Peaceful Sins: Guerilla-Hippie-Rocker aus der Wiehre

Hendrik Johannemann

Das Jugendbildungswerk und der neu gegründete Verein "Pop-Frequenz" starten heute Abend eine neue Konzertreihe: My Stage. Auf der Bühne stehen die Peaceful Sins, die sich musikalisch mit dem Begriff "Guerilla-Hippie-Rock" verorten. Was man sich darunter vorstellen kann:



Am heutigen Freitagabend startet die neue Konzertreihe "My Stage", die vom Jugendbildungswerk und dem neuen Freiburger Verein Pop-Frequenz (siehe BZ-Interview) initiiert wurde. "My Stage" will jungen Musikern aus Freiburg und Umgebung eine Bühne bieten und sie mit der Musikbranche in Kontakt bringen. Heute zu hören: die Band Peaceful Sins.


Stilistisch vogelfrei wollen die Peaceful Sins sein, nicht abkupfern, sich nicht auf eine Musikrichtung festlegen lassen. Anfangs waren sie noch von Green Day-Coverbandgedanken getrieben. Doch mittlerweile jammen sie lieber. "Improvisation befreit", heißt es dazu. Peaceful Sins wollen sich von Mainstreamzwängen frei machen. Das Ergebnis: "Guerilla-Hippie-Rock", so nennen die drei Jungs aus der Wiehre ihre eigene, unverkennbare Art.

Jeden Mittwochnachmittag treffen sich die PH-Studenten Phillip Soddemann (22), Julian Höpgen (21) und der Abiturient Niclas Soddemann (18) zum Proben. Eine Heizung gibt es nicht in dem Kellergewölbe, das Licht geht unvermittelt alle 20 Minuten aus, verstaubte Sofas stehen wild verstreut herum. In der kalten Jahreszeit werden einem die Finger nicht selten klamm. Es wirkt improvisiert.

Doch Improvisation gehört bei Peaceful Sins einfach dazu. Sobald Niclas die ersten Basslinien spielt, Julian mit dem Schlagzeug einsetzt und Phillip sich mit seiner selbst gebauten E-Gitarre ans Mikro stellt, geht das Jammen los. Da ist die feuchte Kälte schnell vergessen. Phillips Stimme wird vom Mikro verzerrt, er klingt retro, verraucht: "I’m praying for a simple Life, I’m praying for a good Time."

Eine gute Zeit ist mit Peaceful Sins garantiert. Normalerweise seien die verstaubten Sofas in dem Kellerraum bei den Proben mit Publikum gefüllt, berichtet Lead-Sänger Phillip. Freunde lauschen den drei Jungs bei ihren Jam-Sessions, geben ihren Senf dazu. Extra für die Medien wurde das Publikum allerdings ausgeladen. Schade eigentlich. "Wir widmen unseren Freunden sogar einige Lieder", meint Julian. Die drei Jungs sind auch selbst sehr gut befreundet, kennen sich seit Grundschulzeiten. Phillip und Niclas sind Brüder, und Julian gehöre sowieso zur Familie. Fünf von sieben Tagen verbrächten sie gemeinsam, eine regelrechte "Band of Brothers", fügen die drei schmunzelnd hinzu. "Die Musik hat uns zusammengeschweißt."

Gegründet wurden Peaceful Sins vor sechs Jahren in Phillips und Niclas’ Jugendzimmer. Die Begeisterung für The Who war mit ein Grund. Doch wer macht was? Das war die große Frage. "Ich habe mich letzten Endes als Sänger durchgesetzt, weil ich die Songtexte von Green Day besser auswendig konnte", sagt Phillip und lacht. So kann’s gehen.

Mittlerweile spielen sie aber nur noch eigene Songs, die inhaltlich auch mit ihrem Bandnamen zu tun haben. "Peaceful Sins" ziele auf die kleinen Sünden des Alltags ab, die nicht sofort bestraft werden. Bei echten Rockmusikern bleiben Tabubrüche nicht aus. Doch auch "Peace and Love" gehört für sie dazu. Guerilla-Hippie-Rock eben.

Wenn Niclas dann dieses Jahr sein Abi in der Tasche hat, wollen Peaceful Sins richtig durchstarten. Bisher sind sie nur in Freiburg aufgetreten, bei offenen Bühnen im Haus der Jugend, Benefizkonzerten und beim Zeltmusikfestival im vergangenen Sommer. Im Oktober werden sie auf einem Konzert zugunsten des Vereins Wendepunkt spielen, um ein Zeichen gegen sexuellen Missbrauch zu setzen. Als politische Band bezeichnen sie sich nicht, sozial engagiert aber schon. "So bekommen gute Projekte Aufmerksamkeit, wir aber eben auch", erklärt Phillip.

Diese Aufmerksamkeit wollen die drei Musiker nutzen. Tilo Fierravanti vom Jugendbildungswerk hat sie angesprochen, ob sie bei "My Stage" mitmachen wollen. Die Chance nutzen Peaceful Sins natürlich gerne, wenn sie auch bei jedem Auftritt immer noch von Lampenfieber geplagt werden. "Aber nach ein, zwei Songs haben wir unsere Betriebstemparatur erreicht", weiß Phillip. Das nächste Ziel ist eine eigene CD. Oder noch besser: Eine Schallplatte. "Wir sind Vinyl-Fetischisten", meint Niclas. Mit ihrem 70er-Jahre-Charme wollen Peaceful Sins auch außerhalb Freiburgs punkten. So sollen schon bald neue Fans auf ihren angestaubten Sofas im Proberaum begrüßt werden können. Dann jammen Peaceful Sins wieder drauflos, und zwar wie immer stilistisch vogelfrei – "das macht uns besonders".

Mehr dazu:

Was: Konzertreihe "My Stage" mit den Peaceful Sins und Banana Fruit Company
Wann: Freitag, 1. März, 20 Uhr
Wo: Haus der Jugend, Uhlandstraße 2

Der Eintritt zur Konzertreihe ist frei.

[Foto: Thomas Kunz]