwohl wöchentlich viel Zeit für Vorbereitung, Aufnahme und Schnitt eingeplant werden muss. Denn alle vier sind kreative Multitalente, die zu viele Hummeln im Hintern haben und zwischen Studium und "dieser komischen Erwachsenenwelt" hängen.

Neben Musik, Theaterprojekten und Radiomoderation bietet ihnen das Format Podcast eine besondere Spielwiese. "Das schönste ist, dass man mit wenig Mitteln in der Lage ist, Kreativ-Output zu schaffen", sagt Max. Und der Pengcast ist nicht genug. Vor Kurzem hat das Team noch einen neuen Podcast gestartet: "Pengcast: Off Duty", bei dem frei von der Leber über Tiefgründiges und Alltags-Comedy gelabert wird.