Peer Gynt: Probenbesuch in der Waldorfschule Freiburg-Wiehre

Lisa Geiger

Am kommenden Wochenende zeigt die 12. Klasse der Waldorfschule Freiburg-Wiehre Henrik Ibsens norwegisches Drama "Peer Gynt". Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Lisa hat für fudder bei einer Probe der Waldorfschüler vorbeigeschaut.



Öffnet man die rosafarbene Tür des Theatersaales, sieht man Grüppchen von Schülern herumstehen. Die Mädchen unterhalten sich, rechts hinten spielt einer Gitarre, im Vorraum wird Kuchen gegessen. Irgendwo dazwischen ist Regisseur Jörg Andrees mit einer Gruppe Schülern bei den Proben.


Der schwierige Text von „Peer Gynt“ muss richtig betont und auch auswendig gelernt werden. Die Atmosphäre ist entspannt, es wird viel gelacht und herumgealbert. Die Proben dauern auch am Wochenende und in den Ferien oft bis zu 12 Stunden lang.



Nicht nur einen großen Theatersaal haben sie zur Verfügung, sondern auch einen gut ausgestatteten Kostümfundus: alles was das Theater-Herz begehrt. Von schlabberigen braunen Troll-Hosen bis zu Federhüten findet sich hier alles. Peer Gynt zum Beispiel trägt einen weißen Anzug.

„Das ist modern und passt zur Figur“, meint Julian Limberger. Peer wird wegen der Textlastigkeit von drei verschiedenen Schülern gespielt.  Das hat auch praktische Gründe: Die 70 Charaktere im Stück müssen mit nur 32 Schülern besetzt werden, da muss jeder mehrere Rollen übernehmen. Außerdem wurde das Fünf-Stunden-Stück auf zwei Stunden gekürzt.



Lieber was Modernes

Erst vor fünf Wochen bekamen die Schüler und Schülerinnen ihre Texte, denn die Klasse konnte sich lange nicht entscheiden, welches Stück gespielt werden sollte. Lieber wäre ihnen anfangs etwas Moderneres gewesen, denn die Sprache in Peer Gynt empfinden die meisten als seltsam und schwierig.

An einem Wochenende veranstalteten sie einen Workshop, um Stücke zu lesen und das Beste auszusuchen, Peer Gynt war da noch nicht dabei. Auch Regisseur Jörg Andrees hatte dieses Stück „als letztes im Sinn“.

Eine Schülerin hatte das Stück am Stadttheater Freiburg gesehen und konnte davon begeistert berichten. „Dann gab es einen Stimmungsumschwung und das Stück hat die Schüler irgendwie angesprochen“, erzählt der Regisseur. Jörg Andrees arbeitet sonst freiberuflich in Berlin und hat schon Inszenierungen in England oder am Bodensee begleitet. Auch beim Tanz- und Musiktheater ist er zu Hause und gibt privaten Schauspielunterricht. Ihm gefällt die Arbeit mit den Waldorf-Schülern: „Es ist fantastisch, viel besser als befürchtet. Wir haben ein Vertrauensverhältnis gefunden. Die Jugendlichen machen toll mit, sind in hohem Grade verlässlich und entwickeln auch eine eigene Aktivität, die machen das Stück wirklich zu ihrem Stück.“



Bollywood und Karoke

Denn wer hier verstaubten Stoff in langweiligem Gewand erwartet, wird enttäuscht. Die Schüler bringen moderne Elemente mit ein, und zwar in allen Bereichen. In der Musik verwenden sie klassische Instrumente wie Cello und Geige, aber auch E-Gitarre und Schlagzeug. Beim Tanz geht es in Richtung Bollywood: Bei der Wüstenszene tanzen arabische Mädchen um Peer Gynt herum. Almut Küpper ist zwar eine Klasse unter denen der Theater-Klasse, hilft aber beim Einstudieren des orientalischen Tanzes. Sie hat sich die Tänze aus den Bollywood-Filmen selbst beigebracht. In einer anderen Szene, wenn Peer sein Liebeslied singt, planen die Schüler einen Ghettoblaster mit Karaoke-CD.



„Die Klasse hält zusammen und das stärkt die Gemeinschaft. Die Grundstimmung ist voll cool, denn nicht jeder macht irgendwas, sondern alle sind den ganzen Tag zusammen“, berichtet Julian Limberger. Während die Schüler am Wochenende proben, bringen einige Eltern Essen vorbei, denn die Caféteria hat geschlossen. Da gibt es zum Beispiel gefüllte Blätterteigtaschen oder Schokokuchen. Auch Maike Waßmer will die Zeit nicht missen: „Manchmal muss man viel warten, dann zieht es sich in die Länge. Das ist besonders blöd, wenn man weiter weg wohnt und nicht wirklich nach Hause kann. Aber wenn man dann dabei ist, macht es meistens schon Spaß.“

Derweil gibt es viel Text zu lernen, zu proben und zu arbeiten, aber alles mit einer guten Portion Spaß an der Sache. Es ist zu erwarten, dass man das auch auf der Bühne sieht.

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Was:
Henrik Ibsen "Peer Gynt"
Wo: Freie Waldorfschule Freiburg-Wiehre, Schwimmbadstr. 29
Wann: Freitag, 22., Samstag, 23. und Sonntag, 24. Februar, jeweils 20:15 Uhr
Eintritt: frei; Es wird um Spenden gebeten